Intensitätspartikeln

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Diese Seite ist Teil des Partikellexikons und ein Beispiel für den Einsatz von Wikis im Sommersemester 2007.

                                      Intensitätspartikeln

Andere Bezeichnungen/ Zuordnungen:

  • Steigerungspartikel (Helbig),
  • Intensifikator,
  • Intensivpartikeln (Hentschel/ Weydt),
  • Gradpartikel (im canoonet)

Als Intensitätspartikeln wird eine Klasse von Partikeln bezeichnet, welche „die von einem Adjektiv oder Adverb ausgedrückte Charakterisierung intensivierend-steigernd oder abschwächend-abstufend modifizieren“. (vgl. Grammis, unter Intensitätspartikel, zuletzt geändert 08.03.06)

z.B.: Sie hat ihn in sehr guter Erinnerung. Er hat ihr zu oft geholfen.

„Die Wahrheitsbedingungen des Ausdrucks werden [durch die Intensitätspartikel] (...) nicht verändert“ (vgl. Grammis)

Unterteilung der Intensitätspartikeln:

intensivierend – steigernd sehr, überaus, ungemein, weitaus, zu, zutiefst, irre [ugs.], echt [ugs.]

abschwächend – abstufend einigermaßen, etwas, kaum, recht

Wie in der Regel alle Partikeln sind auch die Intensitätspartikeln (vgl. IDS-Grammatik 1997: 56) nicht flektierbar. Sie können zudem nicht den Kopf einer Phrase bilden und sind nicht untereinander koordinierbar.

z.B.: sehr und einigermaßen - kaum und recht - überaus und ungemein

„Intensitätspartikeln haben semantische Ähnlichkeit mit den Fokuspartikeln [Gradpartikeln], haben aber eine andere (syntaktische) Distribution als diese: Sie stehen unmittelbar vor dem modifizierten Ausdruck, der - im Unterschied zu den Fokuspartikeln - kein Nomen sein kann.“ (vgl. Grammis) „Sie können nicht allein das Vorfeld besetzen (bilden kein ‚Satzglied’)“ (IDS-Grammatik 1997: 56). Ein Beispiel für die Gebundenheit und somit Einschränkung in der Verschiebbarkeit (nur mit Bezugswort bzw. im Rahmen der Phrase):

      Vorfeld       linke Satzkl.       Mittelfeld       rechte Satzkl.
      Sehr schön    ist                 der Sommer       gewesen
      Der Sommer    ist                 sehr schön       gewesen

„Wie die Abtönungs- und Gradpartikeln, so kommen auch die“ Intensitätspartikeln „unbetont oder betont vor. Die Betont- bzw. Unbetontheit hängt jedoch nicht von dem Vorkommen in bestimmten Satzarten und Sprechhandlungen (wie bei den Abtönungspartikeln) und auch nicht von der Stellung (wie bei den Gradpartikeln) ab, sondern (in den meisten Fällen) von der kommunikativen Intention (…). In einigen Fällen ist sie mit einem Bedeutungsunterschied der Partikel selbst verbunden:

       Die Arbeit ist ganz gút. (Abschwächung der Eigenschaft, weniger als „gut“)
       Die Arbeit ist gánz vorzüglich. (Verstärkung der Eigenschaft, mehr als „vorzüglich“)
       Das Stadion ist gánz ausverkauft. (Verstärkung der Eigenschaft, völlig „ausverkauft“)“ 
       (vgl. Helbig 1988: 48)

„Sie können einen Gewichtungsakzent erhalten“ (vgl. ebd.):

       Sie war `überaus glücklich 
       Er fragte `sehr oft.

Manche flektierbaren Adjektive können auch die Funktion von Intensitätspartikeln übernehmen, diese sind dann ebenfalls unflektiert (vgl. Grammis) - ein kontrastierendes Beispiel (Adjektiv flektiert vs. Adjektiv als Intensitätspartikel unflektiert):

       eine enorme Leistung, eine außergewöhnliche Schönheit, deine totale Blödheit, eine ziemliche Frechheit,					

im Gegensatz zu:

       enorm leistungsfähig, außergewöhnlich schön, total blöd, ziemlich frech

Sie lassen sich „teilweise auch modifizieren/ kombinieren:

       ganz ungewöhnlich schön, 
       nahezu komplett verrückt." (vgl. Grammis)

Adjektive, welche die Funktion von Intensitätspartikel einnehmen können (auch „Intensitätsmodifikatoren“, vgl. IDS-Grammatik 1997, Bd. 2, S. 988):

       absolut, außerordentlich, außergewöhnlich, besonders, enorm, extrem, ganz, höchst,  
       komplett, total, ungewöhnlich, völlig, weit, ziemlich

„Auch wie und so [können] als Intensitätsmodifikatoren gebraucht [werden]“ (vgl. ebd.):

       Wie schön das ist.
       Das ist so schön.

„Intensitätspartikeln zeigen unterschiedliche Verträglichkeiten mit den einzelnen Steigerungsstufen ihrer Bezugsadjektive: Manche können nur vor einem nicht -komparierten Adjektiv (Positiv) stehen:

       sehr / besonders / ungemein schön, aber *sehr / *besonders / *ungemein
       schöner.

Andere [können nur] vor einem Positiv und[/ oder] einem Komparativ:

       etwas faul / der etwas fleißigere Bruder,

nur vor einem Komparativ : *kaum gut, kaum besser, nur vor dem Komparativ und dem Superlativ: *weitaus gut, weitaus besser, weitaus am besten.“ (vgl. Grammis)

„[Intensitätspartikeln] können in der Regel nicht selbständig als Antwort auf Fragen fungieren.

(…) sehr und ziemlich können als Responsiv (mit Analepse [= bestimmte Form der Auslassung]) fungieren:

       A: Leidest du?                /        Bist du unglücklich?
       B: [Ich leide] sehr           /        [Ich bin] ziemlich [unglücklich]“
       (IDS-Grammatik 1997: 56)

„Ausdrücke wie besonders, sehr, ungemein, ziemlich können auch als Adverb verwendet werden, dabei ist die skalierende Funktion erhalten:

       Er leidet sehr/ besonders/ ziemlich.“ (vgl. ebd.).

„(…) eine Spezifizierung durch eine Intensivpartikel/ einen Intensitätsmodifikator [ist] teilweise möglich.“ (vgl. ebd.):

       Sie leidet zu sehr          /        * zu besonders
       Es schmerzt ganz besonders  /        * sehr besonders
       Sie leidet ganz ungemein    /        * zu ungemein

„Damit eine Intensivpartikel [Intensitätspartikel] im Bezug auf ein Verb genutzt werden kann, muss der vom Verb ausgedrückte Prozess semantisch graduierbar sein:

       zutiefst oder sehr lieben, (…) aber
       *zutiefst essen.“(Hentschel/ Weydt 1990: 290)

„Intensivpartikel [Intensitätsmodifikatoren] wie ganz oder völlig, die das semantische Merkmal 'Abgeschlossenheit' besitzen, können mit Zustandsverben sowie mit den meisten perfektiven Verben verwendet werden:

       Er wohnt / lebt jetzt ganz in Paris;
       Das Gebäude wird noch völlig abbrennen.

Nicht hiermit verwechselt werden darf der Gebrauch von ganz und völlig als prädikative Attribute wie in: Der Wolf verschlang das Rotkäppchen ganz (= ‚Rotkäppchen war ganz’)“. (ebd.).

Das Wort besonders kann sowohl als Intensivpartikel als auch Gradpartikel fungieren:
als Gradpartikel:

       Was daran schlimm sein soll? Ganz einfach: Es landet meist zuviel Putzzeug im Wasser - besonders seit   
       es Konzentrate gibt. (die tageszeitung, 25.03.1994, S. 26)

als Intensivpartikel:

       Ich hab' mich diesmal besonders schön angezogen.

Autor/in: Yasemin Aydin, Emine Colak, Katja Müller

Bearbeitung: Jochen Schulz