Partikelkombinationen

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Diese Seite ist Teil des Partikellexikons und ein Beispiel für den Einsatz von Wikis im Sommersemester 2007.

Einleitung

Bevor Aspekte der "Partikelkombinationen" untersucht werden, wird zunächst bestimmt, was man unter "Partikeln" versteht. Als Partikeln werden im weiteren Sinne alle unflektierbaren Wortarten verstanden. Zu den Partikeln gehören dann die Konjunktionen, die Präpositionen, die Adverbien, die Interjektionen und die Partikeln im engeren Sinne. So eine Auffassung der Partikeln basiert auf morphologischen Kriterien der Klassifizierung der Wortarten und schließt semantische und syntaktische Kriterien aus. Partikeln im engeren Sinne werden dabei oft zu "Würz"- oder "Färbewörtern" reduziert. Andere Einteilungen - wie bspw. die "Grammatik der deutschen Sprache" des IDS - separieren unter form-funktionsbezogener Betrachtung die Partikeln im engeren Sinne als eigene Oberkategorie von den anderen unflektierbaren Wortarten und interaktiven Einheiten (Interjektionen und Responsive) und unterscheiden divergierende Partikeln wie Gradpartikeln, Abtönungspartiklen oder Intensitätspartikeln als eigene Wortarten.

In Bezug auf die problematische Wortart der 'Abtönungspartikeln' sind einige Aspekte einführend zu nennen. Abtönungspartikeln (Weydt 1969 und Nachfolger) - gemeint ist das sprachliche Phänomen der Abtönung durch bestimmte sprachliche Mittel (vgl. GDS: Band 1, 903 ff.) - werden auch als 'Modalpartikeln' (Krivonossov 1963 und Nachfolger) oder auch 'Einstellungspartikeln' (Doherty 1985) (sowie weitere Termini) bezeichnet.

Diese sind zu unterscheiden von den 'Modalwörtern' (vgl. bspw. Helbig/Helbig 1990 oder Helbig/Buscha 2001) wie bedauerlicherweise oder möglicherweise (die aber problematischerweise auch als Modalpartikeln oder Satzadverben bezeichnet werden) oder auch anderen Partikeln (im engeren wie im weiteren Sinne).

Das heißt, dass man a) diese zwei Wortarten (Abp vs. Mp - vgl. Einteilung in der GDS) unterscheiden muss und b) je nach Autor/in unterscheiden muss, ob das sprachliche Phänomen der Abtönung - oder wortartbezogen die Subkategorie der Abtönungspartikeln und deren Elemente - durch den Terminus Abtönungspartikeln oder anders - z.B. als Modalpartikeln (wie bei Thurmair 1989 u.a.) - bezeichnet wird.

Abtönungspartikeln sind also etwas anderes als Modalwörter/Modalpartikeln. Die beiden Wortarten müssen folglich auch hinsichtlich ihrer Kombinationen (jeweils untereinander als auch jeweils mit anderen Wortarten/Partikelsubkategorien - bspw. Abp + Modalpartikel/Gradpartikel/Adverb/Adjektiv) unterschieden und auch dementsprechend beschrieben werden. Denn die jeweiligen Skopoi der Kombinationen bzw. ihrer Elemente unterscheiden sich je nach dem, wie sich die Kombination zusammensetzt (vgl. dazu auch Rinas 2007).

Als 'Partikelkombination' oder 'Partikelverbindung' bezeichnet man das Auftreten mehrerer Partikeln innerhalb einer Äußerung. Hierbei handelt es sich meistens um unmittelbar nebeneinander stehende Partikeln (mindestens zwei), die eine Einheit in einer Äußerung bilden (Das ist doch wohl nicht wahr!). Sie können aber auch getrennt voneinander in einer Äußerung vorkommen und trotzdem eine Art Team bilden (s. u.). Ein deutliches Merkmal liegt in ihrer Unauffälligkeit: sie werden immer sehr schnell und tonlos gesprochen. Für Alltagsgespräche erscheint eine Definition oder Bedeutungsexplikation der Partikeln relativ leicht, weil es für die Alltagssprache im Gegensatz zu fachspezifischen Diskursen bei Muttersprachlern/innen meist ein gemeinsames intuitives Vorverständnis gibt. Fragt man jedoch konkret nach, wie und warum die Partikeln spezifisch in der Kommunikation wirken und was sie bedeuten, oder auch warum sie gerade verwendet wurden (v.a. auch in dieser oder jener Kombination), erhält man meistens keine konkreten oder überzeugenden, erntet überraschte und nachdenkliche Antworten. Somit lässt sich die Schwierigkeit hinsichtlich der Fremdsprachendidaktik erahnen (vgl.: Didaktik der Partikeln).

Es ist weiterhin zu erwähnen, dass sich bei Partikelkombinationen Probleme hinsichtlich der genauen Bedeutungszuschreibung bzw. Funktionalität erkennen lassen. Es ist denkbar, eine Bedeutung für das Nebeneinander mehrerer Partikeln anzugeben (vgl. bspw. Lemnitzers Ansätze 2001) - eine Art gebrauchsbezogene "Kombinationsbedeutung". Daneben existieren Ansätze, die Kombinationen aus den jeweiligen einzelnen (Kern-)Bedeutungen der einzelnen Lexeme zu erklären - im Sinne des Frege-Prinzips ("Kompositionssprinzip"; vgl. Bußmann 1990: 402; vgl. auch GDS: Band 2, Kapitel E) sozusagen (so bspw. Thurmair 1989). Ein anderes Merkmal ist wie angedeutet, dass dem Sprecher die Benutzung der Kombination kaum bewusst ist. Andererseits achtet man weniger auf die Form der Äußerung als auf ihren Inhalt, aber trotzdem wird das Verständnis des Inhalts durch die Form mitbestimmt.

Unmittelbar nebeneinander stehende Partikelkombinationen kommen fast ausschließlich in Behauptungssätzen vor und am häufigsten in der Mitte des Satzes. Sie können überhaupt nicht am Anfang und nur selten am Schluss des Satzes stehen. Dies soll an folgenden Beispielen der Kombinationen von Abtönungspartikeln (bzw. Modalpartikeln bei Thurmair) illustriert werden. Auf die Kombination bzw. Kombinationseigenschaften von anderen Partikeln (Intensitätspartikeln können bspw. mit einer Adkopula kombiniert werden - sehr leid) wird hier nicht näher eingegangen (vgl. dazu GDS, Band 1: 56 ff. bzw. Band 2: 987 f.).

Modalpartikeln und ihre Kombinationen (nach Thurmair 1989)

Maria Thurmair hat als erste die Kombinationen von Modalpartikeln eingehender untersucht. Sie geht in ihrer Untersuchung von Kernbedeutungen aus und hat versucht, syntaktische Stellungsregularitäten für jede einzelne Partikel aufzuzeigen. Hinsichtlich vorkommender Kombinationen ist das Buch nicht „vollständig" - aber recht umfassend. Nach einer Einleitung, die den Terminus, Bedeutungszusammenhänge und Vorkommen von Modalpartikeln betrachtet, folgen formal-syntaktische Beschreibungsaspekte in großer Fülle und Genauigkeit (vgl. ebd.: 1-199), bevor sich die Einzelanalysen bestimmter Partikeln und ihrer Kombinationen anschließen. Sie hat dadurch viele wichtige Erkenntnisse erbracht, aber auch einige kritische Anmerkungen folgten (vgl. Lemnitzer 2001). Bei der Beschreibung von Modalpartikeln und ihren Kombinationen geht es um zwei oder mehr Modalpartikeln, die unmittelbar aufeinander folgen und bestimmten Gesetzmäßigkeiten unterliegen. Diese Gesetzmäßigkeiten betreffen die allgemeinen Möglichkeiten der Kombinationen und die Reihenfolge innerhalb der Kombinationen. Was ihre semantische Verträglichkeit anbelangt, so wird wie angedeutet davon ausgegangen, dass die Bedeutung einer Modalpartikelkombination die Summe der Bedeutungen der einzelnen Partikeln ist. Wenn dies der Fall ist, so müssen die Merkmale ihrer Bedeutung verträglich sein um akzeptable Kombinationen zu bilden. Da in die Bedeutung einer Kombination immer zwei Einzelbedeutungen eingehen, ist es oftmals aufschlussreich, Beispiele mit jeweils einer der beiden Modalpartikeln aus der Kombination mit einer Äußerung bestehend aus der Kombination gegenüberzustellen und nach den Unterschieden im kommunikativen Sinn zu fragen. Dieses Vorgehen würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, aber wir möchten zu möglichen Modalpartikelkombinationen einige Beispiele geben. Hierbei soll es zunächst um sog. "akzeptable Kombinationen" (vgl. Thurmair 1989: 207 ff.) gehen.


1. Kombinationen mit ja

Die Partikel ja lässt sich aufgrund ihrer relativ unspezifischen Bedeutung sehr oft und mit zahlreichen anderen Modalpartikeln kombinieren.

a) ja auch

Die Kombination ja auch kommt oft in Aussagesätzen vor.

Beispiel: Martin: Mensch, Carola kann vielleicht gut singen. Lisa: Ja, die nimmt ja auch Gesangsstunden!

b) ja doch

Diese Kombination kommt nicht sehr häufig vor, was daher kommt, dass die beiden Partikeln einzeln betrachtet sich sehr ähnlich sind. Beide markieren einen Sachverhalt für den Hörer als bekannt.

Beispiel: Also ich würde mir in mein Auto schon Nebelscheinwerfer einbauen lassen, du bist ja doch recht häufig nachts auf Landstraßen unterwegs.

c) ja eben

Auch bei dieser Kombination gibt es Bedeutungsähnlichkeiten, weshalb man sie nicht so häufig findet. Wenn kommt sie in spontan gesprochener Sprache vor.

Beispiel:

Ina: Mit dem Examen kann man sowieso nix machen, dann muss man erst mal noch die Referendarzeit machen. Julia: Das ist ja eben das Doofe.


2. Kombinationen mit doch

Kombinationen mit doch können in vielen Satzmodi auftreten und kommen mit fast allen Modalpartikeln vor. Hier findet ihr drei Beispiele für die Kombination doch mit den Partikeln halt, einfach und wohl.

a) halt doch

Bei dieser Kombination sind beide Stellungsvarianten möglich. Die Variante halt doch ist häufiger.

Beispiel: Es ist halt doch die Frage, ob wir dort überhaupt hingehen müssen.

b) doch einfach

Diese Kombination kommt in Aussage- und Imperativsätzen vor.

Beispiel Anna: Was machst du denn, wenn die alle zum Essen bleiben? Bernd: Ach, da mach ich doch einfach Zwiebelkuchen, der passt immer.

c) doch wohl

Die Kombination doch wohl tritt nur in Aussagesätzen auf. Außerdem weisen Äußerungen mit dieser Kombination oft eine expressive Färbung auf.

Beispiel: Was heißt da, sie ist ja noch ein Kind? Ich kann doch wohl von einer 16-jährigen erwarten, dass sie weiß was sie tut, wenn sie klaut.


3. Kombinationen mit auch

Die Modalpartikel auch kommt in den meisten Satzmodi vor und wird sehr häufig mit anderen Modalpartikeln kombiniert. Sie wird jedoch nicht im Wunschsatz und im Exklamativsatz kombiniert.

a) auch schon

Diese Kombination wird vor allem in W-Fragesätzen benutzt. Meist sind Äußerungen mit dieser Kombination als rhetorische Fragen zu interpretieren. Allerdings leisten die beiden Partikel auch getrennt voneinander diese Funktion, weshalb sie relativ selten vorkommt.

Beispiel: In dem Restaurant dort drüben hat sich Susan ihre Muschelvergiftung geholt. Aber wer geht auch schon in so eine üble Spelunke zum Muscheln-Essen.

b) denn auch

Denn auch stellt eine ziemlich häufige Kombination in Frage- und Aussagesätzen dar.

Beispiel für eine Kombination im Aussagesatz: Wir mussten einiges an Schulden zurückzahlen und so blieb denn auch nichts für die Miete übrig.

Beispiel für eine Kombination in einem Entscheidungsfragesatz: Wir können jetzt losfahren. Haben wir denn auch genügend Geld dabei?


4.Kombinationen mit denn

Die Modalpartikel denn hat eine relativ unspezifische Bedeutung und lässt sich in Fragesätzen mit allen dort ebenfalls auftretenden Modalpartikeln kombinieren.

a) denn schon

Diese Kombination taucht nur in W-Fragesätzen auf und ist immer als rhetorische Frage zu verstehen.

Beispiel: Schlafen sie auch “ohne”? Wer schläft denn schon “mit”?

b) denn wohl

Diese Kombination tritt in Aussagesätzen, Entscheidungsfragesätzen und W-Fragesätzen auf. Hier ist ein Beispiel für eine solche Kombi in einem Entscheidungsfragesatz.

Beispiel: Könntest du mir denn wohl helfen den Tisch abzuräumen?

c) denn eigentlich

Diese Kombination kommt sehr oft vor. Die beiden Partikel unterscheiden sich vor allem in ihrer Funktion, Fragen in einen Gesprächszusammenhang zu binden. Denn zeigt an, dass eine Äußerung direkt an eine Vorgängerhandlung anknüpft. Während die Partikel eigentlich einen thematischen Übergang, oder Wechsel anzeigt. In Kombination erhalten Teilmengen beider Partikel eine Bedeutung.

Beispiel 1:

Dann ist er auch ein paar Mal gefragt worden, “hör mal, wieso verlobst du dich denn eigentlich so schnell?

Beispiel 2:

Ich muss ihnen schon wieder einen Verweis geben. Ihr Mathematiklehrer hat sich beschwert. Haben sie denn eigentlich noch nie darüber nachgedacht, dass sie mit ihrem Verhalten letztendlich sich selbst schaden?

Abtönungspartikeln und ihre Kombinationen (nach Helbig/Buscha bzw. GDS)

Kombinationen von Abtönungspartikeln bei Helbig/Buscha (2001)

Wenn - wie oben dargestellt - mehrere Abtönungspartikeln in einem Satz auftreten, gelten laut Helbig/Buscha (2001: 429) bestimmte Reihenfolgebeziehungen oder Abfolgeregelmäßigkeiten. Damit zusammenhängend werden sechs syntaktische "Positionsklassen" angeführt, wobei Elemente der ersten Klasse prinzipiell immer "vor" (also links von) Elementen der anderen Klassen auftreten, die anderen Klassen dementsprechend rechts folgen:

(1) denn, doch (unbetont), eigentlich, etwa, ja

(2) aber, eben, halt, vielleicht, wohl

(3) doch (betont), schon

(4) auch, mal

(5) bloß, nur

(6) noch

Beispiele:

Wird er denn auch noch unpünktlich kommen?

Er hat doch auch nur seine Pflicht getan.

Damit ist doch wohl schon der Abstieg entschieden.

Geh doch schon mal nach Hause!

Ausnahmen:

(1) Unbetontes doch und aber können ihre Positionen vertauschen:

Er hat doch aber das Spiel gewonnen.

Er hat aber doch das Spiel gewonnen.

(2) "Die Kombinierbarkeit von Partikeln im Satz ist generell beschränkt, da nicht alle Partikeln in allen (formalen) Satzarten und bei allen (kommunikativen) Sprecherintentionen vorkommen können. So schließen sich z.B. eben (halt) und etwa aufgrund dieser Distributionsbeschränkungen aus. Darüber hinaus wird die Vereinbarkeit der kommunikativen Leistungen stark eingeschränkt." (ebd.).

Abtönungspartikelkombinationen - Aspekte in der IDS-Grammatik (1997)

Die IDS-Grammatik (GDS) geht mehrfach bzw. an verschiedenen Stellen auf die Kombinationsfähigkeit von Abtönungspartikeln ein:

Im Kapitel D5 - 3.3.2 (Band 1, S. 907 ff.) werden die Kombinationen gemäß dem funktional ausgerichteten D-Kapitel der Grammatik im Zusammenhang mit den Ausführungen zu den "Aufbauenden Operationen" behandelt. Das Kapitel beschreibt den Schritt von den elementaren Dikta zu den erweiterten und unterteilt bezüglich der Klassen der letzteren funktional zwei grundsätzliche Operationen; nämlich die "geltungsrelevanten Diktumserweiterungen" (vgl. ebd.: 796 ff.) und die "geltungsneutralen Diktumserweiterungen" (s. 898 ff.). Bestimmte Modalfunktionen, die noch zu den geltungsrelevanten Operationen gezählt werden (vgl. ebd.: 860 ff.), sind an der Grenze zu den abtönenden Funktionen anzusiedeln. Der Bereich der Abtönung wird neben den "Diskursorganisatoren" und "Handlungsbezogenen Kommentierungen und Wertungen" zu den geltungsneutralen Diktumserweiterungen gezählt (vgl. ebd.: 903 ff.). Spezielles zur Thematik der Kombinationen wird im Unterabschnitt "Abtönung und Modus dicendi" (907 ff.) bzw. "Abtönung im Verbund mit anderen Diktumserweiterungen" (909 f.) behandelt. Generell ist Abtönung als sprachliche Funktion mit allen Modi kompatibel, es gibt aber in Bezug auf bestimmte Partikeln spezifische Restriktionen. Wichtig ist, dass "Abtönung immer als Mittel einer spezifischen Einpassung einer Sprechhandlung in einen gegebenen Situationsrahmen" dient (ebd.: 907). Die Vorkommen der Abp - einzeln und/oder in Kombinationen - in spezifischen Modi werden bspw. auf Seite 908 f. aufgezeigt, wobei bestimmte Kombinationen augenfällig sind. Es finden sich folgende Aussagen (vgl. ebd.):

Aussage-Modus

Folgende Kombinationen sind geeignet: denn ruhig auch, denn wohl, doch einfach, eben einfach, halt eben, halt einfach, doch schon, ja auch, ja eben, ja einfach, ja mal, ja wohl, nun mal, wohl auch, denn doch, doch wohl

Beispiele:

"Achtzig Mark pro Stunde ist denn doch etwas viel."

"Sie bringen das Attest doch wohl morgen vorbei" (direktive Sprechhandlung im Aussagemodus)

Frage-Modus

geeignete Kombinationen: auch schon, denn auch, denn wohl, denn eigentlich, denn etwa, denn nur, denn schon

Beispiele:

"Hast Du dich denn auch genau erkundigt?"

Aufforderungsmodus

Kombinationen: doch bloß, doch nur, doch einfach, eben einfach, halt eben, halt einfach, doch schon, doch mal, doch ruhig, ruhig mal, auch ja, bloß ja, nur ja, nur mal, nur ruhig, halt schon, halt mal, eben mal, einfach mal

Beispiele:

"Rufen Sie doch mal die Universität an, die wissen das bestimmt."

Wunschmodus

Kombinationen: doch bloß, doch nur, einfach mal

Beispiele:

"Hätte ich doch nur mein Offiziersmesser dabei."

Heischemodus

Keine Kombinationen angegeben

Exklamativmodus

Kombinationen: aber auch

Beispiele:

Die haben sich aber auch toll engagiert!

"Der Einsatz von Abtönungen unterliegt keinen Beschränkungen, die auf die Inkompatibilität mit anderen Formen der Diktumserweiterung zurückzuführen wären. Wo die Abtönung unangemessen scheint, liegt das nicht an der Unverträglichkeit mit einem bestimmten Typ von Diktumserweiterung, sondern an den gegebenen Verwendungsbedingungen." (GDS: 909) Diesbezüglich wird ein (partikelloses) Beispiel aus dem BGB gebracht, in welches in weiteren Schritten Abp eingefügt werden, was ohne weiteres möglich sei, wenn man sich die Textstelle als einen Gesprächsausschnitt vorstelle (vgl. ebd.: 910):

Beispiel:

"Für die Kosten eines Rechtsstreites haftet des Gesamtgut (ja/doch) auch dann, wenn das Urteil dem Gesamtgut gegenüber nicht wirksam ist."

"Bemerkenswert ist auch, daß sich eine Abtönung bei Dikta, die mehrere Propositionen umfassen, allein auf ein Teildiktum beziehen kann." (ebd.). Dies könnte auch bei Partikelkombinationen, die dort diesbezüglich nicht extra aufgeführt werden, der Fall sein. Das zweite Beispiel ist schon tendenziell grenzwertig, da der Ausdruck mal hier auch in Verbindung mit ja eher abtönenden Charakter hat. Im ersten Beispiel könnte im mündlichen Diskurs ein eben oder halt ergänzt werden, ohne die Bedeutung in eine falsche Richtung zu tangieren.

Beispiele:

"Napoleon, der ja ein alter Soldat war, hielt sich am liebsten bei seiner Garde auf."

"Einstein ist in Ulm geboren, weil ihr ja mal wieder alles besser wißt!"

Das Kapitel E2 - 3 (Band 2: S. 1206 ff., ab 1211 Kombinationen auch im Blickfeld) geht im Rahmen der Beschreibung der "Supplemente" auch auf die Abtönungspartikeln sowie deren Kombinationen ein. Abtönungspartikeln gelten nach der Einordnung des Kapitel D5 als "geltungsneutrale Diktumserweiterungen" und werden dort wie oben angedeutet funktional-semantisch von den geltungsrelevanten Elementen wie bspw. additiven Diktumserweiterungen durch Gradpartikeln (vgl. ebd.: 865 ff.) unterschieden. Abtönungspartikeln werden darüber hinaus im E-Kapitel der Grammatik, das den kompositionalen Aufbau von Äußerungen betrachet, generell als einer der drei Subtypen der Supplemente beschrieben (vgl. 1206 ff.). Insgesamt liegt dem Kapitel E im Gegensatz bzw. ergänzend zum Kapitel D eine Perspektive zugrunde, "bei der der syntaktische und der semantische Aufbau von kommunikativen Minimaleinheiten gleichermaßen berücksichtigt werden. Syntaktische und semantische Struktur werden möglichst eng aufeinander bezogen, wenn möglich sogar als parallel aufgefaßt." [...]. Den Gegenstand der Kapitel E2 und E3 kann man zusammenfassend als die Funktionalstruktur deutscher Sätze kennzeichnen. Komplementärbegriff zur Funktionalstruktur ist die Linearstruktur." (GDS: 955).

Zur Verdeutlichung des schwierigen kategoriellen Status von Abtönungspartiklen folgendes Zitat:

"Abtönungspartikeln (Abp) wie halt, bloß, eben usw. nehmen in semantischer, syntaktischer und topologischer Hinsicht eine klare Sonderstellung ein. Stichworte sind hier: nicht negierbar, nicht koordinierbar, nicht erfragbar, kein phrasales Kommutationsparadigma, nicht vorfeldfähig. Die Abtönungspartikeln werden daher neben den Adverbialia (mit den beiden Typen des Satzadverbials und des Verbgruppenadverbials) als eigener Supplementtyp eingeordnet: Semantischer "Operand" von Abtönungspartikeln ist nicht das mit einem Satz Gesagte, sondern die Erwartungen und Einstellungen des Sprechers und der Adressaten, die bei der Äußerung des Gesagten mit ausgedrückt werden. Andererseits jedoch ist unbestreitbar, daß syntaktischer Bezugsbereich von Abtönungspartikeln eben die sie enthaltende kommunikative Minimaleinheit ist. Insofern käme nun doch eine zu Satzadverbialen parallele Kategorisierung in Frage. Dabei bestünde die semantische Funktion bezüglich des Gesagten, also des KM-Denotates, ähnlich wie bei den Konnektivpartikeln in einer Identitätsabbildung. Den beiden - in sich konträren - Aspekten der Ähnlichkeit und der Differenz zum Satzadverbiale wird durch eine Kategorisierung als V0//V0 Rechnung getragen." (GDS: 988; vgl. zur Abgrenzung gegenüber den Satzadverbialia auch S. 1209 f.). Zu Kombinationsmöglichkeiten der Abtönungspartikeln mit anderen Abp bzw. mit anderen sprachlichen Elementen - bspw. mit anderen Supplementen - werden die nachstehenden Aspekte geliefert:

In Kapitel 3.1 "Bestimmung", das den Gegenstand Abp charakterisiert, wird "ihre ausgeprägte Kombinierbarkeit, ohne das es dabei zur Phrasenbildung kommt", als eine Besonderheit hervorgehoben (vgl. ebd.: 1207). Dem entsprechend wird in der "Übersicht" (3.0) bereits formuliert, dass die Besonderheit dieser Supplementklasse - neben typischen Idiosynkrasien in der Funktionalität, der Einpassung/Abtönung der Äußerung in den Handlungszusammenhang bzw. dem typischen Wissensbezug - ist, "daß sie ausschließlich durch die Elemente einer Wortklasse, eben die Abtönungspartikeln, vertreten ist, nicht etwa durch ausgebaute Phrasen." (vgl. 1206 f.). Im Kapitel 3.2 zur "Formalen Klassifikation" wird auf das Stellungsverhalten eingegangen, wobei das reine Mittelfeldvorkommen betont wird. Und weiter: "Innerhalb des Mittelfeldes ist ihre Position relativ frei, jedoch nicht beliebig. Die Abtönungspartikeln haben, verglichen mit anderen Supplementtypen, den weiteren Skopus. Sie beziehen sich auf den Satz als kommunikative Minimaleinheit und tendieren dazu, Adverbialsupplementen mit engerem Propositionsbezug vorauszugehen. Innerhalb des Mittelfeldes gilt tendenziell die Abfolgeregel:

       Abtönungspartikel >> Adverbialsupplement >> Qualitativsupplement

Diese Abfolge gilt allerdings nicht ohne Ausnahme bzw. gibt es Abweichungen und Unterschiede. So können die temporalen Satzadverbialia freier mit den Abtönungspartikeln kombiniert werden als die modalen Satzadverbialia, wobei der temporale Subtyp der Frequenzadverbialia wieder, immer, mehrmals, oft, häufig, selten in fester Reihenfolge nach den Abp folgt (vgl. GDS: 1211).

Am häufigsten ist die Kombination von zwei Abp in direkter Kombination, wobei die Reihenfolge relativ fest geregelt ist (s. o.). Es können aber auch mehrere vorkommen.

Beispiele:

Das ist ja aber doch wohl eigentlich übertrieben Du hast doch wohl nicht etwa Angst?

Es folgen wichtige Hinweise. Erstens wird erwähnt, dass "nur für denselben Satztyp klassifizierte Abtönungspartikeln" in Kombinationen auftreten können; andere Kombinationen seien aus syntaktisch-distributionellen Gründen unzulässig (vgl. ebd.). Zweitens sei unklar, ob der Reihenfolge oder Abfolge von Abp in Kombinationen irgendwelche Gesetzmäßigkeiten und falls ja, welche, zugrunde liegen würden. Diesbezüglich werden aber vier existierende Hypothesen erwähnt bzw. vorgestellt (vgl. ebd.: 1211 f.):

(i) Die Partikel mit der unspezifischten Bedeutung steht an der ersten Stelle. Dafür spräche das Vorkommen von ja und denn in Kombinationen an erster Stelle. (vgl. auch GDS, auf Thurmair referierend: 1543)

(ii) Die eigentlich abtönende (verstärkende oder abschwächende) Partikel stehe an zweiter oder letzter Stelle. Als Beispiele werden Vorkommen von mal, ja, nur und bloß in Aufforderungs- und Wunschsätzen (in Kombis) genannt.

(iii) An zweiter Stelle stünden auch solche Abp, die in Fragen bereits eine Hypothese des Sprechers bezüglich der Geltung des erfragten Sachverhaltes zum Ausdruck bringen wie etwa, nicht, schon.

(iv) Grundsätzlich sei die Tendenz feststellbar, dass die wichtigste Information (also die wichtigere oder spezifischere Abp) nach der unwichtigeren (weniger spezifischen) stehe.

Das Kapitel schließt einerseits - in Anknüpfung an Thurmair (vgl 1989: 290 ff.) - mit Ausführungen zu geschlossenen (ohne andere Elemente dazwischen) und offenen Kombinationen (an verschiedenen zulässigen Positionen vorzufinden) in Sätzen. "Fast alle Kombinationen können sowohl als offene wie als geschlossene vorkommen, nur wenige sind "unzertrennlich" und dann als konventionalisierte, verfestigte Kombinationen zu betrachten wie doch nicht etwa, doch bloß, doch nur." (GDS: 1212) (vgl. dazu auch Lemnitzer 2001). Andererseits wird eine wichtige Ergänzung in Bezug auf den Redehintergrund bzw. die Informationsstruktur von Äußerungen geliefert, indem konstatiert wird, dass die genannten topologischen Einschränkungen eine gewisse Variabilität im Satz zuließen, die wesentlich durch die Strukturierung der Information in Vorder- und Hintergrund geprägt sei. Die Auswahl der passenden oder passendsten Stelle sei durch den weiteren Kontext bestimmt (vgl. ebd.).

Kapitel E4 - 2.2.5 (Band 2, S. 1541 ff.) schließlich greift die Kombinationen im Hinblick auf die "Linearstruktur des Satzes" auf. Das heißt, dort geht es um die Abtönungspartikeln und deren Stellungsverhalten/Abfolge im Satz bei Kombinationen. Diese Art der Betrachtung ähnelt den Vorgehen von Helbig/Buscha (2001) bzw. von Thurmair (1989), die wie beschrieben mehr den formalen, sprich syntaktisch-topologischen Aspekt der Kombinationen betrachtet haben. Die Ergebnisse von Thurmair werden dementsprechend weitestgehend dort aufgegriffen bzw. übernommen.

Bezüglich der Darstellung wird ein Mittelweg gewählt, in dem das Stellungsverhalten von Abp in "den drei zentralen KM-Modi" (Aussage, Frage, Aufforderung) fokussiert wird, da es aufgrund der beschriebenen Modusspezifizät der Partikeln laut der GDS einerseits "nicht notwendig und sinnvoll erscheint, alle Elemente mit allen in eine Reihenfolge zu setzen, das heißt, also eine generelle Partikel-"Grundfolge" aufzustellen" und "andererseits Stellungsregeln für jede Einzelpartikel (ähnlich Thurmair) viel Redundanz enthalten würden." (vgl. ebd.: 1541). Die dann dort aufgeführten Abfolgeregeln würden zudem nicht besagen, dass "alle aufgeführten Partikeln tatsächlich miteinander vorkommen können; sie geben nur an, in welcher Reihenfolge die Elemente - wenn sie kombinierbar sind - stehen."

Hier modusbezogen einige Beispiele; zuerst stehen die Elemente und ihre Reihenfolge von links nach rechts, dann Beispielsätze (vgl. GDS: 1542 f.)

Partikeln im Aussagemodus

Reihenfolge: ja >> denn >> eben >> halt >> doch >> eben >> halt >> wohl >> einfach >> auch >> schon >> auch >> mal

"Das stimmt doch einfach nicht."

"Und vor allen Dingen, es is eben vielleicht auch mal sehr wichtig, daß man ein Wort zwei- dreimal liest und es nicht gleich beim erstenmal versteht."

Partikeln im Fragemodus

Reihenfolge: denn >> nicht >> wohl >> etwa >> schon >> auch >> schon >> nur >> bloß

"Was soll ich Ihnen denn schon groß erzählen?"

Und ob denn Mystik etwa nichts mit Freiheit zu tun habe?"

Partikeln im Aufforderungsmodus

Reihenfolge: doch >> halt >> eben >> einfach >> schon >> auch >> nur >> bloß >> ruhig >> mal >> ja

"Das lassen wir doch mal auf uns zukommen, das Neue."

"Lass uns doch ruhig von ihm reden." aber auch:

Doch die Mieterin spuckte ihm sogleich in die Suppe: "Zeigen Sie dem 'Banker' ruhig doch mal die Wasserwohnungen, die sind viel interessanter als meine."

Als wesentliche Eigenschaften werden überdies die (relative) Stellungsfestigkeit (insbesondere in schriftlicher Form; höhere Varianz von ad-hoc-Bildungen in spontaner Rede), die starke Tendenz zu "geschlossenen Kombinationen" und die damit zusammenhängende In-Frage-Stellung eines generellen oder zugrundeliegenden Abfolgeprinzips sowie Aspekte zu diversen Modifizierungen/Verdeutlichungen des jeweiligen Illokutionstyps bezüglich bestimmter Kombinationen genannt und runden den Beitrag ab (vgl. ebd.).

Fazit/Abschlusszitat: "Die hier an einigen Zweierkombinationen demonstrierte Stellungsregularität ist sicher nicht für alle Partikelfolgen plausibel zu machen; insbesondere dürfte es kaum möglich sein, die lineare Struktur von Mehrfachkombinationen vollständig im Sinne einer fortschreitenden Spezifizierung zu interpretieren. Mit dem Abfolgeprinzip für Abtönungspartikeln ist also eher eine Tendenz als eine durchgängige Gesetzmäßigkeit formuliert." (GDS: 1545).

Fazit

In erster Linie muss bedacht werden, dass die Abtönungspartikeln unter funktional-kommunikativer Perspektive generell als Mittel der Abtönung einzeln oder in Kombinationen in Äußerungen vorkommen können. Dabei ist Abtönung (durch Abp) mit allen gängigen Modi kompatibel, jedoch gibt es lexembezogene Restriktionen. Das heißt, nicht jede Abtönungspartikel ist mit jedem Modus kompatibel bzw. in jedem Modus als abtönungsfähiges Element einsetzbar.

Autor/in: Daniela Büsselberg, Sabrina Bay, Ganna Afinogenova

Bearbeitung und Ergänzung: Jochen Schulz

Literaturverzeichnis

Bußmann, Hadumod (1990): Lexikon der Sprachwissenschaft. 2., völlig neu bearbeitete Auflage. Stuttgart: Kröner

Helbig, Gerhard / Helbig, Agnes (1990): Lexikon deutscher Modalwörter. 1. Auflage. Leipzig: VEB (Verlag Enzyklopädie Leipzig)

Helbig, Gerhard / Buscha, Joachim (2001): Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht. Berlin, München, Zürich, Wien, New York: Langenscheidt

Lemnitzer, Lothar (2001): „Wann kommt er denn nun endlich zur Sache?“ Modalpartikelkombinationen – Eine korpusbasierte Untersuchung. In: Lehr, Andrea (Hrsg.) (2001): Sprache im Alltag. Beiträge zu neuen Perspektiven in der Linguistik. Berlin, New York: de Gruyter (Herbert Ernst Wiegand zum 65. Geburtstag gewidmet), S. 349-371 (als Onlineressource auch unter: http://www.sfs.uni-tuebingen.de/~lothar/publ/Buchbeitraege.html)

Rinas, Karsten (2007): Abtönungspartikel-Kombinationen und Skopus. In: Sprachwissenschaft (2007), Bd. 32, Heft 4, S. 407 - 452

Schulz, Jochen (2008): Abtönungspartikeln - dargestellt am Beispiel des Ausdrucks wohl. (zugl. Univ. Diss. Dortmund) (i.E.)

Thurmair, Maria (1989): Modalpartikeln und ihre Kombinationen. Tübingen: Niemeyer

Weydt, Harald (Hrsg.) (1983): Partikeln und Interaktion. Tübingen: Niemeyer

Zifonun, Gisela / Hoffmann, Ludger / Strecker, Bruno (Hrsg.) (1997): Grammatik der deutschen Sprache. Berlin, New York: de Gruyter (Band 1-3) (IDS-Grammatik)