Engels in Love

Aus StudiGer
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Projekt "Engels in Love" wurde im Winter 2013 als Kooperationsprojekt mit dem Archiv Wuppertal im Rahmen einer Ausschreibung des LVR konzipiert. Nach der Projektauswahl zur Förderung durch den LVR im Frühjahr 2013 konnte es losgehen: Studierende der TU-Dortmund sollten im Kontext meines Lehrstuhls für Elementare Vermittlungs- und Anwendungsaspekte in Zusammenarbeit mit Archiv und Schule Unterrichtsmaterialien zum Verständnis und zur kreativen Nutzung des Nachlass der Wuppertaler Industriellenfamilie Engels erstellen. Im Wintersemester 2013/14 und im Sommersemester 2014 erfolgte die intensive Arbeit am Briefnachlass aus drei Generationen. Vor allem ging es um die hochzeitsvorbereitenden Briefe von Johann Caspar Engels zu seiner Vermählung mit Louise Noot und die Liebesbriefe von Friedrich Engels Senior mit Elise van Haar. Fokussiert wurde auf vier Themenstränge:

  • die Medien zur Brautwerbung (Briefe) und die Hochzeitsinszenierung selbst
  • die Familienkonstellation der Engels
  • die regionale Lebenssituation in Wuppertal
  • die Situation von Arbeitern und Industriellen in Wuppertal zur Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert.

Zielsetzung und Durchführung

Ziel der Gruppeneinteilung war es, Altes mit Neuem zu verbinden. Thematisch knüpfen die Einheiten zunächst in der Geschichte an, hier wurde nicht nur historisches sondern auch medienhistorisches Wissen und sogar "Urkundenlehre" angesprochen. Die Perspektivierung sollte jedoch nie in der Geschichte verharren, sondern an die Lebenssituation der Schüler/innen anschließen. So verglich die erste Gruppe zur Brautwerbung sowohl inhaltlich als auch medial die Situation damals mit der heute: was hat sich verändert? Nicht nur in der "deutschen", sondern auch in unserer mehrkulturellen Gesellschaft? Wie "wirbt" man heute umeinander? Welche Medien haben welche Regeln? Ein digitales A0-Poster soll am Ende der kreativen und analytischen Arbeit mit den Schüler/innen stehen.

Bei dem "Who is Who" der Familie Engels wurde medial ein digitaler Stammbaum erstellt, bei dem die Portraits der Familienmitglieder mit Kurzcharakterisierungen der Personen hinterlegt werden, die die Schüler/innen aus dem Briefwechsel erschließen und selbst schreiben und als Audiodateien sprechen und verlinken.

Wuppertal ist pars pro toto: es geht um die Erfahrung und Reflexion von Heimatlichkeit. Dazu wird ergänzend zum Engels-Briefwechsel die Lyrik des deutsch-amerikanischen, Ex-Wuppertaler Prof. Peter U. Beicken (University of Maryland/College Park) einbezogen, der einige Texte zu Wuppertal mit freundlicher Genehmigung für die Einheit freigestellt hat. Diese Texte leiten über zu einer eigenen Auseinandersetzung der Schüler/innen mit ihrer Perspektive auf "Heimat": gerade in mehrkulturellen Familien ist dieser Blick auf die eigene Identität nicht nur altersspezifisch aktuell und heterogen. Diese Gruppe thematisiert neben Heimatlichkeit generell auch die Rolle der Sprache: Auf Türkisch, Deutsch, Englisch und Gebärdensprache entstehen Kurzportraits vom Wuppertal der Engels und ein kurzer Rekurs auf das, was den jungen Filmemachern Heimat heute bedeutet. Gearbeitet wird im inklusiven Setting: Gemeinsam mit zwei Gebärdensprachdolmetscherinnen produzieren Studierende und Schüler/innen mit einer gehörlosen Studierenden. Die Sprachperspektive ergänzt den Blick auf die identitätsstiftenden Faktoren.

Eine Talkrunde zur historischen Situation von Arbeiter und Industriellen am Vorabend zum Kommunistischen Manifest des Kapitalistensohnes Friedrich Engels Junior und seines Trierer Freundes Karl Marx soll Argumentation schulen und die sozialen Errungenschaften der Gegenwart historisch herleiten: von der pietistisch motivierten Verantwortung der Familie Engels als Arbeitgeber war es noch ein weiter Weg bis zur politisch manifestierten Mitbestimmung aller Bevölkerungsschichten - auch im Hinblick auf die Sozialgesetzgebung. An der Schwelle zur eigenen Berufstätigkeit sollen die Schülerinnen und Schüler soziale Verantwortung und demokratische Möglichkeiten auch als historisch gewachsen verstehen.

Die aktive Projektphase mit 16 Studierenden der Germanistik und 28 Schülerinnen und Schülern der ADR Aplerbeck findet vom 26.06.-01.07. mit zusätzlicher Förderung durch das Historische Zentrum Wuppertal und die Gesellschaft für Medienbildungsforschung e.V. statt. Zur Abschlusspräsentation der Ergebnisse treffen sich Studierende, Schüler, Eltern, Lehrkräfte der Schule und Bürgerinnen und Bürger aus Aplerbeck am 02.07.2014 im Amtshaus des Dortmunder Stadtteils Aplerbeck in der Zeit von 10 - 15.00 Uhr. Die digitalen Endprodukte sollen für alle nachhaltig zu betrachten sein - deshalb ist eine Präsentation über QR-Codes geplant.

Das Projekt wird darüber hinaus als Lernprojekt von der TU Dortmund evaluiert. Logistisch und finanziell unterstützt wurde das Projekt in der Dortmunder Realisierungsphase von der Gesellschaft für Medienbildungsforschung e.V. und vom Historischen Zentrum in Wuppertal.

Projektverlauf

  • Februar 2013: Entwicklung der Projektskizze in Kooperation mit dem Archiv Wuppertal und unter Beteiligung eines Wuppertaler Gymnasiums.
  • Juni 2013: Förderbescheid des Projektantrags durch den LVR.
  • Oktober 2013 : Auftakt des Vorbereitungsseminars für Lehramtsstudierende an der TU Dortmund "Engels in Love" - Liebesbriefe, Zeitungszensur und die Lage der Arbeiterschaft. Ein Projekt mit dem Archiv Wuppertal und dem Gymnasium"
  • November 2013: Koordinationstreffen auf Leitungsebene: konkrete Ideensammlung und Klärung der Rahmenbedingungen in Bezug auf die geplanten Projektwoche "Engels in Love" - TU Dortmund, Archiv Wuppertal, Gymnasium.
  • Dezember 2013: Koordinationstreffen am Gymnasium: Vorstellung der Projektideen der vier Teilprojekte durch die teilnehmenden Studierenden - TU Dortmund, Archiv Wuppertal, Gymnasium
  • Januar 2014: Koordinationstreffen auf Leitungsebene: Stand der Dinge - TU Dortmund, Archiv Wuppertal, Gymnasium
  • Ende Januar 2014: gemeinsames Arbeitstreffen im Archiv Wuppertal zur Sichtung und Auswahl der Arbeitsmaterialien - Studierende der TU Dortmund & Archiv Wuppertal
  • Januar - März 2014: Erstellung der Grobplanung, didaktischen Analyse und Sachanalyse sowie Auswahl der konkreten Archivmaterialien (gruppenspezifisch) - TU Dortmund
  • März 2014: Beendigung der Projektkooperation zwischen der TU Dortmund und dem Gymnasium /Wuppertal
  • April 2014: Auftakt des Begleitseminars TU Dortmund "Engels in Love - Liebesbriefe, Zeitungszensur und die Lage der Arbeiterschaft. Ein Kooperationsprojekt zwischen Archiv, Universität und Schule." - TU Dortmund
  • April 2014 - Juni 2014: Erstellung der Feinplanung und der Unterrichtsmaterialien für die Projektwoche - TU Dortmund
  • Juni 2014: Kooperationsabsprache zwischen der TU Dortmund, dem Archiv Wuppertal und der Albrecht-Dürer-Realschule Dortmund zur Durchführung der Projektwoche "Engels in Love"
  • 26.06.-01.07.2014: Durchführung und Evaluation der Projektwoche "Engels in Love" in der Albrecht-Dürer-Realschule Dortmund durch die Lehramtsstudierenden der TU Dortmund in Kooperation mit dem Archiv Wuppertal
  • 02.07.2014: Abschlusspräsentation der Projektergebnisse "Engels in Love" im Dortmund Aplerbecker Rathaus (gruppenspezifisch)
  • Februar 2015: Veröffentlichung der Materialien auf ELDORADO: https://eldorado.tu-dortmund.de/handle/2003/33907
  • 20.02.2015: Vortrag G. Marci-Boehncke/M. Rath/C. Wulf (Slubice/PL) auf der Tagung Internationalität und Wissensvermittlung (http://www.kuwi.europa-uni.de/de/lehrstuhl/lw/depolitbez/Konferenz-Wissensverm/index.html),: Engels in Love: Differenz und Variation als Gegenstand historisch-kritischer sowie sprach-und kultursensibler Auseinandersetzung mit dem archivarischem Nachlass der Familie Engels.
Hauptseite Forschungsstelle Jugend - Medien - Bildung