Semon-Abstract

Aus StudiGer
Wechseln zu: Navigation, Suche


Von „Huns and Hyphens“ bis „The Headwaiter“: Die innere und äußere Serialität der Larry Semon Comedies, 1918-1920


Der Stummfilmkomiker Larry Semon (ca. 1887-1928) stand auf der Schwelle zum internationalen Ruhm, als er 1918 mit der Vitagraph Company of America einen Vertrag über mehr als ein Dutzend Zweiakter unterschrieb. Das zeitgenössische Kinopublikum hatte längst seinen Unmut über gängige Slapstick-Comedies geäußert, da es sich von den darin so unmotiviert wie reichlich eingesetzten Verfolgungsjagden, notorisch kollabierenden Personen und klebrigen Wurfgeschossen unterfordert fühlte.(1) Semon gelang es zu dieser Zeit, das Erratische der typischen Slapstick-Comedy aufzubrechen: Er lieferte Handlungen, aus denen sich Gags entwickelten, und er konnte auf einen hervorragenden Mitarbeiterstab (darunter Stan Laurel, Oliver Hardy) zurückgreifen, der einen „skillfully injected touch of genuine character portrayal“(2) garantierte. Verbunden mit noch auf orthochromatischem Film basierenden Bildern, die mit der Klarheit geometrischer Hintergrundstrukturen arbeiteten, schuf Semon eine surrealistisch anmutende Welt, in der grundsätzlich Fahrräder Motorräder überholen, das Überklettern eines Daches genügt, um vom Land in die Großstadt zu gelangen, und Ziegelwände vornehmlich von der Zimmertapete zusammengehalten werden. Als Pilotfilm dieser Reihe kann der Einakter „Hindoos and Hazards“ (1918) gelten, der gerade wegen seiner Kürze besonders deutlich zeigt, wie sich bei Semon aus einer Idee über Variation (vgl. Running Gag) eine komplette Handlung entfaltet. Diese innere Serialität wird ergänzt von einer filmüberschreitenden äußeren Serialität, indem Semons Comedies durch Wiederaufnahme von Running Gags aufeinander referieren: Auch wenn Semons Filmpersona Larry in „comichafter Regenerationsfähigkeit“(3) stets anders wiederersteht, kulminiert das Gros dieser Comedies in Auseinandersetzungen auf demselben Hochhaus. Dabei erfolgt die Wiederaufnahme dieses Gags nicht in der Kopie, sondern in der Variation, aus der sich wiederum eine innere Serialität innerhalb der äußeren Serialität ergibt. Im Zentrum dieses Beitrags steht die Untersuchung von Semons Slapstick-Zweiaktern hinsichtlich ihrer Struktur und Ästhetik.

Biographische Notiz:
Dr. Claudia Sassen, Lehrkraft für besondere Aufgaben im Bereich Sprachwissenschaft und Didaktik, Technische Universität Dortmund; Forschungsschwerpunkt: serielle Komik und Werbung; aktuelle Veröffentlichung: Larry Semon – Daredevil Comedian of the Silent Screen, Jefferson: McFarland, 2015; freiberuflicher Cartoonist.

Stefan Schroeder, Lehrkraft für besondere Aufgaben im Bereich Theaterwissenschaften an der Technischen Universität Dortmund; Regisseur, Autor und Schauspieler, u.a. am Theater an der Volme, Hagen; zahlreiche Slapstick- und Boulevardkomödien; aktuelles Projekt: dritter Teil einer Edgar- Wallace-Theaterparodie auf Basis der schwarzweißen Kultfilmreihe.


Kontakt: Technische Universität Dortmund stefan.schroeder@tu-dortmund.de, claudia.sassen@tu-dortmund.de

Quellen:
1 Vgl. Picture Play Magazine (1920): „What the Fans Think”, April 1920, S. 77.
2 Asheville Citizen, 11. Januar 1920, S. 13.
3 Marschall, Susanne (2007): „Slapstick”, in: Koebner, Thomas (Hg.): Reclams Sachlexikon des Films, Stuttgart: Philipp Reclam jun., S. 557.