Konnektivpartikeln

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Diese Seite ist Teil des Partikellexikons und ein Beispiel für den Einsatz von Wikis im Sommersemester 2007.

                                     Konnektivpartikeln

Verwandte Termini: „Rangierpartikeln“ (Engel 1988), "Konjunktionaladverb" (bspw. Hentschel/Weydt 1990/2003)

Charakteristik: Relationierung von Sätzen, Propositionen bzw. KM zu vorhergehenden Sätzen/KM.

Ausdrücke – Beispiele: allerdings, dennoch, erstens, gleichwohl, immerhin, indessen, sonst, überhaupt, wenigstens, jedoch, zwar....

Morpho-Syntax: „Sie werden auch Rangierpartikeln genannt, weil sie ein Spektrum an Stellungsmöglichkeiten (Vorfeld, Mittelfeld) aufweisen: Bsp.e:

          Gleichwohl wollte sie Hannelore besuchen
          Sie wollte gleichwohl Hannelore besuchen
          Sie wollte Hannelore gleichwohl besuchen.“ (GDS 1997: 59) 

Aber dieses (rein-formal-syntaktische) Argument gilt auch für Gradpartikeln: „Gradpartikeln können gewöhnlich auch andere Stellungen im Satz einnehmen. Da sie in der Regel für das folgende Element gelten, ergeben sich bei solchen Verschiebungen oft Bedeutungsunterschiede; vgl.:

          Damals wurde sogar dieses Dorf geplündert 
          Damals wurde dieses Dorf sogar geplündert
          Dieses Dorf wurde sogar damals geplündert (vgl. Engel 1988: 764) 

oder eben auch: Sogar dieses Dorf wurde damals geplündert (=Vorfeld). Die von Engel erwähnten Bedeutungsunterschiede beziehen sich auf den "kommunikativen Sinn" (vgl. Löbner 2003) der Gesamtäußerung und ergeben sich aus den verschiedenen Ausdrücken oder Phrasen, die je nach Position der Partikel/n bzw. Äußerungsabsicht anders in deren Skopus stehen. Ein Beispiel dazu:

"Nur Petra hat einen Brief bekommen." (Skopus von nur ist Petra, beide zusammen bilden den Fokus des Satzes) vs.

"Petra hat nur einen Brief bekommen." (Skopus von nur ist Brief, beide zusammen bilden den Fokus des Satzes) (vgl. Hentschel/Weydt 2003: 322).

Zitate:

  • "Rangierpartikeln sind unveränderliche Wörter, die im Vorfeld des Konstativsatzes stehen können (also „erststellenfähig“ sind), jedoch nicht als Antwort auf irgendwelche Fragen gebraucht werden können.“ (Engel 1988: 763).
  • „Sie teilen nicht die Eigenschaften von Konjunktoren, insbesondere können nicht alle vor einem Satz bzw. einer KM und möglichen Linksanbindungen stehen, i. d. R. sind sie syntaktisch integriert. Adverbien und Modalpartikeln können als Antworten auf Fragen fungieren; i. d. R. nicht koordinierbar (*dennoch und erstens) (vgl. GDS 1997: 60)

Syntaktisch verhalten sie [Konjunktionaladverbien] sich wie Adverbien, obgleich ihre Funktion auf Textebene darin besteht, Sätze miteinander zu verknüpfen und sie unter funktionalen Gesichtspunkten daher den Konjunktionen ähneln. Morphologisch handelt es sich bei der Mehrzahl von ihnen um Bildungen aus einer Proposition und einem Pronomen (vgl. des-wegen, trotz-dem, in-dessen), was auch der Grund ist, warum sie in den Grundzügen (1981: 691) als "Pronominaladverbien" bezeichnet werden. Diese Herkunft ist in unterschiedlichem Maße synchronisch nachvollziehbar. [...]. (Hentschel/Weydt 2003: 305).

Man könnte aufgrund dieser Aussagen die These wagen, dass sich diese Ausdrücke - auch aufgrund ihrer Zusammengesetztheit und der grammatischen Eigenschaften ihrer Konstituenten - im Sinne der Grammatikalisierung und sprachlich-zweckgebundenen Funktionalität in einer Zwischenstufe zwischen (älteren, grammatikalisch nicht soweit verfestigten) Adverbien und (jüngeren, mehr grammatikalisierten) Konjunktionen befinden - und ggf. dort ihren funktionalen Platz gefunden haben. Denn günstigerweise teilen sie Charakteristika beider Wortarten und sind daher flexibel (bzw. flexibler als Ausdrücke anderer Kategorien) einsetzbar und füllen somit eine Lücke im System, die offenbar aber kommunikativ oder unter kommunikationsbezogenen Erfordernissen betrachtet ausgefüllt werden muss/musste.

Funktionen (vgl. GDS): Relationierung von Sätzen oder KM zu vorhergehenden Sätzen oder KM des Sprechers oder eines Vorredners in dreierlei Weise:

  • konzedierend (gleichwohl, immerhin, zwar)
  • kontrastierend (allerdings, dennoch)
  • substituierend (überhaupt)

Autor/in: Jochen Schulz

Literatur:

Engel, Ulrich (1988): Deutsche Grammatik. Heidelberg: Julius Groos Verlag

Hentschel, Elke / Weydt, Harald (1990/2003): Handbuch der deutschen Grammatik. Berlin, New York: de Gruyter

Löbner, Sebastian (2003): Semantik. Eine Einführung. Berlin, New York: de Gruyter

Zifonun, Gisela / Hoffmann, Ludger / Strecker, Bruno (1997): Grammatik der deutschen Sprache. Berlin, New York: de Gruyter (Band 1-3) (IDS-Grammatik, abgek. auch GDS) (Schriften des Institutes für deutsche Sprache; Band 7.1)