Modalpartikeln

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Diese Seite ist Teil des Partikellexikons und ein Beispiel für den Einsatz von Wikis im Sommersemester 2007.

Einleitung

Die Kategorie der "Modalpartikeln" wird oft mit der Kategorie "Abtönungspartikeln" (vgl. diebzgl. den relevanten Eintrag Abtönungspartikeln im Wiki oder auch den Eintrag zu Partikelkombinationen) verwechselt. Dies begründet sich einerseits aus der Tatsache, dass die Abtönungspartikeln unter anderem auch als Modalpartikeln bezeichnet werden, die sie aber gerade nicht sind, bzw. andererseits darin, dass die Kategorie der Modalpartikeln zusätzlich durch verschiedene Termini beschrieben oder in Arbeiten nicht klar definiert bzw. unterschiedlich/uneinheitlich gebraucht wird. Aufgrund von historischen Zusammenhängen bzw. zurückliegenden Arbeiten ("Linie Weydt" vs. "Linie Kriwonossow") ist diese verwirrende Vielfalt entstanden, weswegen unter anderem die Seite Partikeln - Übersicht erstellt wurde, auf der die verschiedenen Einteilungen und Ansätze der Partikelbeschreibung in Grammatiken/linguistischen Werken und ihre jeweiligen Bezeichnungen der dort angesetzten Partikeln bzw. Partikelsubkategorien verzeichnet sind. Hinzu kommt, dass beide Kategorien Satzskopus aufweisen. Die Modalpartikeln haben aber wenige, jedoch klar abgrenzbare Merkmale, die sie von den Abtönungspartikeln unterscheiden. Dazu zählen in erster Linie syntaktisch die mögliche Vorfeldstellung der Ausdrücke, die als Modalpartikeln okkurrieren, und funktional-semantisch ihr Beitrag zur Modifikation des Diktums, was bei den Abtönungspartikeln nicht in dieser Art und Weise gegeben ist.

andere Bezeichnungen:

  • Modalwort (z. B. Helbig/Helbig 1990, Helbig/Buscha 2001)
  • Satzadverb (z. B. Erben 1972)
  • Kommentaradverb (z. B. Duden 2005)

(vgl. auch Grammis)

Funktion

Modalpartikeln dienen der Einschränkung oder der Bewertung der Geltung eines Sachverhalts. In letzterem Fall handelt es sich um MP, die dazu dienen, die Einstellung des Sprechers zu dem, was er sagt, zu signalisieren (vgl. Engel 1988). "Mit ihrer Hilfe kann der Sprecher Gewißheit, Annahme, Distanzierung, gefühlsmäßige Einstellung oder rationale und qualitative Bewertung signalisieren" (Helbig/Helbig 1990: Klappentext).

Unter den Modelpartikeln wird wiederum zwischen zwei Subklassen unterschieden (vgl. Grammis):

1. assertive Satzadverbialia
(z.B. auffallenderweise, bedauerlicherweise, bekanntlich, unzweifelhaft, bemerkenswerterweise, unglücklicherweise, ...) drücken die Gültigkeit einer Äußerung aus. In manchen Fällen wird gleichzeitig auch eine Bewertung durch den Sprecher vorgenommen:

Bsp.: Gestern ist sie glücklicherweise nach Hause gegangen.

Neben der Tatsache, dass sie gestern nach Hause ging, wird vom Sprecher zusätzlich geäußert, dass er glücklich über diesen Zustand ist; er drückt also seine "gefühlsmäßige Einstellung" durch die Modalpartikel aus.

2. modal abschwächende Satzadverbialia
(z.B. wahrscheinlich, möglicherweise, vielleicht, angeblich, eventuell, wahrscheinlich, hoffentlich, normalerweise...) lassen dagegen nicht den Schluss zu, dass der eingebettete Satz wahr ist. Der ausgedrückte Sachverhalt wird also in seiner Geltung eingeschränkt:

Bsp.: Vielleicht geht er.

Hier wird eine Äußerung in Form einer Annahme getätigt. Der Sprecher ist sich jedoch nicht sicher, ob die eingebettete Proposition ("er geht") tatsächlich eintreten wird.

Zudem können Modalpartikeln als Responsiv, d.h. als Antwort auf Ja/Nein-Fragen (Entscheidungsfragen) fungieren. Die Leistung, in paraoperativer Verwendung auch als Responsiv fungieren zu können, trifft allerdings auch auf Abtönungspartikeln (doch) oder Adjektive (genau) im isolierten Gebrauch zu (vgl. GDS: 367).

Bsp. für MP: "Gehst du mit?"-"Möglicherweise/Keinesfalls/Vielleicht."

Einige der "geltungsbezogenen - geltungseinschränkenden oder geltungsbewertenden-" (vgl. Grammis) Satzadverbien sind von Adjektiven oder Partizipien abgeleitet, und zwar durch Zusatz des Fugenelementes "-er" sowie des Suffixes "-weise" bzw. "-maßen" (dankenswerterweise, höflicherweise, verdientermaßen) (vgl. IDS: 58).

Negation

Tritt eine Negation auf, bezieht sich diese immer auf den ganzen Satz und nicht lediglich auf das Modalwort, da diese Wortart meist nicht negiert werden kann. Deshalb kann eine Negation auch in den meisten Fällen nur nach dem MW folgen. Eine Negation ist erst durch eine Kontrastierung möglich.

Bsp.:Sie ist nicht vielleicht, sondern zweifellos dort gewesen.

MW lassen sich anhand der Deklinierbarkeit in zwei Gruppen unterteilen.

  1. Zum einen gibt es die Gruppe, zu der die nicht deklinierbaren MW zählen (anscheinend, hoffentlich, zweifellos).
  2. Zu der zweiten Gruppe zählen die MW, die "zugleich auch attributiv verwendet werden" (Helbig/Helbig 1990: 11). Diese sind deklinierbar (bestimmt, sicher, wahrscheinlich) (vgl. ebd).

Wie an den Beispielen zu sehen ist, beziehen sich die Modalpartikeln auf den ganzen Satz, d.h. dass diese Wortart in Verbindung mit einem vollständigen Satz einen neuen Satz bildet. Somit erfüllen MP die gleiche Funktion wie Satzadverbien. Zur Unterscheidung der Satzadverbien von den Verbgruppenadverbien, der zweiten "Subklassifizierung der Adverben nach der Komplexität des Ausdruckes" (vgl. Grammis), gibt es einen Test:

"Ein Ausdruck k ist dann ein Satzadverb(iale), wenn folgende Paraphrase eines Satzes s, der k enthält möglich ist:

Es ist/war...k der Fall, dass s´, wobei s´aus s entsteht durch Weglassung von k (vgl. ebd).

Bsp: Vielleicht kommt ein Sturm. --> Vielleicht ist es der Fall, dass ein Sturm kommt.

Autor/in: Julia Heinrich, Tanja Matanovic, Thomas Breitenstein

Bearbeitung und Ergänzung: Jochen Schulz

Literaturverzeichnis

Grammis (IDS-online-Grammatik): http://hypermedia.ids-mannheim.de/

Zifonun, Gisela / Hoffmann, Ludger /Strecker, Bruno (1997): Grammatik der Deutschen Sprache. Berlin/New York: De Gruyter.

Engel, Ulrich (1988): Deutsche Grammatik. Heidelberg: Julius Groos Verlag

Helbig, Gerhard / Helbig, Agnes (1990): Lexikon deutscher Modalwörter. Leipzig: Verlag Enzyklopädie