Partikeln - Übersicht

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Diese Seite ist Teil des Partikellexikons und ein Beispiel für den Einsatz von Wikis im Sommersemester 2007.
Autor: Jochen Schulz

Hier sind - so ein initiierendes Teilziel des Seminars - verschiedene Partikelklassifikationen oder -einteilungen in den einschlägigen Grammatiken bzw. anderen relevanten Werken eingebracht worden, um für alle Interessierten einen Überblick in die sehr heterogene Partikologie bereitzustellen und diesbezüglich den Stand der Forschung zu ordnen. Die einzelnen Einträge zu den diversen Publikationen sind zum größten Teil auch ein Ergebnis von Arbeitsgruppen (Zweier-Teams), die ebenfalls eine redaktionelle Bearbeitung durch den Seminarleiter erfahren haben. Die einzelnen Beiträge sind entsprechend personell gekennzeichnet.

Zudem sind die Einträge relativ gleichmäßig aufgebaut und nach dem Einstieg (Kohrs/Cornelsen 2002 vs. Helbig/Buscha 2001) chronologisch geordnet, wobei im Jahre 1970 mit Admonis Grammatik "Der deutsche Sprachbau" und Brinkmanns zweiter Auflage seines Klassikers "Die Deutsche Sprache" aus 1971 begonnen wird. Bei manchen Werken wurden durch die Arbeitsgruppen verschiedene Auflagen gesichtet, um ggf. Unterschiede oder Erweiterungen aufzuspüren.

Nach der jeweiligen Literaturangabe erfolgt ein kurzer inhaltlicher Block pro Eintrag. Jeder Eintrag schließt mit einem Kasten, der die jeweiligen Kategorien pro Werk kurz zusammenfassend darstellt. Am Ende folgt die Autorenkennzeichnung des Artikels. Für die Werke/Einträge, für die keine Arbeitsgruppe gefunden werden konnte, ist der Seminarleiter verantwortlich. Weitere Einteilungen können prinzipiell hinzugefügt werden. Ziel dieser Seite ist nicht die linguistisch-präzise Beschreibung jeder (Sub-)Kategorie (dies erfolgt im Wiki-Partikelkategorienlexikon), sondern eine kurze und Übersicht schaffende Darstellung der verschiedenen Einteilungen, Ansätze und Termini der Partikeln in den relevanten linguistischen Werken.


Peter Kohrs - Deutsch - Grammatik (Cornelsen: Pocket Teacher) (2002)

Pocket Teacher, S. 50

Literatur: Kohrs, Peter (1997/2002): Deutsch Grammatik - Pocket Teacher. 5. Auflage 2002. Berlin: Cornelsen, S. 50 (vgl. Bilddatei)

Man kann - um ein erstes, grob vereinfachtes und linguistisch stark unzureichendes Beispiel bzw. einen ersten Ansatz (Cornelsen - Pocket Teacher) zu präsentieren - die Partikeln "im weiteren Sinne" verstehen, was durchaus vorkommt bzw. eine lange Tradition hat. Dabei werden alle Inflexibilia unter diese Kategorie subsumiert. Die dabei angesetzten Subkategorien differieren sowohl in der "didaktischen Primär- und Sekundärliteratur" sowie in verschiedenen linguistischen Standardwerken zudem (teilweise), was einer von vielen problematischen Aspekten ist:

                              Partikeln:
       Präpositionen   Konjunktionen   Adverben   Interjektionen

Autor/in: Jochen Schulz

Gerhard Helbig/Joachim Buscha - Deutsche Grammatik (2001)

Lit.: Helbig, Gerhard / Buscha, Joachim (2001): Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht. Berlin/München: Langenscheidt (vgl. Inhaltsverzeichnis bzw. zu den Partikeln S. 419 ff.)

Differenzierter stellt sich der Fall bspw. bei Helbig/Buscha (2001) dar.

Hier werden die Partikeln - im Anschluss an Admoni (1970) bzw. Erben (1972) (s. u.) - von den Adverben, Fügewörtern (Präpositionen und Konjunktionen), Modalwörtern und Satzäquivalenten abgegrenzt und weiter subkategorisiert:

  • Abtönungspartikeln

....

  • Gradpartikeln

....

  • Intensitätspartikeln

.....

  • Scheinbare Partikeln

Unter der Kategorie "Scheinbare Partikeln" werden heterogene Elemente wie "Interjektionspartikeln", "Antwortpartikeln", "Temporalpartikeln", "Negationspartikeln", "Vergleichspartikeln" und die "Infinitivpartikel" (zu) angeführt, die für Helbig/Buscha nicht zu den eigentlichen Partikeln zu zählen seien - vgl. ebd.: 424

                                 Partikeln: 
Abtönungspartikeln   Gradpartikeln   Intensitätspartikeln   Scheinbare Partikeln 

Autor/in: Jochen Schulz

Wladimir Admoni - Der deutsche Sprachbau (1970)

Lit.: Admoni, Wladimir G. (1970): Der deutsche Sprachbau. 3., durchgesehene und erweiterte Auflage. München: Beck (Erstausgabe russisch 1966, Moskau/Leningrad)

Die Abhandlung der Partikeln bei Admoni ist sehr knapp und ohne klare Angaben oder Klassifikationskriterien gehalten. Er behandelt diese gemeinsam mit den Konjunktionen in Kapitel 9 des ersten Buchteils „Morphologie“ (gegenüber dem zweiten Buchteil „Syntax“). Allgemein werden Partikeln als „völlig unveränderliche Hilfswörter […], die mit den Vollverben verbunden werden, um ihre Bedeutung näher zu umgrenzen und hervorzuheben“, definiert. Eine Abgrenzung zu den in Kapitel 8 thematisierten Adverbien und Modalwörtern wird, wenn auch ungenau, vollzogen: Während sowohl Modalwörter als auch Partikeln dazu beitragen, eine Äußerung zu betonen oder zu modifizieren, charakterisieren die Partikeln angeblich nicht eine Beziehung, sondern ein einzelnes Wort, und keines von ihnen nähme eine selbstständige Stellung im Satz ein. Bezüglich anderer Wortarten (besonders dem Verb) werden die Partikeln in ihrer Bedeutung klar untergeordnet. Trotz ihrer großen Anzahl seien sie eher für die gesprochene Sprache relevant und ihre Rolle im syntaktischen Bau des Deutschen sei eher gering. Dies gelte insbesondere bei einem Vergleich mit der russischen Sprache, auf welche in etymologischer Hinsicht verwiesen wird. Laut Admoni gehören die Partikeln besonders häufig zum Verb oder überhaupt zum Prädikat und werden gewöhnlich zu den Adverbien gezählt. Obwohl sie sehr reich an verschiedenen emotionalen und modalen Schattierungen seien, könne man folgende Klassen von Partikeln aussondern:

  • Begrenzende und identifizierende Partikeln:

nur, sogar, gerade, bloß, allein, eben, auch, selbst

Geben verbunden mit einem Substantiv an, ob der vom Wort bezeichnete Gegenstand mit einem schon genannten identisch oder unterschiedlich ist: Bsp.: Ich brauche bloß dieses Buch. Verbunden mit einem Verb drücken sie aus, wie sich der vom Verb bezeichnete Vorgang im Vergleich zu anderen verhält: Bsp.: Englisch kann ich nur sprechen.

  • Verstärkende Partikeln:

sehr, durchaus, zu, gar, mal, so, ja, ganz, usw.

Bsp.: Sie ist so schön! Die Abgrenzung zur ersten Klasse ist schwammig, da auch sogar, selbst, eben und gerade verstärkende Funktion haben.

  • Gegenüberstellend-verstärkende Partikeln:

dennoch, doch, wohl, ja, zwar, aber usw.

Gehören gewöhnlich zum Verb und legen einen besonderen Nachdruck auf den vom Verb bezeichneten Vorgang. Bsp.: Kommen sie doch!

  • Grammatikalisierte Partikeln:

es, zu, am

Es als Mittel, die strukturelle Vollständigkeit verschiedener grammatischer Konstruktionen zu sichern: Bsp:. Es war einmal ein König.

Zu als Infinitivpartikel und am als Superlativpartikel.

                                  Partikeln: 
  Begrenzende und identifizierende Partikeln  Verstärkende Partikeln  
  Gegenüberstellend-verstärkende Partikeln  Grammatikalisierte Partikeln

Autor/in: Ines Bommert, Lina Stockheim

Bearbeitung und Ergänzung: Jochen Schulz

Hennig Brinkmann - Die deutsche Sprache (1962/1971)

Lit.: Brinkmann, Henning (1962): Die deutsche Sprache. Gestalt und Leistung. 1. Auflage. Düsseldorf: Pädagogischer Verlag Schwann

Brinkmann, Henning (1971): Die deutsche Sprache. Gestalt und Leistung. 2., neubearbeitete und erweiterte Auflage. Düsseldorf: Pädagogischer Verlag Schwann

Brinkmanns Buch bietet - insbesondere in der zweiten erweiterten Auflage, auf die hier referiert wird - einen fundierten und aspektreichen Einblick in die deutsche Sprache, ihre Elemente, Formen und Funktionen. Es gliedert sich im Wesentlichen in drei Ebenen (Wortart, Satz, Rede) und ist unterteilt in sechs "Hauptteile" (vgl. Inhaltsverzeichnis). Der Autor benennt in den ersten vier Hauptteilen vier für ihn zentrale Wortarten: Substantiv, Adjektiv, Beziehungswort und Verbum. Hauptteil fünf bzw. sechs behandelt unter damals recht neuartigen Perspektiven den Satz (bspw. mit Subkapitel zur Intonation) bzw. die Rede (bspw. mit Subkapitel zum Aufbau der Redeeinheiten). Zu jedem Hauptteil gibt es thematische Unterkapitel, so bspw. zum Substantiv die Kapitel zur Morphologie, zu verschiedenen Klassen des Substantivs, zu Numerus, Artikel und Kasussystem (vgl. ebd.). Eine eigene Kategorie 'Partikeln' gibt es bei Brinkmann nicht. Unflektierbare Wortarten sowie der Bereich der Negation und die "Negativa" werden an verschiedenen Stellen im Werk behandelt (vgl. Sachregister). Das Adverb wird bspw. im Kapitel zum Adjektiv beschrieben (vgl. ebd.: 104 ff.); Wortarten wie Präposition oder Konjunktion im Kapitel zu den "Beziehungswörtern" (vgl. ebd.: 139 ff.). Ein Kapitel zum "Modalsystem" des Deutschen findet sich im Hauptteil zum Verb. In selbigem wird das "Modaladverb" beschrieben (vgl. ebd.: 400 ff.), welches dort auch als "Satzadverb" deklariert wird und im Prinzip die Kategorie der Modalpartikeln (im Sinne der GDS) darstellt. Im Hauptteil zum Satz wird in Kapitel zwei zur "zeitlichen Gliederung" im Abschnitt "Anpassung an Situation und Rede" (vgl. ebd.: 498 ff.) auf "Modalpartikeln und Konjunktionen" eingegangen, wobei mit 'Modalpartikeln' die Abtönungspartikeln nach Weydtschem Verständnis (vgl. Weydt 1969) gemeint sind. Bei den Beschreibungen der beiden Kategorien finden sich hinsichtlich ihrer Funktionalität zahlreiche interessante Aspekte, die auch intonatorische Aspekte beleuchten:

Das Modaladverb

"Als Modaladverb wird eine Klasse unveränderlicher sprachlicher Einheiten verstanden, die nicht den Inhalt des Verbums, sondern die Auffassung des Satzes modifizieren (s.o. 104); man könnte auch von "Satzadverb" sprechen. Diese Wortart ist dem Satzwert, nicht dem Inhaltswert des Verbums zugeordnet." (Brinkmann 1971: 400). Nach Brinkmann ist das Adverb, sofern es dem Inhaltswert eines Verbs zugehört, stärker betont und im anderen Fall, sofern es dem Satzwert des Verbums zugehört, schwächer betont bzw. unbetont. Zudem können Modaladverbien "zu allen Arten des modalen Ausdrucks hinzutreten", aufgrund der Leistung, "eine Stellungnahme des Sprechers formulieren zu können, auch als Antwort (wie ja und nein) in der Kommunikation einen Satz vertreten" (also im Sinne der GDS eine responsive Funktion übernehmen), "außerdem wie die Negation Satzglieder, besonders Attribute modifizieren" (vgl. ebd.: 400 f.). Als zentrale Funktionalität von Modaladverbien nennt Brinkmann weiterhin drei "wesentliche Leistungen" (vgl. ebd.: 401 f.):

1. Sie modifizieren die Setzung (Ausdruck von Gewißheit; Bekräftigung, Einschränkung o. Verneinung)

a) gewiß, sicher, etc. (Bekräftigung von Gewißheit) b) keinesfalls, keineswegs, etc. (Verneinung der Gewißheit, Ausschluss aller Fälle) c) kaum, schwerlich (Einschränkung)

2. Der Inhalt einer Aussage kann als Tatsache oder Annahme gekennzeichnet werden

tatsächlich, wirklich, natürlich, selbstverständlich, bekanntlich, vermutlich, wohl, etc.

"Die einzelnen Adverbien modifizieren Gewißheitsgrad und Begründung der gegebenen Information. Dabei spielt die Erwartung eine Rolle, mit der ein Sprecher rechnet." [...]. Mit vermutlich und voraussichtlich bringt der Sprecher zum Ausdruck, daß seine Annahme auf Vermutung oder Erwartung beruht. Durch vielleicht oder wohl wird eine Information als Annahme hingestellt. (ebd.: 401/402).

3. Während das Modaladverb bei Setzung oder Annahme zusätzlich modifiziert, ist es ohne modalen Konkurrenten beim Ausdruck einer gefühlsmäßigen Stellungnahme

Leider sind gewisse Äußerungen...bereits in die Presse gekommen

Hoffentlich bist du wenigstens nicht krank.

Hierzu zählt Brinkmann vor allem auch die Ausdrücke auf -weise und er erwähnt, dass "sich die Modifikationen durch ein Modaladverb zum größten Teil in eine Stellungnahme transformieren lassen" könnten: "Sicherlich hätte sie geleugnet -> es ist sicher, daß sie geleugnet hätte, etc." (vgl. ebd.). Abschließend wird konstatiert: "Offensichtlich wächst heute die Neigung, nicht in Stellungnahme und Inhalt auszugliedern (Es ist ein Glück, daß er ein anderes Flugzeug genommen hat), sondern beides als Einheit zu formulieren (Glücklicherweise hat er ein anderes Flugzeug genommen), wobei das Modaladverb in der Regel die erste Stelle im Satz einnimmt." (ebd.: 402). Die Beschreibung der Geltungs-Adverbien von Weinrich (1993) zeigt Parallelen zu denen des Modaladverbs bei Brinkmann. Des Weiteren ist in Bezug auf die Bestimmung der (vagen ) "Grade von Gewissheit bzw. Wahrscheinlichkeit" auf die Einteilung und Beschreibung der Ausdrücke des modalen Systems in der IDS-Grammatik hinzuweisen (vgl. GDS: Band 1, Kapitel D5, S. 788 ff. zu den aufbauenden Operationen; Unterteilung in geltungsrelevante vs. geltungsneutrale Diktumserweiterungen bzw. die Erläuterungen zu den Modalfunktionen (S. 862 ff.)) (vgl. auch die Einträge zu den genannten Werken auf dieser Übersichtsseite).

Die Modalpartikel

"Die Verbindung mit dem Horizont der Gesprächspartner stellen 'Modalpartikeln' [Fußnote zu Krivonosow (1965) an dieser Stelle] her. Sie bringen zusätzlich Momente in Spiel, die sich aus der Erwartung der Partner ergeben." (Brinkmann 1971: 499).

Als Beispiel dient: Mein Mann schreibt doch keine Karten (Fallada); Aber wer soll ihn denn verhaften? (Fallada)."

"Mit doch wird widersprochen, mit denn aus einer vorausgegangenen Äußerung gefolgert." (ebd.). Darüber hinaus führt Brinkmann an, dass die Modalpartikel "für die zeitliche Gliederung eine doppelte Bedeutung" habe (vgl. ebd.):

1. Sie ist Bestandteil der Satzintention und folgt darum in der Regel unmittelbar auf die Personalform. Zwischen Personalform und Modalpartikel könnten Pronomina stehen, die schwach betont sind und formulieren, was den Partnern bekannt ist (wer soll ihn denn verhaften?), oder andere sprachliche Elemente, die nicht betont werden sollen und eng mit dem Prädikat verbunden sind (das ist dem Kerl doch ganz und gar egal, Joh. Becher).

2. Nach der Modalpartikel steht, was kommunikative Bedeutung hat. So grenzt sie ab, was zum Gegebenen (Thema) gehört und was in der Kommunikation neu ist. So unterscheidet sich:

Wer läutet denn draußen? - Wer läutet draußen denn? - Wer fragt denn dich? - Wer fragt dich denn?

Zu den 'Konjunktionen' wird in diesem Zusammenhang noch erwähnt, dass sie "ohne Einfluß auf die zeitliche Gliederung des Satzes" seien, als "Satzbrücke" dienen würden und "eine bestimmte Erwartung" erwecken würden bzw. "auf eine Erwartung des Hörers Rücksicht nehmen" sowie "die Aufmerksamkeit lenken" würden. (vgl. ebd.).

                                       Partikeln:
  keine explizite Kategorie Partikeln, Terminus Modalpartikeln für das Phänomen der Abtönung;
  Terminus Modaladverb für Phänomen der Modalwörter/Modalpartikeln

Autor/in: Jochen Schulz

Johannes Erben - Deutsche Grammatik (1972)

Lit.: Erben, Johannes (1972): Deutsche Grammatik. Ein Abriss. 11. völlig neu bearbeitete Auflage. München: Max Hueber Verlag

Schulz, Jochen (2008): Abtönungspartikeln - dargestellt am Beispiel des Ausdrucks wohl. (Univ. Diss., Dortmund, 2008) (i.E.)

Die nachstehende Passage zur Partikelthematik in Erbens Grammatik ist der bald erscheinenden Dissertation (Schulz 2008) entnommen (vgl. ebd.).

Die "Deutsche Grammatik", die erstmals 1958 im Akademie-Verlag zu Berlin erschien, ist - nach einleitenden Vorbemerkungen (vgl. Erben 1972: 11 ff.) - ähnlich der Eisenbergschen Neubearbeitung des "Grundrisses der deutschen Grammatik" in zwei große Bereiche ("Das Wort" bzw. "Der Satz") aufgeteilt. Erben klassifiziert im ersten Teil (Kapitel I.: Das Wort; vgl. S. 29 ff.) des Abrisses - unter anderem auch unter syntaktisch-funktionaler Perspektive - folgende Wortarten: Verb, Substantiv, Beiwort (Adjektiv/Adverb), Fügewort (Präposition/Konjunktion), Formwort (Pronomina). Bezüglich der drei Wortarten Verb, Substantiv und Beiwort wird in Anlehnung an Otto von einer "kategorialen Grundbedeutung" ausgegangen (vgl. ebd.: 58), was im Hinblick auf die Partikeln eine wichtige Rolle spielt (vgl. Kapitel zur Kernbedeutung der Partikeln in Diss. Schulz 2008).

Neben dem isolierten Gebrauch beschreibt Erben die Wörter der deutschen Sprache - durch ihre Zugehörigkeit zum grammatischen System - in Bezug auf deren differierendes und geregeltes Zusammenwirken im Syntagma bzw. den "Aufbau der Rede" (vgl. ebd.: 57). Er vergleicht - ähnlich wie zuvor Wittgenstein - das Zusammenspiel der Wörter als Einsatz im Satz oder in der konkreten Rede mit dem geregelten Einsetzen der Spielfiguren beim Schach und geht von funktionalen grammatischen Kategorien aus. "Offensichtlich sind die Wörter der deutschen Sprache nicht völlig gleiche Bausteine, aus denen man das Mosaik der jeweiligen Rede beliebig zusammensetzt. Vielmehr sind sie - ausschließlich oder vornehmlich - für bestimmte Aufgaben geprägt, ihrer Grundprägung nach dazu geschaffen und strukturiert, bestimmte 'konventionell fixierte Rollen' (Wittgenstein) im Rahmen des Satzes zu übernehmen, als Kern oder Anglied spezifischer syntaktischer Gruppen jeweils "Satzglieder" (s. 617 ff.) verschiedenen Ranges zu bilden und damit Träger bestimmter Funktionen (grammatischer Kategorien und Relationen) zu werden. Es gibt also eine Aufgabenverteilung, eine funktionale Gliederung des deutschen Wortschatzes. Jedes deutsche Wort gehört ständig oder vorwiegend einer bestimmten Funktionsklasse an, d. h. einer Gruppe von Wörtern gleicher Grundfunktion und gleicher grammatischer Merkmale". (ebd.; Herv. JS).

Hinsichtlich der Partikeln lassen sich gemäß dieser Einteilung, die also - im Sinne der späterhin folgenden Grammatikalisierungsforschung und deren Ergebnissen - von einer gewissen Flexibilität und Korrelationen, aber keiner 1:1-Entsprechung zwischen "Wortklassen" (Wortarten) und "Satzgliedrollen" ausgeht (vgl. ebd.), folgende Aspekte finden (die Aussagen zu den "Verbpartikeln" (vgl. S. 70-73; bzw. auch Eisenberg 2000), die in den Bereich der Morphologie/Wortbildung fallen, werden hier nicht weiter berücksichtigt):

Erben beschreibt (vgl. ebd.: 60 f.) neben den drei "höheren Wortarten" (Verb, Substantiv und Beiwort), die über 90 % des deutschen Wortschatzes ausmachen würden, "drei, relativ kleine Gruppen von "Dienstwörtern" - ohne produktive Möglichkeiten der Wortbildung und nur z. T. flektierbar" (vgl. ebd.), die er als "geschlossene Funktionsklassen" bezeichnet und in denen er jeweils wieder einige "Subklassen" mit "spezieller Funktion" erkennen will. Es werden diesbezüglich als Subklassen "Formwörter" (Pronomina und Pronominaladverbien), "Fügewörter" (Präpositionen sowie Konjunktionen und Konjunktionaladverbien) und "Satzadverbien" unterteilt. Der Autor beschreibt partikelbezogen bezüglich der "Satzadverbien" (auf S. 178 auch als "Partikeln" bezeichnet) weitere Subkategorien, die er u. a. als "modale bzw. emotional-expressive Partikeln" bezeichnet und selbige im Abriss auf S. 178 ("Paragraph" oder Inhaltsabschnitt 307) im Rahmen der Ausführungen zum "charakterisierenden Beiwort" (ein zusammenfassender Terminus von Erben für die Wortarten Adjektiv und Adverb, vgl. S. 166 ff.) näher expliziert. Ihnen wird "formale Invarianz" und "semantisch-syntaktaktische Unschärfe" zugeschrieben. "Für diese nicht ganz homogenen Teilinventare des sprachlichen Zeichensystems erscheint der Ausdruck "Funktionsgemeinschaften" oder "Funktionsklassen" angemessener als Wortarten. Sie befinden sich mehr oder minder an der "Peripherie", in der Grenzzone zwischen "Lexikon" und "Syntax"." (Erben 1972: 60). Auch die Kategorien "Interjektionen" und "Antwortpartikeln" (dort auch als "phonologisch abweichende" "Ausdruckswörter" bezeichnet) werden in diesem Abschnitt der Subklasse der "Satzadverbien" beschrieben und ihnen wird ebenfalls Peripheriezugehörigkeit bzw. kein Wortartstatus zugebilligt, da sie "keine Rolle beim Aufbau des Satzes" spielen und "außerhalb des Systems der kooperierenden Wortklassen" stehen würden (vgl. ebd.: 61).

Somit wird den Partikeln - bzw. spezifischen Ausdrücken in der Funktion von Partikeln - keine eigene Kategorie zugeeignet und sie werden prinzipiell den Adjektiven/Adverbien - mit Erben "den charakterisierenden Beiwörtern", deren "Leistung darin besteht a) Größen, b) ein Sein, c) ein Geschehen oder d) Art und Grad einer Eigenschaft zu charakterisieren" (vgl. Erben 1972: 170) zu-/untergeordnet. Der Terminus wird in erster Linie hinsichtlich dieser "Sondergruppe" (vgl. S. 178 ff.) oder "Funktionsgemeinschaft" der "Satzadverbien/Partikeln" herangezogen. Für die "Dienstwörter" diese "Sondergruppe" wird konstatiert, dass sie - trotz Satzbezug - in spezifischer und immer noch recht enger Art und Weise mit dem Verb "kooperieren" würden (vgl. ebd.), was den grammatikalisch älteren Adverbstatus nahelegt. Bezüglich dieser Sondergruppe der Beiwörter, werden drei Partikelklassen aufgeführt: 1) Negationspartikel, 2) Modalwörter und 3) modale bzw. emotional-expressive Partikeln" (= Abtönungspartikeln in anderen Werken). Aber auch bei der Beschreibung der "Rang-Glieder" oder "Rangattribute", die eine der drei (Satz-)Gliederklassen der sekundären Ebene bei Erben darstellen (vgl. S. 317), wird der Terminus Partikeln gebraucht. Die Textstelle beschreibt aber eher das Phänomen der "Gradpartikeln" und lautet: "Rangier"-Glieder oder "Rangattribute". d. h. rangverleihende Partikeln der Hervorhebung oder Einschränkung, die oft Satzgliedern verschiedener Art (auch Gliedsätzen) appositiv zugeordnet sind und die besondere Stellung ihrer Bezugsgröße als Träger, Ziel oder Umstand des ausgesagten Geschehens charakterisieren, hervorhebend oder einschränkend." (Erben 1972: 317).

Interessant sind zudem die von Erben angesprochenen Korrelationen der kontrastiven (Abtönungs-)Partikel doch mit dem Irrealis ("Wäre er doch hier"; vgl. S. 113). Wortarten wie Konjunktion oder Präposition werden nicht als Partikeln klassifiziert.

                                Partikeln/Satzadverbien:
(Verbpartikeln) Negationspartikeln  Modalwörter  emotional-expressive Partikeln  Rangier-Glieder         

Autor/in: Jochen Schulz

Karl-Erich Heidolph - Grundzüge der deutschen Grammatik (1981)

Lit.: Heidolph, Karl-Erich (et. al.) (Hrsg.) (1981): Grundzüge der deutschen Grammatik. Berlin: Akademie-Verlag (Akademie der Wissenschaften: Zentralinstitut für Sprachwissenschaft, Berlin-Ost)


Bei der Abgrenzung der einzelnen Wortarten voneinander nutzt die vorliegende Grammatik morphologische und syntaktische Kriterien. Bezogen auf die nicht flektierbaren Wortarten werden allein syntaktische Kriterien angewandt. Hierbei wird zunächst differenziert ob die entsprechende Wortart ein Satzwert (Satzskopus) besitzt; wenn ja handelt es sich um ein 'Modalwort'; wenn dies nicht der Fall ist, dem Wort aber ein Satzglied- oder Gliedteilwert zukommt, handelt es sich um ein Adverb; besitzt das Wort keinen Satzglied- oder Satzgliedteilwert und auch keinen Fügteilcharakter, so handelt es sich um eine 'Partikel'. Wird dem Wort hingegen ein Fügteilcharakter zugeschrieben, dann handelt es sich im Falle, dass das Wort eine Kasusforderung nach sich zieht, um eine Präposition. Ist dies nicht der Fall, um eine Konjunktion. Eine Binnendifferenzierung der Partikeln wird in dieser Grammatik nicht vorgenommen, obwohl die Kategorie als solche genannt wird. Zudem wird bei den Adverbien als "Teilmenge" (vgl. ebd.: 685) die Kategorie des Modalwortes genannt. Des Weiteren wird die Kategorie der "Modalpartikel" (= Abtönungspartikel im Sinne der GDS) bei der Beschreibung der Adverbien (vgl. ebd.:688/689) angeführt, um sie - mehr oder weniger nebenbei und nicht näher thematisiert - von den Adverbien und den Modalwörtern abzugrenzen. Neben der Beschreibung der syntaktischen Verhältnisse der Modalwörter (Satzwertigkeit) wird für Modalpartikeln kein Satzwert bzw. Satzgliedwert angesetzt und darüber hinaus werden die pragmatischen Dimensionen der Modalpartikel angesprochen, indem ausgesagt wird, dass Modalpartikeln eine Äußerung modifizieren; häufig ein einzelnes Wort mit hervorhebender, beschwichtigender, gegenüberstellender, verstärkender oder abschwächender Tendenz charakterisieren (vgl. ebd.: 688-689).

Fazit: Auch die Grundzüge gehen von drei Wortklassen aus, ohne diese jedoch genau zu kategorisieren oder multiple Beschreibungskriterien präzise zu deklarieren. Die drei Klassen sind vorwiegend syntaktisch unterteilt und unter der Wortart Adverb (vgl. ebd.: 684 ff.) als Teilmenge/n subsumiert. Als Klassen werden angesetzt:
a) Modaladverb (mit Satzglied bzw- Satzgliedteilwert)
b) Modalwort (mit Satzwert, Satzäquivalenz)
c) Modalpartikel (ohne Satzwert)

                                    Partikeln:
 neben Adverbien, Präpositionen und Konjunktionen keine eigene Kategorie Partikeln 
 näher  beschrieben oder ausdifferenziert; aber: Terminus Partikeln kommt vor und Kategorie 
 Modalwort und Modalpartikel vorhanden bzw. von Modaladverb und anderen Unflektierbaren abgegrenzt

Autor/in: Oliver Blietschau, Ganna Afinogenova

Bearbeitung und Ergänzung: Jochen Schulz

Peter Eisenberg - Grundriss der deutschen Grammatik (1986)

Eisenberg (1986), Schema 1
Eisenberg (1986), Schema 2

Lit.: Eisenberg, Peter (1986): Grundriss der deutschen Grammatik. Stuttgart: Metzler (S. 197 ff.)

Peter Eisenberg (1986: 197 ff.) beschreibt in der ersten Auflage des Grundrisses Partikeln als „Zaunkönige und Läuse im Pelz der Sprache“ bzw. grammatische Unterkategorie ("Paradigmenkategorie") resp. (eher subordinierte) "Teilklasse" (vgl. S. 199). Er will diese nicht näher erläutern, da die Forschung in diesem Bereich seit ca. 15 Jahren eine große Dynamik entwickelt hätte, schwer überschaubar sei und er der Meinung ist, dass Partikeln und ihre Funktionalität ohne den Rest der Grammatik nicht zu verstehen sind, aber der Rest der Grammatik ohne die Partikeln schon (vgl. ebd.: 197). Sein Modell beschreibt Partikeln als eine Teilklasse von verschiedenen nichtflektierbaren Kategorien, wie zum Beispiel Adverbien, Konjunktionen und Präpositionen. Partikeln sind bei ihm "grammatische Kategorien", die als Teilklassen von anderen, eher höherwertigen Kategorien, wie Adverbien, Konjunktionen und Präpositionen, aber nicht als Konstituentenkategorien, also nicht neben ihnen oder gleichwertig, gesehen werden. Dies ist sein "Lösungsvorschlag", den er aus der vorhergehenden Diskussion um die Frage, wie die (Kategorie) Partikeln linguistisch präzise kategorisiert bzw. abgegrenzt werden könnten (als einzelne, gleichwertige grammatische Kategorie neben den anderen Inflexibilia vs. als Oberbegriff/Sammelkategorie für alle Nichtflektierbaren) und der anhand von dementsprechender Deskription und zwei Schemen in seinem Werk transparent gemacht wird, eingebracht hat bzw. einbringt. Beide Ansätze sehen in den Partikeln bzw. in der Kategorie Partikeln also eine eigenständige Kategorie neben den anderen, flektierbaren Wortarten/Wortkategorien. Genauer beschreibt er die Partikeln "Teilklasse" deswegen, da selbige nicht klar definierbar und aufgrund von bestimmten Kriterien klar gegenüber anderen Konstituentenkategorien (Wortarten) wie bspw. Adverbien und Konjunktionen abgrenzbar seien. Dieser Ansatz schließt an die Ausführungen von Erben (1972, s. o.) an (vgl. jeweils ebd. und Schemen rechts).

Neben den Gradpartiklen werden die Abtönungspartikeln bzgl. der Darstellung der Abgrenzungsprobleme als "besonders intensiv erforschte Teilklassen" herangezogen. Ihre Funktionalität sieht Eisenberg darin, den Inhalt des Satzes auf die Sprechsituation zu beziehen. Nach Eisenbergs Auffassung aus dem Jahre 1986 sind Abtönungspartikeln stets unbetonte Ausdrücke, die keine lexikalische Bedeutung haben und "als Konstituente neben den ganzen restlichen Satz treten" (ebd.). Ausdrücke, wie zum Beispiel „aber“ könnten Abtönungspartikeln oder auch Konjunktionen sein.

Zwei Schaubider aus Eisenberg (1986), die die beiden verschiedenen Ansätze darstellen und ihn zu seinem Lösungvorschlag gebracht haben, den er auch in den aktuellen Werken (2000/2001, s. u.) vertritt, finden sich zur Veranschaulichung oben rechts.

                                              Partikeln:
                            deskriptive Beschreibung verschiedener Ansätze

Autor/in: Jennifer Münch, Jenny Hamer

Bearbeitung und Ergänzung: Jochen Schulz

Gerhard Helbig - Lexikon deutscher Partikeln (1988)

Partikellexikon Helbig, S. 188

Lit.: Helbig, Gerhard (1988): Lexikon deutscher Partikeln. 1. Auflage. Leipzig: Verlag Enzyklopädie

Da die Wortklasse der Partikeln uneinheitlich und heterogen ist, wird sie im Partikellexikon in die oben genannten Subklassen differenziert. Die deutsche Sprache sei partikelreicher als andere Sprachen, wobei die Alltags- bzw. Umgangssprache partikelreicher sei als die Schriftsprache, so Helbig. In dem “Lexikon deutscher Partikeln“ wird den Partikeln, trotz ihrer fakultativen Eigenschaft in Sätzen, ein hoher kommunikativer Wert zugeschrieben.

Der Begriff Partikel/n, der in der Linguistik mindestens in vierfacher Bedeutung verwendet wird (vgl. Helbig 1988: 19 ff.), wird zunächst im Hinblick auf die vier verschiedenen konkurrierenden Positionen angeführt:

  1. alle unflektierbaren Wörter werden als Partikeln verstanden (diese weite Auffassung basiert auf morphologischen Kriterien): Konjunktionen - Präpositionen – Adverbien – Modalwörter – einige Negationswörter (Partikeln im weiteren Sinne)
  2. zu den Partikeln zählen nicht alle unflektierbaren Wörter (etwas engerer Sinn): Negationspartikeln – Modalwörter – „modale“ und „emotional-expressive" Partikeln – „Rangier-Glieder“ (eine Subklassifizierung, die auf Erben zurückgeht; vgl. oben)
  3. solche unflektierbaren Wörter, die eine eigene Wortklasse bilden und sich von den Adverbien, Modalwörtern, Präpositionen und Konjunktionen in ihren syntaktischen Funktionen unterscheiden, werden als Partikeln verstanden (noch engerer Sinn)
  4. Partikeln werden auf die modalen oder expressiven Partikeln reduziert (im engsten Sinn).

Helbig vertritt die 3. Position und grenzt die Partikeln von Adverbien, Modalwörtern, Präpositionen und Konjunktionen nach syntaktischen Kriterien ab. Er wählt diese Position aus, weil sie die Partikeln im Gegensatz zu 1) und 2) mehr differenziert und gegenüber 4) eine radikale Reduktion der Partikeln ausschließt.

Folgende Merkmale (vgl. Helbig 1988: 21 ff.), die die Partikeln als Wortklasse von anderen unflektierbaren Wortklassen abheben und unterscheiden, werden genannt:

  1. Partikeln sind keine selbstständigen Satzglieder, sie sind Teile von Satzgliedern
  2. im deutschen Aussagesatz können sie nicht vor dem finiten Verb stehen
  3. sie können nicht erfragt werden
  4. sie berühren nicht die Wahrheitswerte von Aussagesätzen
  5. sie können in Sätzen weggelassen werden (die Sätze bleiben grammatikalisch korrekt)
  6. obwohl sie weggelassen werden können, haben sie einen hohen kommunikativen Wert.

Die Binnendifferenzierung (vgl. oben) der Partikeln erfolgt auch nach diesen Merkmalen. Sie wird verständlich erklärt und in den folgenden Kapiteln konsequent eingehalten. Die Wahl der verwendeten Terminologie bzgl. der Subklassen wird erläutert. Daneben werden die Subklassen näher charakterisiert. Das alphabetische Partikelverzeichnis auf den Seiten 80-247, in dem zu jedem einzelnen Ausdruck syntaktische Angaben gemacht, Funktionen genannt, auf homonyme Lexeme außerhalb der Wortklasse der Partikeln hingewiesen, die Gesamtbedeutungen der jeweiligen Partikel erklärt sowie Besonderheiten in Form von Anmerkungen angegeben werden, ist innovativ, informativ und sehr hilfreich.

Hier ist ein Beispiel (vgl. Helbig 1988: 188) für einen Eintrag aus dem Partikellexikon. An diesem Beispiel kann man sehen, wie die oben genannten Informationen bzw. Angaben bei der Abtönungspartikel nun gemacht worden sind.

Das Literaturverzeichnis enthält eine große Anzahl von Werken, die einem bei der Beschäftigung mit Partikeln sehr hilfreich sein können.

                                      Partikeln:
  Abtönungspartikel   Gradpartikel   Steigerungspartikel   Antwortpartikel   Negationspartikel 
                                    Infinitivpartikel 

Autor/in: Yasemin Aydin, Emine Colak

Bearbeitung: Jochen Schulz

Ulrich Engel - Deutsche Grammatik (1988)

Lit.: Engel, Ulrich: Deutsche Grammatik. 1. Auflage. Heidelberg: Groos

In der Grammatik Engels sind folgende Aspekte sowie nachstehende Partikeleinteilung zu finden:

Partikeln sind nicht flektierbar, mit wenigen Ausnahmen (Adverbien, die sich komparieren lassen). Wörter, die nähere Bestimmungen liefern, oder Verbindungen herstellen. Unter der Kategorie Partikeln versteht bzw. subsumiert Engel: Präpositionen, Subjunktor, Konjunktor, Adverb, Modalpartikeln, Rangierpartikeln, Gradpartikeln, Kopulapartikeln, Satzäquivalente, Abtönungspartikeln, sonstige Partikeln.

Die Subkategorien im Einzelnen (gekürzt):

Bsp.: allerding, keinesfalls, etc.

  • Rangierpartikeln: können, anders als die Modalpartikeln, nicht als Antwort auf Fragen gebraucht werden, sind aber „erststellenfähig“ Bsp.: bedauerlicherweise, glücklicherweise
  • Gradpartikeln: nicht flektierbar, tragen nichts zur Beschreibung des Sachverhalts bei, können aber das Folgeelement näher beschreiben.

Bsp.: allein, sogar, recht, etc.

  • Kopulapartikeln: nicht flektierbar, werden als Adjektivalergänzung verwendet.

Bsp. allein, abspenstig, etc.

  • Satzäquivalente: zu unterteilen in:

a) Antwortpartikeln: ja, nein, doch, mhm, m-m, hm-m

b) Reaktive Partikeln: bitte, danke

c)Interjektionen: ah, ach, hoppla, o, plumps, etc.

  • Abtönungspartikeln: nicht flektierbar, sind nicht häufbar, können nicht negiert werden, nicht als Antwort auf Fragen oder im Vorfeld des Konstativsatzes benutzt werden. Die Abtönungspartikeln geben zudem die Einstellung des Sprechers wieder und/oder modifizieren die Illokution.

Bsp.: aber, bloß, denn, etc.

  • Sonstige Partikeln: Engel fasst hier die die Restpartikeln zusammen, die er nicht in Kategorien eingeteilt hat.

Bsp.: als (wenn es nicht Subjunktor ist)

                                                Partikeln:
              Präpositionen  Subjunktor  Konjunktor  Adverb  Modalpartikeln  Rangierpartikeln  Gradpartikeln 
                  Kopulapartikeln  Satzäquivalente  Abtönungspartikeln sonstige Partikeln

Fazit: Bei Engel wird keine Trennung der Adverbien oder Konjunktionen von den Partikeln (auf einer gleichwertigen Ebene) vorgenommen - alle Inflexibilia werden als Partikeln (sub-)kategorisiert.

Autor/in: Thomas Breitenstein, Tanja Matanovic

Bearbeitung und Ergänzung: Jochen Schulz

Elke Hentschel/Harald Weydt - Handbuch der deutschen Grammatik (1990)

Lit.: Elke Hentschel/ Harald Weydt (1990): Handbuch der deutschen Grammatik. Berlin: Walter de Gruyter

Übergeordnetes Kriterium zur Abgrenzung der Partikel gegenüber anderen Wortarten ist, neben der Unflektierbarkeit der Partikel, ein semantischer Aspekt. Demzufolge haben Partikel im weiteren Sinn ausschließlich synkategorematische Bedeutungen: "Sie gliedern nichts aus der außersprachlichen Wirklichkeit aus, sie fassen es nicht kategoriell (haben keine Wortartbedeutung), sondern sie drücken Relationen zwischen von Autosemantika bezeichneten Phänomenen aus." (vgl. ebd.).

Demnach gehören Adverbien nicht zu den Partikeln, da sie eine lexikalische Bedeutung (z.B. gern o. hoffentlich) bzw. deiktische Bedeutung (z.B. dort o. heute) besitzen.

Auch Interjektionen können demzufolge von den Partikeln abgegrenzt werden, denn sie erfassen ebenfalls etwas in der außersprachlichen Wirklichkeit z.B. Gefühle (aua, huch, ojemine, hurra), Geräusche (miau, ticktack, kreisch). Problematisch ist die Abgrenzung von Interjektionen wie hm-hm im Sinne von „ja“.

Zu den Partikeln im weiteren Sinne können folgende Wortarten gezählt werden:

  • Präpositionen [z.B.: auf, neben, bei, in, um, mit, wegen, zwecks, trotz] verbinden sich stets fest mit einem nominalen Element, mit dem zusammen sie einen Satzteil bilden. Als Bestandteile dieses Satzteils sind sie notwendig und unverzichtbar.
  • Konjunktionen [z.B.: und, oder, aber, weil, wegen, dass, entweder – oder, obwohl, wenngleich] haben primär die syntaktische Funktion, Sätze oder Satzteile zu verknüpfen.
  • Konjunktionaladverbien [z.B.: deshalb, trotzdem, indessen, jedoch] bilden eine heterogene Gruppe von Wörtern, die der semantischen Verknüpfung von Sätzen dienen; nicht alle sind Partikeln.
  • Modalwörter [z.B.: vielleicht, wahrscheinlich, eventuell, sicher] dienen dem Ausdruck der Wahrscheinlichkeit, die dem im Satz ausgedrückten Geschehen zugesprochen wird.
  • Abtönungspartikeln [z.B.: ja, denn, doch, wohl, halt, mal, ja, schon] stellen den Bezug einer Äußerung zu ihrem Kontext her und drücken die Einstellung des Sprecherin zum Gesagten aus.
  • Intensivpartikeln [z.B.: sehr, ziemlich, ganz, recht, überaus, zutiefst, höchst] modifizieren den durch ein anderes ausgedrückten Inhalt, den sie verstärken oder abschwächen.
  • Fokuspartikeln [z.B.: sogar, gerade, insbesondere, lediglich, bloß, selbst, wenigstens] sind dadurch definiert, dass sie zusammen mit ihrem Korpus den Fokus des Satzes bilden.
  • Antwortpartikeln [z.B.: ja, nein, doch] dienen als Antworten auf Entscheidungsfragen.
  • Negationspartikeln [nicht] dienen der Verneinung.
Schaubild zur Partikeleinteilung bei Hentschel/Weydt

Zur bildlichen Darstellung:

Zwischen Konjunktion und Konjunktionaladverbien haben wir eine gestrichelte Linie gezogen, da „die Grenze zwischen Konjunktionaladverbien fließend sein kann.“ (S. 277)

z.B. „…jedoch seine Anstrengungen führten zu keinem Ergebnis.“ [Als Konjunktion]

„…jedoch führten seine Anstrengungen zu keinem Ergebnis.“ [Als Konjunktionaladverb, besetzt das Vorfeld]

[seine Anstrengungen führten jedoch zu keinem Ergebnis. Als Konjunktionaladverb,ist satzintegriert] (S. 278)

Die Konjunktionaladverbien und Adverbien sind überschnitten dargestellt, weil Konsekutivadverbien (Adverbien der Folge, z.B.: infolgedessen, anderenfalls, demzufolge) und Konzessivadverbien (Adverbien des Einräumens, z.B.: trotzdem, gleichwohl, indessen) meist zu den Konjunktionaladverbien gerechnet werden.

Die Interjektion m-hm kann die Funktion des Antwortartikels ja übernehmen. Deshalb haben wir Interjektionen und Antwortpartikel mit einer kleinen Überschneidung dargestellt (vgl. dazu auch Engel (1988: 772), der bezüglich seiner angesetzten Kategorie "Satzäquivalente" drei Subtypen, nämlich Antwortpartiklen (ja, nein, doch, m-m, hm-m), Reaktive Partikeln (bitte, danke) und Interjektionen (ah, ach, aua, hoppla, etc.) unterteilt).

Ergänzung: Einige Ausdrücke dieser Klasse der "Konjunktionaladverbien", die ja schon bei Hentschel/Weydt als problematisch und uneinheitlich dargestellt werden, sind in der "Grammatik der deutschen Sprache" (IDS-Grammatik 1997, vgl. S. 1206 ff.) - unter Anführung des gleichen Kriteriums (können im Mittelfeld und Vorfeld stehen und sind dort funktionsgleich) - unter dem Terminus "Konnektivpartikeln" aufgeführt und werden von den Abtönungspartikeln und den Adverbien abgegrenzt. Bei Engel (1988/2004) sind es vergleichbar "Rangierpartikeln", wobei sich die dort untergeordneten Ausdrücke stark von denen der anderen Werke unterscheiden (vgl. ebd. bzw. auch die jeweiligen Einträge zu den Partikeleinteilungen der genannten Grammatiken auf dieser Seite). Auch muss der ursprünglich von Erben gebrauchte Terminus der "Rangier-Glieder" oder "Rangattribute" von diesem Terminus der "Rangierpartikeln", den Engel anscheinend adaptiert hat, unterschieden werden, da Erben - in Anlehnung an Schulz/Griesbach (1970: 367) - m. E. eher Gradpartikeln (nach IDS-Grammatik-Verständnis) damit meint (vgl. Erben 1972: 317 bzw. oben zu Erben). Die jeweils angesetzten Kriterien bzw. Betrachtungsperspektiven spielen eine wichtige Rolle bei den Einteilungen: So schreibt Engel (1988) im Zusammenhang zu seinen Erläuterungen zu den Rangierpartikeln - denen er bspw. Attribute wie Vorfeld- bzw. Erststellenfähigkeit, Ausdruck der Sprechereinstellung zum Sachverhalt, Bewertungsfähigkeit durch Bezug auf Normen und In-Beziehung-Setzung von Sachverhalten sowie fehlende Fähigkeit, als Antwort fungieren zu können, zuschreibt - zu den Wörtern auf -weise, die ansonsten meistenteils den Modalpartikeln/Modalwörtern zugeordnet werden: "Wie die Beispiele zeigen, verteilen sich die Wörter auf -weise auf Adverbien, Modal- und Rangierpartikeln, je nachdem, ob sie bestimmte Antwortfunktionen übernehmen können oder nicht." (ebd.: 763). Dass diese Kategorie eine ähnlich problematische wie die der Abtönungspartikeln ist, zeigt auch der Vergleich zu Weinrich (1993). Dort werden im Rahmen der Argumentations-Adverbien - neben der Kategorie der Geltungs-Adverbien - sogenannte "Nexus-Adverben" (dort in Klammern auch Konjunktional-Adverbien genannt) angeführt (vgl. ebd.: 600 ff.), die aufgrund ihrer jungierenden Kraft eine "Zwischenstellung zwischen Adverbien und Konjunktionen" einnehmen würden und denen syntaktisch (Vor- und Mittelfeldfähigkeit) wie semantisch (In-Beziehung-Setzung, adversative und konzessive Funktionen der Begründung, nur applikative Verwendung) ähnliche Attribute zugeschrieben werden, deren Elemente allerdings wiederum stark heterogen sind und zudem von denen der anderen Grammatiken abweichen.

                                              Partikeln:
                 Abtönungspartikeln, Intensivpartikeln, Fokuspartikeln, Antwortpartikeln, Negationspartikeln

Autor/in: Katja Müller, Eugenia Reimer

Bearbeitung und Ergänzung: Jochen Schulz

Walter Flämig - Grammatik des Deutschen (1991)

Lit.: Flämig, Walter (1991): Grammatik des Deutschen. Einführung in die Struktur- und Wirkungszusammenhänge. Erarbeitet auf der theoretischen Grundlage der „Grundzüge einer deutschen Grammatik“. Berlin: Akademie-Verlag

Der Verfasser der „Grammatik des Deutschen“ hat sich in den Vorbemerkungen zum Ziel gesetzt grammatische Zusammenhänge in einer Art Gebrauchsgrammatik für Personen, bei denen Sprachbeherrschung zu den beruflichen Grundlagen gehört, zu veranschaulichen. Grundsätzlich werden die Partikeln in dem Kapitel „Wortklassen und Wortstrukturen“ neben anderen Wortarten wie bspw. Adverbien, Präpositionen, Pronomen, Konjunktionen, Interjektionen als eigenständiges Thema behandelt – allerdings in knapper Art und Weise, denn die Beschreibung der Wortart geht nicht über eine Seite hinaus. Die Darstellung der Partikeln besteht aus drei Teilen: Definition, Beispiele, Veranschaulichung (in Sätzen). In der Definition bezeichnet Flämig die Partikeln – wie vor und nach ihm einige andere – als Füll- oder Würzwörter bzw. als „Unflektierbare ohne Satz-, Satzglied, Gliedteilwert und ohne Fügewortcharakter.“ (Flämig 1991: 550). Semantisch wird ihnen jedoch eine eigene Bedeutung zugestanden, welche ihnen andernorts oft abgesprochen wird. „Durch ihre Bedeutung modifizieren sie den Inhalt der Äußerung“. (ebd.). Zugehörige Ausdrücke sind z.B. also, etwa, noch, bloß, denn, ja, mal, etc.. Der Autor beschreibt einzelne Wirkungen oder Funktionen von Partikeln in Ansätzen (z.B. bestätigend, gegenüberstellend, hervorhebend, abschwächend, beschwichtigend) ohne sie jedoch tatsächlich zu klassifizieren oder bzgl. ihrer Form-Funktionszusammenhänge näher zu beschreiben. Es ist auch keine Subklassifikation in Kategorien wie Gradpartikeln, Modalpartikeln, etc. zu finden. Unter syntaktischen Aspekten wird erwähnt, dass Partikeln Homonyme in anderen Wortklassen haben, aber die „Festlegung erst durch die jeweilige Funktion und Position im Satz“ erfolgen würde. Eine semantische Differenzierung würde „gewöhnlich erst im Textzusammenhang deutlich.“ (vgl. ebd.). Die Nähe zu Modalwörtern wird abschließend kurz erwähnt.

Fazit: Die Partikeln werden zwar von den anderen unflektierbaren Wortarten - dabei auch von den Modalwörtern - differenziert, aber es wird keine weitere Unterteilung oder Beschreibung vorgenommen. Im Wesentlichen sind damit also Abtönungspartikeln angesprochen. Semantische Aspekte bzw. ein semantischer Wert dieser Ausdrücke werden/wird in Erwägung gezogen. Die syntaktische Topologie wird kurz gestreift, ähnlich die kontextuellen Zusammenhänge. Eine detaillierte und ausdifferenzierende Beschreibung der Partikeln ist bei Flämig (1991) allerdings nicht zu finden.

                                    Partikeln:
 Isolierte Kategorie mit Wortartstatus, die das Phänomen der Abtönung und deren Elemente meint

Autor/in: Sephanie Roth/Carolin Frentzel

Bearbeitung und Ergänzung: Jochen Schulz

Harald Weinrich - Textgrammatik der deutschen Sprache (1993)

Lit.: Weinrich, Harald (1993): Textgrammatik der deutschen Sprache. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag

Nähere Quellenangabe:

Weinrich, Harald: Textgrammatik der deutschen Sprache. Mannheim: Dudenverlag S. 17 f., 80, 251, 550 ff., 613 f. , 807, 835 ff., 908 f..

Einleitung

Weinrichs „Textgrammatik der deutschen Sprache“ ist eine Grammatik, die von Texten ausgeht und somit von anderen Grammatiken zu unterscheiden ist. Die Beispieltexte, die er in seinem Werk anführt, sind teils aus dem mündlichen, teils aus dem schriftlichen Sprachgebrauch entnommen. Beide Formen sind gleichberechtigt anzusehen. Texte definiert Weinrich als „ […] sinnvolle Verknüpfungen sprachlicher Zeichen in zeitlich-linearer Abfolge.“ (S. 17). Partikeln tauchen in dieser Grammatik als Unterkategorie im Kapitel acht (Syntax des Dialogs) auf. Die Textgrammatik setzt sich aus neun Kapiteln zusammen. In den ersten sechs Kapiteln werden - nach der Einleitung, die in die grammatische Theorie und Methodik dieses Werkes einführt (vgl. Kapitel 1) - die klassischen Wortarten dezidiert beschrieben (Verb (Umfeld und Stellungen), Nomen, Adjektiv, Adverb). Im sechsten Kapitel zum Adverb werden unter semantischen Gesichtspunkten hauptsächlich vier Subkategorien unterteilt (Positions-/Tempus-/Status-/Argumentationsadverb), die weiter subkategorisiert werden und von denen die Klassen der "Statusadverbien" und der "Argumentationsadverbien" im Hinblick auf Partikeln eine Rolle spielen (vgl. weiter unten). In Kapitel sieben, Syntax der Konjunktion genannt, wird der Bereich der Konjunktion von Sätzen oder Äußerungen vorgestellt. Hier sind die unterschiedlichen Präpositionen und verschiedene Konjunktionen untergeordnet (s. u.). Im achten Kapitel, das auch die mündliche Rede bzw. den geschriebenen Dialog aufgreift, werden neben "Sprecher-/Hörer- und Gliederungssignalen" auch 'Partikeln' genannt ("Dialog- und Modalpartikeln"). Eine gesonderte Wortart Partikeln bzw. eine fokussierte Beschreibung der Kategorie (und Unterkategorien) ist bei Weinrich aber nicht zu finden. Interjektionen und Negationswörter (s. u.) werden auch im achten Kapitel behandelt und separiert von den genannten Partikeln aufgeführt/betrachtet. Ein Kapitel zur Wortbildung rundet das Werk ab.

Wortartenunterteilung

Weinrich (et. al.) unterteilt somit folgende Wortarten: Verb, Nomen, Adjektiv, Adverb, Präposition, Konjunktion, Partikeln (ohne die Kategorie Partikeln ausdrücklich zu benennen bzw. näher zu subklassifizieren), Negationswörter, Interjektionen

  • Präposition:

Die Präpositionen werden in primäre und sekundäre Präpositionen unterteilt, wobei die Primären meist aus ein- bis zweisilbigen Morphemen (Beispiele: „an“, „aus“, „mit“, „durch“, „über“) bestehen und im Sprachgebrauch hoch frequentiert sind. Die sekundären Präpositionen sind in ihrer Form meist komplexer gebildet, entweder mit den Mittel der Wortbildung (Beispiele: „seitens“, „einschließlich“, „unbeschadet“) oder als Syntagmen, die selber aus Junktionen entstanden sind (Beispiele: „im Hinblick auf“, „anhand von“).

  • Adverbien:

Subklassen des Adverbs sind Positions-Adverbien, Tempus-Adverbien, Status-Adverbien und Argumentations-Adverbien. Auch diese haben weitere Subklassen. Die Positions-Adverbien dienen zur Charakterisierung der räumlichen Bedingungen (Beispiele: „da“, „hier“, dort“). Die Tempus-Adverbien stellen den zeitlichen Rahmen eines Sachverhaltes dar (Beispiele: „damals“, „nun“, „sofort“). Status-Adverbien legen verschiedene Aspekte einer Situation dar (Beispiele: „so“, „vergebens“, „hinterrücks“, „beispielsweise“, „gern“, „fast“, „sehr“, „nur“). Argumentations-Adverbien haben die Funktion, eine Argumentationskette zu erstellen (Beispiele: „kaum“, „deswegen“, „also“, „jedoch“). Somit werden hier im Bereich der Status-Adverbien bzw. der Argumentations-Adverbien sprachliche Elemente in besonderer Funktion untergeordnet bzw. als Adverb verortet, die in anderen Werken in selber Funktionalität in/als Partikelsubkategorien wie bspw. Intensitäts- oder Gradpartiklen geführt werden. Im einzelnen sind dies: a) im Bereich der Status-Adverbien - neben dem "Rahmenadverb" (so) - vor allem die Kategorien "Modaladverb" (unterteilt in "Deskriptionsadverb" bzw. "Evaluationsadverb" (GDS = Mp)), "Gradadverb" (unterteilt in "Schätzadverb" und "Intensitäts-Adverb" (GDS = Intensitätsp)) sowie "Fokus-Adverb" (auch "Fokus-Adverb-Partikel") (GDS = Gradp) und b) im Bereich der Argumentations-Adverbien die Kategorien "Nexusadverb" (GDS = KonP) und "Geltungsadverb" (GDS = Mp). Oftmals werden die Adverbienklassen unter semantisch-funktionalen Gesichtspunkten in Untergruppen eingeteilt, so bspw. das Nexus-Adverb in die Funktionsbereiche "Begründung und Folgerung, Konzessivität und Adversativität bzw. Bedingung und Folge" (vgl. ebd.: 600 ff.). Die "Geltungs-Adverbien" und die "Evaluationsadverbien" werden hinsichtlich semantischer Aspekte wie Ausdruck von Bewertungen oder Gewissheitsgraden beschrieben, was sie in die Nähe der Modalpartikeln/Modalwörter bringt, da die Parallelität zu den Modalfunktionen (vgl. GDS: 862 ff.) gegeben ist.

  • Bereich der Junktion:

Im Bereich der Junktionen werden unterteilt: Präpositionen, Flexions-Junktor Genitiv, Konjunktionen, Relativ-Junktoren, Parajunktoren (vgl. Kapitel sieben).

Syntax des Dialogs

In diesem Kapitel finden sich die eigentlichen Aussagen zu "Partikeln", sprich zu den "Dialog-" und den "Modalpartikeln", wenn man von den Ausführungen zu den Adverbien (Status- und Argumentationsadverbien; vgl. S. 582 ff.) absieht, die eine starke Nähe zu anderen Partikelkategorien aufweisen (s.o.) Zusätzlich wird im achten Kapitel etwas zu "Sprecher-/Hörersignalen" sowie zu "Gliederungssignalen" und zu "Interjektionen" ausgesagt und der Bereich der Negation differenziert betrachtet, in dem die - nach IDS-Grammatik - "Negationspartikel" nicht als "gebundenes Morphem/Negation" bezeichnet wird und andere Arten der Negation beschrieben werden.

  • Dialogpartikeln (andernorts auch Antwortpartikeln/Gesprächspartikeln):

Sie haben eine besondere Bedeutung für die Dialogsteuerung (Beispiele: „ja“, „na ja“, „ach“, „genau“, „gut“, „nein“, „doch“).

  • Modalpartikeln (GDS = Abtönungspartikeln):

Modalpartikeln werden meist im mündlichen Sprachgebrauch verwendet. Sie sind oft kontext- und situationsabhängig zu interpretieren (Beispiele: „auch“, „doch“, „mal“, „eigentlich“, „schon“).

Folgende Aspekte werden im achten Kapitel hinsichtlich Partikeln noch betrachtet:

Anordnung im Mittelfeld/Kombinationen

Durch die Anordnung der Partikeln im Mittelfeld des Satzes entsteht ein charakteristisches Informationsprofil. So ist der Satzanfang eher mit unauffälligen Infos und zum Ende dann mit auffälligen Infos besetzt. Oft treten die Partikel gehäuft auf. Bsp.: "Haben wir denn nicht eigentlich diese Geschichte doch schon mal von dir gehört?"

Wünsche ausdrücken/Zusammenspiel mit Konjunktiv

Mit Hilfe der Partikel „doch“, „bloß“ und „nur“ im Zusammenhang mit restriktivem Konjunktiv und konditionaler Konjunktion werden Wünsche ausgedrückt. Bsp.: "Wenn sich doch Hänsel und Gretel aus der Gewalt der Hexe befreien könnten!"

Koordinativ-Junktoren und Dialogpartikeln

Mit der Kombination des Junktors „und“ mit den Partikeln „ja“, „na“ und „naja“ soll der Dialogpartner zur Erweiterung seiner Aussage angeregt werden. Bsp.: "Heute haben wir endlich die Besprechung gehabt – ja und, war sie ergiebig?"

Direkte vs. Indirekte Rede

Bei der Wiedergabe direkter Rede mittels indirekter Rede wird die Intention interpretiert und übersetzt. Daher fällt die Partikel weg. Bsp.: "Naja → Max äußert seine Zweifel"

Die Einteilung bei Weinrich ergibt also - geht man davon aus, dass die Elemente des achten Kapitels mehr oder weniger einer Kategorie zugeordnet sind - zusammenfassend folgendes Bild:

                                  Partikeln:
  (Sprecher-/Hörer-/Gliederungssignale) Dialogpartikeln  Modalpartikeln  Interjektionen   
             Negationswörter (daneben diverse Subtypen von Adverben)

Autor/in: Friederike Kroll/Luisa Kurtz

Bearbeitung und Ergänzung: Jochen Schulz

Gisela Zifonun/Ludger Hoffmann/Bruno Strecker - Grammatik der deutschen Sprache (1997) (3 Bände)

Lit.: Zifonun, Gisela / Hoffmann, Ludger / Strecker, Bruno (1997): Grammatik der deutschen Sprache. Berlin, New York: de Gruyter (Band 1-3) (IDS-Grammatik, abgek. auch GDS) (Schriften des Institutes für deutsche Sprache; Band 7.1)

Die Wortartenunterscheidung in der „Grammatik der Deutschen Sprache“ erfolgt anhand eines Bündels von Kriterien. Funktionale Kriterien besitzen einen besonderen Stellenwert (anknüpfend an die Felderlehre von Bühler bzw. Ehlich, vgl. S. 26f.), d. h., sprachliche Einheiten werden nach ihrer Funktion im Handlungsprozess klassifiziert. Daneben sind aber auch morphologische, syntaktische und semantische Kriterien relevant (vgl. S. 27).

In der GDS werden die einzelnen Partikelklassen jeweils als Wortarten betrachtet, die aufgrund gemeinsamer Form- und Funktionseigenschaften unter dem Oberbegriff „Partikeln“ zusammengefasst werden können. (vgl. S. 23).

Die einzelnen Partikelklassen werden im Kapitel B1 zu den Wortarten auf ca. vier Seiten beschrieben und auf deskriptive, d.h. an der Sprachwirklichkeit orientierte Weise behandelt. Zudem sind Subkategorien wie Gradpartikeln oder Abtönungspartikeln in den anderen Kapiteln teilweise Gegenstand näherer Beschreibung. Gemeinsame Merkmale aller Partikeln sind, dass sie nicht Kopf einer Phrase sein können, unflektierbar sowie (mit wenigen Ausnahmen bei Modalpartikeln) nicht untereinander koordinierbar sind. Durch die Abgrenzung von anderen unflektierbaren Wortarten (Adverbien, Präpositionen, Konjunktoren, Subjunktoren und Adjunktoren) sowie den "interaktiven Einheiten" wird eine eher enge Definition des Partikelbegriffs vorgenommen. In der Klasse der interaktiven Einheiten, die funktional eigenständig sind, d. h., auch ohne Satzbezug als kommunikative Minimaleinheit verwendet werden können, und daher nicht zu den Wortarten gerechnet werden, sind Interjektionen und Responsive subklassifiziert. Andernorts werden Ausdrücke dieser Klassen teilweise unter die Kategorie der Partikeln eingeordnet (Responsive als Antwortpartikeln bspw.; vgl. die anderen Einträge in diesem Artikel).

Auf der Basis ihrer jeweils speziellen Merkmale werden in der GDS folgende Partikeln unterschieden:

  • Abtönungspartikeln dienen u. a. der Einpassung der Äußerung in den jeweiligen Handlungszusammenhang und operieren auf Erwartungen und Einstellungen des Sprechers und der Adressaten. Bsp.: Du hast doch wohl nicht etwa Angst? (vgl. S. 58f.).
  • Gradpartikeln haben die Funktion der Diktumsgradierung oder Quantifikationsmodifikation, d.h. mit ihnen wird eine Einstufung des Gesagten auf Skalen vorgenommen. Bsp.: Sogar Hans hat gewonnen (vgl. S.57)
  • Intensitätspartikeln beziehen sich stets auf ein Adjektiv oder Adverb und spezifizieren das Gesagte vor dem Hintergrund einer mit dem Bezugsausdruck gegebenen Norm („intensivierend-steigernd“ oder „abschwächend-abstufend“) Bsp.: Er war sehr/ungemein/zu glücklich. (vgl. S. 56)
  • Konnektivpartikeln stellen eine Verbindung von Sätzen oder kommunikativen Minimaleinheiten zu vorhergehenden Sätzen oder KM des Sprechers oder eines Vorredners her. Bsp.: Gleichwohl wollte sie Hannelore besuchen. (vgl. S. 59)
  • Modalpartikeln dienen der Modifikation des Modus dicendi, d.h. der Bewertung oder Einschränkung der Geltung eines Sachverhalts. Bsp.: Sie kommt vielleicht nicht. (vgl. S. 58)
  • Negationspartikeln beeinflussen den Wahrheitswert einer Äußerung. Bsp.: Es kommen nicht viele Leute (vgl. S. 57f.)

Somit haben wir in der IDS-Grammatik folgende Einteilung der Partikeln:

                             Partikeln:
         Abtönungspartikeln  Modalpartikeln  Gradpartikeln  
     Intensitätspartikeln  Konnektivpartikeln  Negationspartikeln

Autor/in: Julia Heinrich, Dennis Kretzschmar

Bearbeitung: Jochen Schulz

Hinweis: Den Kategorien der IDS-Grammatik sind im Wiki zur näheren Erläuterung der verschiedenen Wortarten und ihrer spezifischen Form-Funktionszusammenhänge - als weiterer Ertrag des Partikelseminars im SS 2007 - eigene Artikel gewidmet, die über diese Übersicht hinausgehen (vgl.: Kategorienlexikon).

Peter Eisenberg - Grundriss der deutschen Grammatik (2 Bände; Band 1: 2000; Band 2: 2001)

Lit.: Eisenberg, Peter (2000): Grundriss der deutschen Grammatik. Band 1: Das Wort. Stuttgart, Weimar: Metzler (korrigierter Nachdruck 2000)

Eisenberg, Peter (2001): Grundriss der deutschen Grammatik. Band 2: Der Satz. Stuttgart, Weimar: Metzler

Schulz, Jochen (2008): Abtönungspartiklen - dargestellt am Beispiel des Ausdrucks wohl. (Univ. Dortmund, Diss., 2008) (i.E.)

Hinweis: Der nachstehende Eintrag ist ebenfalls ein (dem Wiki angepasster aber sinngemäßer) Auszug der bald erscheinenden Dissertation (Schulz 2008).

Eisenberg konstatiert in seinen zwei grammatischen Bänden, die dann später erschienen sind und auf der ersten Auflage des "Grundrisses" basieren, ebenfalls Aspekte zur Partikelproblematik, wobei sich die zentralen Aussagen im zweiten Band finden. Die Bemerkungen zur Partikelthematik innerhalb der Wortbildung bzw. Verbbildung im ersten Band (Das Wort, 1998/2000 – Partikeln, Partikelverb, Verbpartikel; vgl. Eisenberg 1998/2000: 237ff.) werden hier genannt, da sie einen angrenzenden (morphologischen und nicht zentral funktionalen), aber nicht unwichtigen Aspekt der Partikeln bzw. des Terminus Partikel/n und seiner vielfältigen Verwendung darstellen - wobei die Terminusverwendung in diesen wortbildungsspezifischen Zusammenhängen nicht zur terminologischen Präzision oder Einheitlichkeit beiträgt. Der Autor unterscheidet diesbezüglich im Rahmen der Verbpräfixe zwei Subkategorien (unbetonte „Derivationspräfixe“ und „Verbpartikeln“, die den Akzent auf sich ziehen). Zudem unterscheiden sich die „Partikelverben“ von den „Präfixverben“ in punkto Bildung der infiniten Formen. Diese Aspekte der Eigenständigkeit sind für ihn Fakten, die „eine formale Unterscheidung von Partikel- und Präfixverben problemlos möglich“ machen (vgl. ebd.).

Im zweiten Band (Der Satz, 1999/2001) beginnt er seine Ausführungen mit Bemerkungen zur Problematik der Abgrenzung zwischen Adverb, Adverbial und Partikeln. Damit trifft er den Kernbereich der Abgrenzungsproblematik, denn das Nebeneinander der Termini Adverb und Adverbial stellt wahrlich „keinen terminologischen Glücksfall“ dar. „Meistens – aber längst nicht immer – wird das Adverb als kategorialer, Adverbial als relationaler Begriff verwendet.“ (ebd.: 205). Er formuliert ferner in bedachter Art und Weise die Abgrenzungsproblematik der Partikeln (in Anknüpfung an die einbändige Erstauflage von 1986) als eigenständige und gleichwertige (vgl. Schema 2) Kategorie oder Oberkategorie (vgl. Schema 3) der Nichtflektierbaren (Schemen aus Eisenberg 1999/2001: 208 übernommen, vgl. ebd.). Bei der Darstellung der Partikeln als gleichwertige Kategorie (in Bezug auf die anderen Unflektierbaren wie Präp. oder Konj.) in Schema 2 fällt auf, dass die Kategorie (oder Teilklasse) 'Gradpartikeln' jetzt (in Anlehnung an König bzw. Jacobs) 'Fokuspartikeln' heißt.

SchemaEisenberg.jpg

Zitat Eisenberg: "Lösungen gemäß [Schema] 2 und 3 stimmen darin überein, daß es Klassen von Partikeln gibt, die als eigenständige Kategorien neben den anderen Nichtflektierbaren anzusetzen sind. Mit den Partikeln führen beide Lösungen Kategorien ein, die keine nur diesen Kategorien zugehörige Ausdrücke enthalten (Lieb 1977b: 163; aus semantischer Perspektive Heringer 1988a). In dieser Hinsicht würden die Partikelkategorien nicht nur von den anderen Nichtflektierbaren, sondern von den Kategorien generell abweichen, die wir bisher kennen gelernt haben. Jede Kategorie hatte ja eigene, nur ihr zugehörige Ausdrücke, und es bedürfte wohl einer besonderen Rechtfertigung, wollte man diesen Gesichtspunkt außer Acht lassen. Aus der Kritik an 2 und 3 ergibt sich der Grundgedanke einer alternativen Lösung: Es bleibt bei den Kategorien Adverb, Konjunktion und Präposition. Die Partikelkategorien werden nicht neben ihnen, sondern als Teilklassen von ihnen errichtet. [...]. Mit einer derartigen Lösung wird nicht ausgeschlossen, daß die Partikelklassen grammatische Kategorien (Wortkategorien) sind. Ausgeschlossen wird nur, daß sie neben den anderen Nichtflektierbaren als weitere Konstituentenkategorien auftauchen." (Eisenberg 1999/2001: 208 f.).

Der Autor schlägt – nach einigen Anmerkungen zu bestehenden Einordnungen – also wieder seine Alternative vor, die a) an seine Ausführungen der ersten Auflage von 1986 anknüpft, allerdings b) wieder zurück führt in die „voradmonische“ Phase, in der die Partikeln eben nicht abgesondert und gleichberechtigt, sondern als geringer wertige „Teilklassen“ der anderen Wortarten (also allenfalls als "grammatische Kategorie") integriert wären, was hier nicht als vorteilhaft erachtet wird. Grammatische Kategorien wie Person, Numerus oder Kasus können auf viele verschiedene Wörter wirken und verändern diese auch morphologisch - Partikeln sind morphologisch konstant und operieren als ein - wenn auch grammatikalisiertes oder feldtransponiertes - Wort im Satz/Text.

Der beschreibende Ansatz Eisenbergs entspricht insgesamt dem Stil des Grundrisses bzw. seiner Grammatik, die als deskriptive Grammatik bezeichnet werden kann (vgl. diesbzgl. auch Diss. Schulz 2008, i. E.).

                                      Partikeln:
   keine eigene Subklassifizierung; Explikation der Partikeln bzw. deren Subklassen als
            grammatische (Paradigmen-)Kategorien oder Teilklassen der anderen Inflexibila

Autor/in: Jochen Schulz

Helmut Henne/Helmut Rehbock - Einführung in die Gesprächsanalyse (2001)

Lit.: Henne, Helmut/ Rehbock, Helmut (2001): Einführung in die Gesprächsanalyse. 4., durchgesehene und bibliographisch ergänzte Auflage. Berlin, New York: de Gruyter

"Gesprächsanalyse stellt sich uns als bedeutsames Kapitel der Sprachpragmatik dar: bedeutsam deshalb, weil Gesprächsanalyse die Praxis jedes einzelnen als Sprecher und Hörer in Gesprächen betrifft; bedeutsam aber auch, weil Gespräche (Unterrichtsgespräche, Diskussionen, Interviews) im pädagogischen Sektor, in Politik, Kultur und Literatur eine wichtige Rolle spielen." (Henne/Rehbock 2001: V).

Dass die Partikeln besonders in der mündlichen Kommunikation reüssieren, dürfte bis hierher klar geworden sein. Daher werden nun noch zwei gesprächsanalytische Werke in Bezug auf die Beschreibung der Partikeln hinzugezogen.

Im Buch von Henne und Rehbock ist im vierten Kapitel, das die "Entwicklung von Kategorien und Analyseverfahren am Beispiel der notierten Gespräche" (Kategorien wie Gesprächshandlungen, -akte, -schritte, -sequenzen, simultane Gesprächsschritte, Hörerrückmeldungen, Kommentarschritte oder Gesprächsschrittbeanspruchungen; vgl. ebd.: 152 ff.) behandelt, von "Gliederungspartikeln" und "Rückmeldepartikeln" die Rede. Damit sind Ausdrücke wie ja, hmhm, jawoll, und ähnliche in bestimmten Situationen und Gesprächsabschnitten gemeint.

Im Zuge der Analyse eines Verkaufsgesprächs kommt es bspw. zu folgender, kontextueller Aussage, die auch intonatorische Aspekte berücksichtigt: "Die Fortführung des Gesprächsschritts durch die Kundin wird begleitet durch ein viermaliges ja (jeweils eingipflig,, dreimal leicht steigend, einmal stark steigend) und eine prägnante Kombination lexikalisierter Rückmeldungspartikeln: mm" jawoll. Diese "Jas" der Verkäuferin drücken gespannte Aufmerksamkeit aus. Mit dem mm" jawoll möchte die Verkäuferin die Spannung lösen und dartun, daß sie die Geschmacksrichtung der Kundin zur Kenntnis genommen und akzeptiert hat." (ebd.: 171; Herv. d. Verf.).
An anderer Stelle wird konstatiert, in dem analysierten Gespräch würden "die Rückmeldungspartikeln ja und hm am häufigsten eingesetzt" (vgl. ebd.: 172).

Im weiteren Verlauf des Kapitels werden sogenannte "Kommentarschritte" - die bei Schwitalla (1976, 86 f.) auch "Einstellungskundgaben" hießen, was uns in die Nähe der Modalpartikeln bzw. Abtönungspartikeln bringt - thematisiert, die von anderen "Spielarten der Rückmeldung" zu unterscheiden wären (vgl. ebd.: 173 f.). Gemeint sind allerdings von der Kundin an verschiedenen Stellen des Gesprächs getätige, gesprächssteuerende Kommentaräußerungen wie "das find ich nicht (+ so gut)".

Im Rahmen der Einführung der Kategorie "Gesprächsakt" (ebd.: 176 ff.) kommt es zur Erwähnung der "Gliederungspartiklen". Gesprächsakte bzw. Sprechakte werden laut Henne/Rehbock folgendermaßen definiert: "Gesprächsakte sind sprachliche und gestisch-mimische minimal-kommunikative Gesprächseinheiten, die innerhalb eines Gespräches einen handlungsplanmäßigen, auf jeden Fall spezifischen Stellenwert haben. Sprechakte können nunmehr als der spezifisch sprachliche (verbale und prosodische) Teil von Gesprächsakten gelten. [...]." (ebd.: 176).

Es werden weiterhin strukturierende Gesprächsakte erwähnt. "Solche strukturierenden Gesprächsakte haben die Funktion, den Gesprächsschritt zu gliedern. Sie finden sich am Anfang, am Ende und in der Mitte von Gesprächsschritten und haben entsprechend ihrer Position im Gesprächsschritt je unterschiedliche Funktion." (ebd.). Darauf folgt die Passage zu den Gliederungspartikeln, die ich hier ganz zitieren möchte, da sie begründend Bezug auf den Informationswert und die Funktionalität der Äußerung legt, womit wiederum das Wissen und somit die Einstellungen und Bewertungen bzw. Erwartungen der Interaktionspartner angesprochen sind:

"Die strukturierenden Gesprächsakte am Ende von Gesprächsschritten oder am Ende oder auch innerhalb thematischer Gesprächsakte haben, wiederum allgemein formuliert, bestätigungsheischende und informationsverstärkende Funktion [...]. Im vorliegenden Verkaufsgespräch werden vor allem ne und nich in dieser Funktion eingesetzt [...]. Sofern die einleitenden und Bezüge herstellenden Gesprächsakte einerseits und die bestätigungsheischenden und informationsverstärkenden Gesprächsakte anderseits auf lexikalisierte Mittel (ja, also, nicht, etc.) zurückgreifen, kann man in bezug auf diese Partikeln von Gliederungspartikeln sprechen (vgl. Henne 1978, 45 f.). Damit ist aber nur eine wortartentheoretische Aussage gemacht: Gesprächsanalytisch liegen strukturierende Gesprächsakte vor, eine Kategorie, die an die Stelle des bislang üblichen Begriffs 'Gliederungssignal' deshalb treten soll [...], weil die Kategorie Gesprächsakt die Handlungsimplikationen der Sprecherrolle abbildet." (Henne/Rehbock 2001: 177).

Weiter unten findet sich satzbezogen noch eine Aussage: "Die Gliederungspartikeln (in der Funktion strukturierender Gesprächsakte) und die Rückmeldungspartikeln (in der Funktion von Rückmeldungsakten) sind jeweils satzzusammenhangunabhängig. Im Falle von Gliederungspartikeln kann man sie als satzassoziiert, im Fall von Rückmeldungspartikeln als satzwertig bezeichnen (vgl. Henne 1978, 46)." (ebd.: 183).

Diese gliedernden Gesprächsakte bzw. die in dem genannten Kontext erwähnten Gliederungspartikeln sind nicht mit den "Rangier-Gliedern" oder "Gliederungspartikeln" von Erben (1972) zu verwechseln. (vgl. oben). Zudem sind die Kontextbezüge sehr groß, d. h., es wird kaum Wert auf die Eigenbedeutung oder den semantischen Kern der Ausdrücke gelegt - und im Grunde handelt es sich bei den beschriebenen Beispielen um Responsive bzw. Interjektionen (laut Duden-Grammtik würde man hier von "Antwortpartikeln" sprechen), aber keine Partikel im Sinne der GDS.

In Kapitel sieben - "Neuere Gesprächsforschung: Fortschritte und Probleme" - werden Partikeln in Anknüpfung an die vorhergehenden Aussagen an mehreren Stellen erwähnt. Im Unterkapitel 7.3, das "sprachliche Mittel dialogischen Handelns am - Beispiel eines Gesprächsausschnitts" behandelt, werden "Abtönungspartikeln" und Kombinationen derselben (denn, ja, denn nun, ja auch, immerhin) als Mittel zur Einschätzung von Propositionen bzw. als Mittel zum Ausdruck der Sprechereinstellung (im Weydtschen Sinne) beschrieben sowie die zuvor angesprochenen Partikelkategorien nochmals aufgegriffen (vgl. ebd.: 279). Nach vorhergehender Herausstellung drei wesentlicher Ebenen oder "Aspekte der Interaktionskonstitution" (nach Kallmeyer 1981, 89) - genannt werden a) Konstitution sozialer Identitäten und Beziehungen, b) Handlungs- und Bedeutungskonstitutionen und c) Gesprächsorganisation - werden diese Partikeln neben anderen sprachlichen Elementen (Substantive und Pronomen im Sinne der Nennung des Vor- und/oder Nachnames, der pronominale Anrede oder der Nutzung des Demonstrativpronomens diese zur "inhaltlichen Fokussierung des Beziehungsaspektes" oder auch "Abwertung des Gesagten") als "quer zu diesen Ebenen stehende einzelsprachspezifische Mittel, die funktional im Sinne der jeweiligen (komplexen) Sprecherintention eingesetzt werden" beschrieben (vgl. ebd.: 278). Die Abtönungspartikeln werden darüber hinaus bzw. damit zusammenhängend als "Präsuppositionsindikatoren" und Mittel zur Gesprächsorganisation oder -strukturierung bezeichnet:

"Abtönungspartikeln sind weitere bevorzugte Mittel der Einschätzung, weil sie zugleich Präsuppositionsindikatoren und/oder textverweisend sind. In: Was sagen Sie denn dazu? verweist die Abtönungspartikel denn auf das vorhergehende unfreundliche Zitat und trägt zugleich die kritische Meinung des Fragers. In Es dreht sich ja um die Theorien (7 S) indiziert die Abtönungspartikel ja die Präsupposition des Talkmasters, die anschließend expliziert wird." (ebd.: 279). Die Häufung einzelner Partikeln in einem Gesprächsabschnitt zeige an, "daß die Gesprächspartner meinen, auf die Kundgabe ihrer Einschätzung im Verlauf des Gesprächs angewiesen zu sein. Darüber hinaus hätten "Gliederungspartikeln neben ihrer strukturierenden Funktion auch eine wertende". Zudem wird erwähnt, dass "den Gliederungspartikeln des Sprechers die Rückmeldungspartikeln vergleichbar wären" (vgl. ebd.). Solch sprachliche Mittel werden aufgrund dieser Eigenschaften in Bezug auf die verschiedenen Ebenen der Interaktion als "mehrfunktional" eingestuft (vgl. ebd.: 280 ff.). Abschließende Bemerkungen - bspw. zum Prototyp hm als Rückmeldepartikel - finden sich überdies noch im Unterkapitel 7.4, das Aspekte von Ehlich (1979), Wahmhoff/Wenzel (1979) und Quasthoff (1981) expliziert sowie "Partikeln im Gespräch" unter Anführung einiger wichtiger Forschungsergebnisse (bspw. Weydt 1977, Burkhardt 1981, Franck 1979 oder Dittmann 1980) kurz angerissen (vgl. ebd.: 287 ff.).

Autor/in: Jochen Schulz

Klaus Brinker/Sven F. Sager - Linguistische Gesprächsanalyse (2001)

Lit.: Brinker, Klaus / Sager, Sven F. (2001): Linguistische Gesprächsanalyse. Eine Einführung. 3., durchgesehene und ergänzte Auflage. Berlin: Schmidt

Im Werk zur Gesprächsanalyse werden im Kapitel 4.2 (zu 'Gesprächsschritt'/'turn') (vgl. ebd.: 59 ff.) in Anknüpfung an Schwitalla (1979) "Sprecher- und Hörersignale" sowie "Gliederungssignale" beschrieben, die im Sinne der GDS in der Kategorie der "interaktiven Einheiten" (Interjektionen und Responsive) zu verorten wären, aber hier nicht wie in der IDS-Grammatik klar gegenüber anderen Partikeln oder Partikelkategorien abgegrenzt werden, sondern als eine Möglichkeit zur Realisierung von "Gesprächs- oder Kontaktsignalen" erwähnt werden, wodurch eine Gefahr der Vermischung der Kategorien nicht unerheblich ist.

Die relevante Textpassage lautet:

"Nun äußern sich die Gesprächspartner nicht nur dann, wenn sie "an der Reihe" sind, sondern der jeweilige Gesprächsschritt wird in der Regel von sog. Hörersignalen begleitet. Es handelt sich dabei um kurze sprachliche und nichtsprachliche Äußerungen des Hörers, die nicht auf eine Übernahme der Sprecherrolle zielen. Mit ihnen signalisiert der Hörer dem Sprecher in erster Linie Aufmerksamkeit, eventuell noch Zustimmung oder Ablehnung. In sprachlicher Hinsicht können vor allem Partikeln und Kurzäußerungen (wie ja, mhm, stimmt, genau, ich weiß, ja gut, eben, na ja, ich weiß nicht, usw.) angeführt werden; im nichtsprachlichen Bereich sind besonders gestisch-mimische Mittel (z.B. Kopfnicken oder Kopfschütteln sowie Blickkontakt) zu nennen. Solche Hörersignale fungieren primär als Antwortsignale, mit denen der Hörer auf entsprechende Signale des Sprechers (etwa auf Vergewisserungsformeln wie nicht?, ja?, verstehst du?, usw.) reagiert. Sie werden in der Gesprächsforschung deshalb als "Kontaktsignale" bezeichnet und unter dem Begriff des "Rückmeldeverhaltens" ("back-channel-behaviour") zusammen gefasst." (ebd.: 59, Herv. JS).

Von den "Kontaktsignalen" werden etwas komplexere Höreräußerungen im Sinne von Kurzkommentaren (wie das ist ja interessant, das glaube ich nicht, usw.) und die sog. "gesprächsschrittbeanspruchenden Signale" ("claiming-of-the-turn-signals") (--also--) abgegrenzt.

Wenige Seiten später werden im genannten Zusammenhang Hörersignale und Gesprächsschritte hinsichtlich Ihrer Handlungscharakteristik mit Sprechakten in Verbindung gesetzt (vgl. ebd.: 65 ff.). Dabei werden Abtönungspartikeln und Modalwörter in einer Fußnote erwähnt, wobei ihnen "illokutionsindizierende Kraft" zugebilligt wird.

"Gesprächsschritte sind kommunikative Handlungen, die durch sprachliche und/oder nichtsprachliche Kommunikationsmittel vollzogen werden. Sie können zwar mit den elementaren Einheiten der Kommunikation, den Sprechakten, zusammenfallen, sind aber nicht mit diesen gleichzusetzen, da sie häufig komplexer strukturiert sind. Ihr Handlungscharakter besteht darin, daß sie - wie die elementaren Sprechakte - eine bestimmte kommunikative Funktion (eine sog. illokutive Bedeutung) signalisieren und damit einen bestimmten Handlungstyp repräsentieren (Versprechen, Ratschlag, Frage, Vorwurf, Drohung, usw.)." (ebd.: 65). Die an diese Textpassage anknüpfende Fußnote lautet: "Der Handlungstyp wird - wenn auch nicht immer eindeutig - durch bestimmte sprachliche bzw. grammatische Mittel angezeigt wie durch die sog. explizit performative Formel (ich verspreche Dir, ich rate Dir, usw.). den Satztyp (etwa Frage-, Aufforderungs- und Aussagesatz der traditionellen Grammatik) , das Satzmuster (Satzbauplan, der die grundlegenden grammatischen Informationen wie Modus, Tempus, Numerus, Person usw. enthält), die sog. Abtönungspartikeln (z. B. aber, doch, bloß, nur), die Modalwörter (z.B. bestimmt, hoffentlich, zweifellos) usw. Solche handlungsanzeigenden sprachlichen Mittel werden "Indikatoren des Sprechakttyps" oder "Illokutionsindikatoren" genannt. - Vgl. dazu vor allem Sökeland (1980), Kap. 4.; einführend auch Brinker 1997, S. 87 ff.)." (ebd., Herv. JS).

Die Aussage, dass Abtönungspartikeln und Modalwörter die responsive Funktion von "Hörersignalen" (oder: "Antwortpartikeln", "Redepartikeln", "Gesprächspartikeln", etc.) übernehmen können, ist sicherlich richtig, greift aber noch zu kurz, da auch Adjektive in dieser Funktionalität auftreten können:

„Die Funktion eines Responsivs können auch Elemente von Wortarten wie Abtönungspartikeln (doch), Adjektive (genau), oder Modalpartikeln (bedauerlicherweise) – in paraoperativer Verwendung – übernehmen.“ (Zifonun/Hoffmann/Strecker 1997, IDS Grammatik, Band 1: 367)

Der erwähnte Statuts der Abtönungspartikeln, als "Illokutionsindikatoren" fungieren zu können, ist zudem durchaus umstritten und muss eher negiert werden. Abtönungspartikeln fungieren allenfalls illokutionsmodifizierend, sie betten die Äußerung/kommunikative Minimaleinheit in den Handlungszusammenhang ein, operieren auf dem Wissen der Interaktanten und sind als metapropositionale Operatoren an der Situierung des "kommunikativen Sinns" von Äußerungen (vgl. Löbner 2003) und der Diskurs-/Textverknüpfung beteiligt (vgl. GDS bzw. Eintrag zu den Abp. hier).

Um die verwendeten Termini noch etwas zu präzisieren sei noch folgender Ausschnitt zu den 'Gliederungssignalen' angeführt:

"Der Sprecher verwendet eigene sprachliche (und parasprachliche) Mittel, um seinen Gesprächsbeitrag zu strukturieren. Die Forschung spricht hier von Gliederungssignalen. Neben prosodischen (z.B. Tonhöhenvberlauf, Sprechpausen) sind vor allem bestimmte lexikalische Mittel zu nennen (etwa Ausdrücke und Wendungen wie und, also, nicht, ja, ich meine, ich glaube, usw.); sie dienen dem Sprecher dazu, seinen Gesprächsbeitrag zu eröffnen ("Eröffnungssignale", Z.B. ja). und zu beenden ("Schlußsignale", z. b: ja?) sowie ihn für den Hörer überschaubar zu portionieren. Die einzelnen Gliederungssignale sind zwar oft nicht eindeutig, sie tretehn im konkreten Gespräch aber vielfach in Verbänden, in sog. Clustern auf und geben dann zusammen mit anderen Gliederungsmitteln (etwa Formulierungshandlungen wie Anrede und Namensnennung, Aufmerksamkeitsappellen, Evaluierungen usw.) deutlich Aufschß darüber, wie der Sprecher seinen Beitrag gegliedert haben will. Die Gliederungssignale unterscheiden sich in funktionaler Hinsicht von den bereits erwähnten Sprechersignalen, die an den Hörer gerichtet sind und vornehmlich eine Kontaktfunktion haben (z.B. die sog. Vergewisserungsformen wie ja?, nicht? usw., die den Hörer zu einem entsprechenden Hörersignal veranlassen). Allerdings können manche Signalformen beide Funktionen erfüllen (wie z.B. die Partikel ja). so daß eine klare Abgrenzung im konkreten Gespräch oftmals schwierig ist. Es ist durchaus möglich, daß ein und dieselbe Signalform zugleich text- und partnerorientiert verwendet wird, d.h., sowohl eine Gliederungs- als auch eine Kontaktfunktion hat. Im Unterschied zu den kontaktbezogenen Sprecher- und Hörersignalen kann den "reinen" Gliederungssignalen keine eigenständige illokutive Rolle (im Sinne der Sprechakttheorie) zugesprochen werden." (ebd.: 68 f.).

Elke Hentschel/Harald Weydt - Handbuch der deutschen Grammatik (2003)

Lit.: Hentschel, Elke / Weydt, Harald (2003): Handbuch der deutschen Grammatik. Berlin, New York: de Gruyter

Die Wortarten werden im Handbuch (übergeordnet morphologisch, aber auch semantisch bzw. funktional orientiert) in verschiedene Kategorien eingeteilt (vgl. ebd.: 14 ff.). In erster Linie werden dabei morphologisch - in Anlehnung an die Grundzüge (Heidolph et. al. 1981) - die offenen (flektierbaren) von den geschlossenen (unflektierbaren) Klassen getrennt. Zusätzlich werden weitere Kategorien wie bspw. 'Deiktika' und 'Synkategorematika' als Subkategorien der geschlossenen Klasse gebildet, wobei die Partikeln in der letztgenannten Subkategorie verortet werden. (vgl. Bild: Hentschel/Weydt (2003), Wortarten).

Hentschel/Weydt (2003), Wortarten, S. 22

Das Handbuch der deutschen Grammatik trennt - wie schon in der ersten Auflage 1990 - die Kategorie 'Adverb' (vgl. ebd.: 260 ff.) als eine Wortart der "offenen Klasse" gegenüber der Kategorie 'Partikeln' (im weiteren Sinne) als eine (übergeordnete) Wortart der "geschlossenen (Sub-)Klasse" Synkategorematika (vgl. ebd.: 271 ff.) ab.

Das Handbuch sieht dementsprechend folgende Einteilung der Partikeln vor (vgl. ebd.), in der 10 Subkategorien erscheinen:

  • Partikeln im weiteren Sinne:
  • Präpositionen
  • Konjunktionen

Unterteilt in:

a) koordinierende und subordinierende Konjunktionen

b) mehrteilige Konjunktionen

c) semantische Klassifikation

  • Konjunktionaladverbien
  • Modalwörter
  • Abtönungspartikeln
  • Intensivpartikeln
  • Fokuspartikeln
  • Antwortpartikeln
  • Die Negationspartikel nicht
  • Interjektionen

Die Wortart Partikeln erhält im "Handbuch der deutschen Grammatik" ein eigenes Kapitel, welches mehrere Unterpunkte enthält (s. o.). Jedoch wird keine klare Abgrenzung zu den anderen unflektierten Wortarten vorgenommen, da alle (bis auf Adverb) in einer Kategorie vereint sind. Allein die Flektierbarkeit ist für das Handbuch der deutschen Grammatik ein unsicheres Kriterium für die Einteilung von Wortklassen. Daher erscheint es sinnvoll, bei der Definition von Partikeln auf grundlegende semantische Aspekte zurück zu greifen. Dies ist wahrscheinlich der Grund für diese auf den ersten Blick sehr grobe und weit gefasste Unterteilung. Unter dem Punkt „Partikeln im weiteren Sinne“ werden andere unflektierende Wortarten wie Konjunktionen und Präpositionen untergeordnet, wobei die Adverbien ein ganz eigenes Kapitel erhalten. Das Handbuch der deutschen Grammatik subsumiert eine Vielzahl von Wortarten unter den Begriff „Partikeln“, auch solche, welche in anderen Grammatiken ein eigenes Kapitel erhalten.

Insgesamt betrachtet, stellt sich die Unterteilung ähnlich dar wie im Handbuch von 1990 (s. o.), und man kommt zu folgender Subsumierung unter den Terminus Partikeln:

                                    Partikeln:
  Präpositionen  Konjunktionen  Konjunktionaladverbien  Modalwörter Abtönungspartikeln
  Intensivpartikeln  Fokuspartikeln  Antwortpartikeln Negationspartikel (nicht) Interjektionen  

Fazit: Die Einteilung der Partikeln bei Hentschel/Weydt (2003) ist der von 1990 vergleichbar und birgt kaum Veränderungen. Das Autorenteam grenzt im Bereich der Inflexibilia der deutschen Sprache die Adverbien von anderen "partikularen" (nichtflektierbaren) Wortarten ab. Es werden dabei hauptsächlich semantische und syntaktische Aspekte herangezogen. Somit separieren sich alle anderen unflektierbaren Subkategorien und deren kategorienkonstituierende Elemente unter den Terminus Partikeln. Die problematische Wortart 'Konjunktionaladverb' (auch Konnektivpartikel genannt; vgl. GDS) wird dabei aufgrund der beschriebenen Aspekte (s. o.) noch (bzw. eher oder tendenziell) zu den Partikeln gerechnet. Diese Einteilung ist eher untypisch bzw. singulär, da sie sich nicht in die bestehenden einordnet (vgl. Eisenberg 1986 bzw. 2001/2002), sondern die Adverbien als eine Art gleichwertige Kategorie neben die Partikeln stellt, dann aber innerhalb der Kategorie Partikeln weiter alle verbleibenden Inflexibilia subsumiert und somit Wortarten wie Präposition oder Konjunktion einen "niederen, eher subsumierten" Status (verglichen mit dem Adverb) zuweist.

Autor/in: Sabrina Bay, Daniela Büsselberg

Bearbeitung und Ergänzung: Jochen Schulz

Ulrich Engel - Deutsche Grammatik - Neubearbeitung (2004)

Lit.: Engel, Ulrich (2004): Deutsche Grammatik - Neubearbeitung. München: Iudicium

In der Neubearbeitung seiner Grammatik führt Engel im Prinzip dieselben Kategorien an, die er bereits in der ersten Auflage (1988) etabliert hat - dies allerdings in Bezug auf alle Wortarten und Kapitel in überarbeiteter Form. Vieles ist neu durchdacht, formuliert und teilweise auch ergänzt oder reduziert worden. Dabei ist das gesamte Konzept aber immer noch am Prinzip der DVG (Dependenzverbgrammatik) orinetiert. Die Wortarten sind strikt definiert (vgl. ebd.: 12 ff.). Engel nennt drei Kriterien, die meistens zur Wortarteneinteilung herangezogen werden: Flexion, Distribution, Semantik. Entsprechend des erweiterten und "sorgfältig angewandten" Kriteriums der Distribution ("vierfache Schichtung"/vier Umgebungen eines Wortes: Umgebung eines jeweiligen Ausdrucks von sehr nah (engste Umgebung: Flexionsendungen) bis sehr fern (weite Umgebung: andere Sätze bzw. Äußerungen)) konstruiert Engel ein Flussdiagramm zur Bestimmung der Wortarten. Gemäß der angesetzten Aussonderungsfragen im Diagramm kommt Engel somit partikelbezogen zu folgenden Subklassen (vgl. ebd. sowie ebd.: 383 ff.):

                            Partikeln:
      Präpositionen     Subjunktoren     Adverbien     Kopulapartikeln          
   Modalpartikeln     Rangierpartikeln     Konjunktoren     Gradpartikeln     
       Satzäquivalente     Vergleichspartikeln     Abtönungspartikeln

Autor/in: Jochen Schulz

Duden - Die Grammatik (2005)

Lit.: Dudenredaktion (2005): Duden - Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. 7., völlig neu erarbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag (Duden Band 4) (vgl. Inhaltsverzeichnis bzw. zu den Partikeln S. 594 ff.)

Die siebte Auflage der Duden-Grammatik bietet einige Neuigkeiten. Neben einem ausführlichen Kapitel zur Intonation (allgemein) bzw. Intonation des Deutschen sind in den letzten beiden Kapiteln differenzierte Angaben zur Textthematik und erstmals auch zum Themenbereich "Gesprochenes Deutsch" zu finden. In diesen beiden letzten Kapiteln werden auch Partikelbezüge angesprochen - so bspw. zu den Gesprächspartikeln (die wiederum sprecher- und hörerseitig in zwei Bereiche mit weiteren Subklassen unterteilt werden) bzw. Abtönungspartikeln im Kapitel zur Mündlichkeit (vgl. ebd.: 1227 bzw. 1228).

Im eher deskriptiven Intonationskapitel wird nur an einer Stelle ein Bezug zu Partikeln hergestellt, indem auf die aufhebende bzw. ausschließende Verwendung der Partikel zwar - in Bezug auf die ansonsten durch fallend-steigende Kontur anzeigbare Funktion der "implizit-einschränkenden Lesart" (ohne Partikel) - rekurriert wird. Spezifische Bezüge von Partikeln und Intonation, wie sie bspw. in der IDS-Grammatik zu finden sind, werden dort nicht thematisiert. Eine Orientierung auf Sprecher- und Hörereigenschaften bzw. gemeinsames Wissen und jeweilige Informationsverarbeitung ist aber durchgehend beobachtbar.

Die Einteilung der nicht flektierbaren Wortarten sieht eine Aufteilung in Adverb/ien, Partikel/n, Präposition/en und Konnektoren (Konjunktionen und Subjunktionen) vor. Unter der Wortart Adverb wird nach wie vor die Kategorie Modalwort bzw. Satzadverb - jetzt als Kommentaradverb klassifiziert - geführt, welche in der IDS-Grammtaik als Modalpartikel firmiert.

                             Partikeln: 
   Gradpartikel (Steigerungspartikel, Intensitätspartikel)  Fokuspartikel      
        Negationspartikel          Abtönungspartikel (Modalpartikel)     
   Gesprächspartikel    Interjektion (Ausdruckspartikel)   Onomatopoetikum

Autor/in: Jochen Schulz

Ludger Hoffmann - Handbuch der deutschen Wortarten (2007)

Lit.: Hoffmann, Ludger (Hrsg.) (2007): Deutsche Wortarten. Berlin/New York: de Gruyter

Es gibt eine (Ober-)Kategorie 'Partikeln', die - ähnlich der GDS (1997) - eine "außerhalb der einzelnen Wortart/en liegende" Ebene darstellt. Die einzelnen Partikeln/Partikelklassen werden darin als eigenständige Wortarten neben den anderen Inflexibilia betrachtet. Andere unflektierbare Ausdrucksklassen sind eigenständig von den Partikeln abgegrenzt. Unter dem Terminus "Interaktive Einheiten" werden sowohl in der GDS (Zifonun et. al. 1997) als auch im Handbuch die nicht zu den Wortarten gezählten Kategorien 'Interjektion' und 'Responsiv' gefasst. Jeweils werden die spezifischen Form-Funktionszusammenhänge beleuchet.

Im Einzelnen werden - hinsichtlich einer Kategorie Partikeln im weiteren Sinne - folgende Wortarten bzw. interaktive Einheiten expliziert (vgl. die Links für detailierte Beschreibung der "uneigentlichen Partikeln"):

Inflexibilia und keine Wortart:

Inflexibilia und Wortart (aber keine Partikeln):

Partikelkategorien:

  • Abtönungspartikeln
  • Gradpartikeln
  • Intensitätspartikeln
  • Konnektivpartikeln
  • Negationspartikeln
  • Modalpartikeln


Autor: Jochen Schulz

                                              Partikeln:
                         Abtönungspartikeln  Gradpartikeln  Modalpartikeln 
                     Intensitätspartikeln  Konnektivpartikeln  Negationspartikeln