Gradpartikeln

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Diese Seite ist Teil des Partikellexikons und ein Beispiel für den Einsatz von Wikis im Sommersemester 2007.

Gradpartikeln

Zu den Gradpartikeln, die oft auch Fokuspartikeln genannt werden, rechnet man überwiegend eingliedrige Ausdrücke wie sogar, auch, bloß, allein, auch, ausgerechnet, bereits, besonders, einzig, erst, gar, gerade, noch, nur, schon, selbst, etc., aber auch einige zweigliedrige Ausdrücke wie bspw. nicht einmal. Den Gradpartikeln kommen aller Regel nach verschiedene Funktionen zu, sieht man von sogar und bereits ab, die genuine Gradpartikeln sind und allein der Diktumsgradierung dienen. Ein Beispiel für die häufigste Funktion von Gradpartikeln, die Diktumsgradierung, ist etwa (vgl. GDS S. 57.871):

Sogar Hans hat gewonnen. (s. GDS S. 57)

Das sogar zeigt hier, dass es auf der Skala der Eintretenswahrscheinlichkeit als relativ unwahrscheinlich eingestuft wurde, dass Hans gewinnen würde. Des Weiteren schreibt man den Gradpartikeln auch noch die Funktion der Quantifikationsmodifikation zu. Hierzu ein Beispiel(vgl. GDS S. 57):

„Mei“, sagte die Angela, „ein Kindl ist halt ein Kindl, und ein solches, das bloß eine Mutter hat, muss man doppelt lieb haben.“ (s. GDS S. 871)

Die Gradpartikeln bloß, nur, lediglich können also neben der Diktumsgradierung auch die Quantifikationsmodifikation wahrnehmen. Die Gradpartikeln circa, fast, höchstens und nahezu werden hingegen ausschließlich quantifikationsmodifizierend gebraucht und können keine Diktumsgradierung vornehmen. Die dritte Funktion, die man den Gradpartikeln zuspricht, ist die Konnexion. Ein Beispiel hierfür ist (vgl. GDS S. 57):

Schließlich würden auch niedrigere Dollarkurse in diese Richtung wirken. (s. GDS S. 871)

Hinsichtlich der Stellung der Gradpartikeln kann man sagen, dass sie oftmals unmittelbar vor oder nach ihrem Bezugswort stehen, aber auch in Distanzstellung auftreten. Nur und schon können sogar vollkommen losgelöst von ihrem Bezugsausdruck im Vorfeld stehen.(vgl. GDS S. 57)

Das Erkennen von Gradpartikeln gestaltet sich allerdings nicht ganz so einfach, weil diese gegenüber anderen Partikeln abgegrenzt werden müssen, die ähnliche Funktionen erfüllen wie die Gradpartikeln. Die Grammatik der deutschen Sprache schlägt deshalb vor, dieses Problem zu lösen, indem man eine Liste mit den als Gradpartikeln zu gebrauchenden Ausrücken erstellt. Diese „Lösung“ wirft aber wieder neue Probleme auf, weil die Gradpartikeln keine in sich geschlossene Klasse sind, sondern die Ausdrücke durchaus auch noch gänzlich andere Funktionen als die Gradierung wahrnehmen können. Eine Grammatik kann dieses Problem nur lösen, indem sie Kriterien für die Funktionen von Gradpartikeln festlegt; welche Funktion eine Partikel jedoch wahrnimmt, muss im Einzelfall aus dem jeweiligen Einzelsatz oder Kontext erschlossen werden. Selbst wenn sie aber dem semantischen Aspekt der Gradierung nachkommt, kann man – wie oben dargestellt – nicht immer von einer Diktumsgradierung sprechen, sondern muss immer zwischen der Quantifikationsmodifikation, der Konnexion und der Diktumsgradierung unterscheiden. (vgl. GDS S. 870)

Autor/in: Dennis Kretzschmar

Bearbeitung und Ergänzung: Jochen Schulz