Linguistisches Kolloquium: Unterschied zwischen den Versionen

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(Programm im Wintersemester 2012/13)
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*'''Termin:''' jeweils Dienstags, 16:15 - 17:45 Uhr<br>
 
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*'''Ort:''' [[Emil-Figge-Straße 50|Emil-Figge-Str. 50]], Raum 3.112
 
*'''Ort:''' [[Emil-Figge-Straße 50|Emil-Figge-Str. 50]], Raum 3.112
 
 
*Der Vortrag von '''Prof. Dr. Elisabeth Gülich''' im [[Linguistisches Kolloquium|Linguistischen Kolloquium]] am '''Dienstag, dem 04.12.2012''', entfällt. Als Ersatztermin wurde '''Dienstag, der 08.01.2013''' festgelegt.
 
  
  
 
*'''Nächster Vortrag:'''
 
*'''Nächster Vortrag:'''
:08.01.2013  
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:22.01.2013  
:'''Elisabeth Gülich''' (Bielefeld):  
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:'''Ina Pick''' (Bielefeld):  
:''Zur narrativen Rekonstruktion traumatischer Erfahrungen. Linguistische Analysen im interdisziplinären Kontext''
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:''Zwischen Beraten, Vertreten und Verkaufen Ergebnisse zum sprachlichen Handeln im anwaltlichen Erstgespräch''
 
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*'''Abstract:'''
 
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Mit der letzten grundlegenden Reform des rechtswissenschaftlichen Studiums 2003 wurden sogenannte Schlüsselqualifikationen wie Gesprächsführung, Kommunikationsfähigkeit oder Rhetorik verpflichtend als Studieninhalte eingeführt. Von linguistischer Seite gibt es gerade für die anwaltliche Gesprächsführung, die die meisten Absolventen betrifft, allerdings kaum Ergebnisse. Das angewandt-sprachwissenschaftliche Promotionsprojekt (TU Dortmund, Betreuung: Gisela Brünner), über das im Vortrag berichtet wird, soll auf einer breiten Datengrundlage Aufschluss über einen wichtigen Teilbereich anwaltlichen Handelns geben: das Erstgespräch mit dem Mandanten.
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Im Vortrag werden anhand von Audio- und Transkriptbeispielen die für das Mandantengespräch zentralen Handlungskomplexe Beraten (über juristische Fragen) und Verkaufen (einer anwaltlichen Dienstleistung) in ihrer spezifischen Bearbeitung dargestellt. Dabei soll das besondere Augenmerk auf das Verbindungsgelenk dieser beiden Komplexe im Gespräch, das gemeinsame Planbilden, gelegt werden. Beim gemeinsamen Planbilden changieren im anwaltlichen Erstgespräch die sprachlichen Handlungsmuster der Lösungsentwicklung beim Beraten auf der einen Seite und des Angebot-Verhandelns beim Verkaufen auf der anderen Seite und sind miteinander verwoben. Hierin verbirgt sich gleichzeitig das zentrale Handlungsdilemma des Anwalts, der die teils identischen und teils konträren Rollenanforderungen eines Beraters und eines Verkäufers verkörpern und kommunikativ bearbeiten muss. Ebenfalls ist dieses Changieren der Muster verantwortlich für zahlreiche kommunikative Probleme und kann das Gelingen des weiteren Mandatsverlauf bis hin zur Entscheidung über eine Mandatierung beeinflussen.
  
:Zur narrativen Rekonstruktion traumatischer Erfahrungen. Linguistische Analysen im interdisziplinären Kontext
 
:In medizinischen und psychologischen Studien zur Traumaforschung werden häufig sprachliche Phänomene als charakteristische Merkmale für das Erzählen traumatischer Erlebnisse genannt; insbesondere wird auf „inkohärentes“ oder „desorganisiertes“  Sprechen hingewiesen. Von Seiten der linguistischen Gesprächsforschung sind dazu bisher jedoch kaum Beiträge geleistet worden. In Anknüpfung an aktuelle interdisziplinäre Forschungen wird in dem Vortrag der Versuch unternommen, anhand von Ausschnitten aus authentischen Arzt-Patient-Gesprächen Verfahren der narrativen Rekonstruktion traumatischer Erfahrungen herauszuarbeiten. Dabei stellt sich die Frage, welche Rolle das Erzählen für die Bearbeitung oder Bewältigung des Traumas spielt und inwieweit sich im Erzählten Hinweise auf den Grad der Bewältigung erkennen lassen. Hier allerdings stößt die Gesprächsforschung an ihre Grenzen; die Auswertung ihrer Ergebnisse in interdisziplinären Forschungs- und Praxiszusammenhängen bedeutet gerade in der Traumaforschung eine besondere Herausforderung.
 
 
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Version vom 10. Januar 2013, 10:20 Uhr

Im Linguistischen Kolloquium, das von den Professorinnen und Professoren der germanistischen Sprachwissenschaft organisiert wird, werden regelmäßig herausragende externe Kolleginnen und Kollegen zu einem Gastvortrag an unserem Institut eingeladen, um aus ihren laufenden Forschungen zu berichten. Die Vorträge richten sich insbesondere auch an Studierende, die Themen der einzelnen Gastvorträge stehen in Zusammenhang mit den Schwerpunkten in Forschung und Lehre, die auch am Institut vertreten werden.

Programm im Wintersemester 2012/13

Das aktuelle Semesterprogramm als PDF-Datei: Programm im Wintersemester 2012/2013


  • Nächster Vortrag:
22.01.2013
Ina Pick (Bielefeld):
Zwischen Beraten, Vertreten und Verkaufen Ergebnisse zum sprachlichen Handeln im anwaltlichen Erstgespräch


  • Abstract:

Mit der letzten grundlegenden Reform des rechtswissenschaftlichen Studiums 2003 wurden sogenannte Schlüsselqualifikationen wie Gesprächsführung, Kommunikationsfähigkeit oder Rhetorik verpflichtend als Studieninhalte eingeführt. Von linguistischer Seite gibt es gerade für die anwaltliche Gesprächsführung, die die meisten Absolventen betrifft, allerdings kaum Ergebnisse. Das angewandt-sprachwissenschaftliche Promotionsprojekt (TU Dortmund, Betreuung: Gisela Brünner), über das im Vortrag berichtet wird, soll auf einer breiten Datengrundlage Aufschluss über einen wichtigen Teilbereich anwaltlichen Handelns geben: das Erstgespräch mit dem Mandanten. Im Vortrag werden anhand von Audio- und Transkriptbeispielen die für das Mandantengespräch zentralen Handlungskomplexe Beraten (über juristische Fragen) und Verkaufen (einer anwaltlichen Dienstleistung) in ihrer spezifischen Bearbeitung dargestellt. Dabei soll das besondere Augenmerk auf das Verbindungsgelenk dieser beiden Komplexe im Gespräch, das gemeinsame Planbilden, gelegt werden. Beim gemeinsamen Planbilden changieren im anwaltlichen Erstgespräch die sprachlichen Handlungsmuster der Lösungsentwicklung beim Beraten auf der einen Seite und des Angebot-Verhandelns beim Verkaufen auf der anderen Seite und sind miteinander verwoben. Hierin verbirgt sich gleichzeitig das zentrale Handlungsdilemma des Anwalts, der die teils identischen und teils konträren Rollenanforderungen eines Beraters und eines Verkäufers verkörpern und kommunikativ bearbeiten muss. Ebenfalls ist dieses Changieren der Muster verantwortlich für zahlreiche kommunikative Probleme und kann das Gelingen des weiteren Mandatsverlauf bis hin zur Entscheidung über eine Mandatierung beeinflussen.


Programm früherer Semester