Didaktik der Partikeln

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Diese Seite ist Teil des Partikellexikons und ein Beispiel für den Einsatz von Wikis im Sommersemester 2007.

Einleitung

Die Didaktik der Partikeln ist ein diffiziles und wichtiges sowie nicht ausreichend bearbeitetes Thema in der allgemeinen Linguistik bzw. Sprachdidaktik. Vorschläge für einzelne Kategorien in Lehrwerken oder Unterrichtsentwürfe sind rar. Kontratstive Elemente wären sinnvoll zu integrieren, fehlen aber meistens in bestehenden Ansätzen. Viele Aspekte bewirken die Problematik der Partikeldidaktik. Exemplarisch werden hier einige Problembereiche hauptsächlich mit Bezug zur funktional komplexesten Kategorie, sprich zu den Abtönungspartikeln dargestellt:

  • die deutsche Sprache hat im Vergleich mit anderen Sprachen hohes Partikelvolumen, ist besonders partikelreich → Probleme bei Übersetzung(en)
  • die mit dem Partikelgebrauch bewirkten Sprachnuancen sind nicht leicht zu erkennen, nachzuvollziehen und eigenständig umzusetzen bzw. zu produzieren
  • ohne Partikelgebrauch wirkt die Sprache/der Sprachgebrauch „unfertig“, "untypisch", "hölzern"
  • die Einträge in Wörterbüchern sind meist unbefriedigend (semantisch und somit auch funktional), daher fehlt oft eine linguistische Grundlage für den Unterricht
  • gerade die Abtönungspartikeln fungieren in sprachlichen Handlungsprozessen in hoher Vielfalt und sind aufgrund ihrer Spezifik als „illokutive Indikatoren“ (Weydt, 1969) und ihrer semantischen Vielfalt (Homonymie) besonders problematisch (Verwechslungsgefahr; auch aufgr. unbewusster Verwendung, interkult. Konflikte)
  • Unterschiede in der Akzentuierung sind schwer zu erkennen/produzieren

Partikeln in Lehrwerken und Lerngrammatiken

Nachstehend wird anhand von zwei neueren Lehrwerken ("em-neu" und "Auf neuen Wegen") bzw. einer zugehörigen Übungsgrammatik ("em-Übungsgrammatik") sowie zweier sog. "Lernergrammatiken" (Dreyer/Schmitt 2001 und Helbig/Buscha 2001) die Didaktik der Partikeln beispielhaft näher beleuchtet. Die Kategorie der Abtönungspartikeln (auch Modalpartikeln) steht dabei aufgrund der beschriebenen problematischen Faktoren (s. o.) im näheren Fokus der Betrachtung.

em Übungsgrammatik. Deutsch als Fremdsprache

2002. Max Hueber Verlag. Ismaning.

Die Übungsgrammatik ist anfänglich nach Wortarten (Nomen, Artikelwörter, Adjektive, Pronomen, Adverben, Präpositionen, Partikeln, Verben) aufgebaut. Es folgt ein Kapitel zur Syntax, in dem bestimmte syntaktische Aspekte unter semantisch-funktionalen Gesichtspunkten - bspw. verschiedene Satztypen wie Relativ- oder Modalsatz - in Verbindung zu den Wortarten näher beschrieben werden. Abschließend folgt ein Anhang, der in 10 Unterkapiteln hilfreiche Informationen zu bestimmten grammatischen Bereichen (Liste der unregelmäßigen Verben, Konjugation der Modalverben, etc.) sowie die Lösungen der Übungen bereit hält.

Bereits im Inhaltsverzeichnis fällt auf, dass den Adverbien, Präpositionen und Partikeln zusammenführend ein eigenes Kapitel gewidmet wird (vgl. Kapitel 5). Darin findet sich folgende weitere Unterteilung:

  • Lokaladverbien
  • Temporaladverbien und -adjektive
  • Lokale Präpositionen und Wechselpräpositionen
  • Temporale Präpositionen: Zeitdauer und Zeitpunkt
  • Präpositionen
  • Modalpartikeln.

Der Aufbau der jeweiligen Kapitel zu den grammatischen Kategorien ist immer in zwei Teile unterteilt, die direkt aufeinander folgen, bevor zur nächsten übergegangen wird. In einem ersten Bereich geht es zunächst immer um die inhaltliche Darstellung, die durch Textteile und ergänzende tabellarische Anordnungen dargestellt wird, darauf folgen spezifische Übungen. Bei den Adverbien werden die Funktionen und Formen beschrieben und erklärt. Präpositionen werden in Kombination mit Dativ und Akkusativ dargestellt (sog. Wechselpräpositionen) und teilweise in unterschiedliche Präpositionstypen unterteilt (kausal, modal, konzessiv, final, ...). Eine Tabelle mit allen Präpositionen und Konnektoren und ihren Bedeutungen oder funktionalen Aspekten - sprich nach semantischen Aspekten unterteilt - findet sich zusätzlich im Anhang (vgl. S. 212 f.). Die Abtönungspartikeln - dort Modalpartikeln genannt - werden hinsichtlich ihrer Vorkommen in Aussagesätzen, Aufforderungen, Fragen und Ausrufen differenziert dargestellt. Dies findet in Tabellenform eine übersichtliche Darstellung, die mit Beispielen und Erklärungen der Funktionen angereichert ist. In einem zweiten Schritt werden wie angesprochen verschiedene Übungen angeboten. Diese bestehen meist aus Ergänzungs- und Einsetzungsaufforderungen, aber auch aus der Formulierung von Sätzen oder dem Auswählen der passenden Lösungen. Hinsichtlich der Partikeln (im weiteren Sinne) bietet der Anhang noch zwei für Lerner interessante und hilfreiche "Listen" mit speziellen Verwendungen von Präpositionen (Verben mit Präpositionen bzw. Adjektive mit Präpositionen) sowie die erwähnte Tabelle (Konnektoren und Präpositionen). Ein Register beschließt die Übungsgrammatik.

Exemplarisch soll nun näher auf die Subkategorie der Modalpartikeln im Lehrwerk eingegangen werden:

Die Einheit zu den Modalpartikeln umfast zwei Seiten. Eingeleitet wird mit dem Satz: "Das ist aber teuer!" sowie dem Verweis auf häufiges Vorkommen in der gesprochenen Sprache. Darauf folgt eine kurze Definition, wozu Modalpartikeln im Deutschen gebraucht werden (Absichtserklärung oder emotionale Färbung der Äußerung; vgl. für Folgendes S. 74 f.). In der Kurzdefinition werden auch Aspekte wie Kombination oder Idiolekt sowie Polyfunktionalität erwähnt, aber nicht näher erklärt. Dann werden vier Tabellen aufgeführt, die nach Funktions- oder Themenbereichen sortiert sind ("Aussagesätze, Aufforderungen, Fragen und Ausrufe"). Dabei fällt auf, dass Form (Satztyp/Satzmodus) und Funktion (Illokutionen wie Behauptung, Aufforderung oder Frage, die sich bekanntlich teilweise, aber eben nicht immer mit den Satzmodi decken) nicht differenziert, sondern vermengt werden. Es werden zudem funktional-pragmatisch weitere Illokutionen wie Rat, Bitte, Warnung oder Ermunterung aufgezeigt, was prinzipiell zu begrüßen ist, aber in Verbindung zur Form dezidiert erklärt werden sollte. Die Tabellenteile sind in drei Spalten unterteilt und beinhalten konkrete Partikeln mit entsprechenden Beispielsätzen (dabei wenig bis kein Kontext) und einer kurzen Erläuterung der verschiedenen Funktionen der jeweiligen Partikel im kommunikativen Einsatz (Nennung der jeweiligen Illokution).

Beispiel Aussagesatz: Partikel: eigentlich → Beispielsatz: Eigentlich wollte er heute kommen. → Illokution: (Ausruck von) Erstaunen, Kritik

Beispiel Frage: Partikel: eigentlich → Warst du eigentlich schon mal in der neuen Disco? → Illokution: (Ausdruck von) Interesse

Zusätzlich wird für die Partikel ja die Unterteilung in unbetont vs. betont angegeben. Der Einbezug von Intonation ist grundsätzlich zu begrüßen, aber die dadurch entstehende differierende Funktionalität müsste ebenfalls näher erläutert werden bzw. auch an anderen Beispielen festgemacht und somit intensiviert werden. Zudem existieren hinsichtlich des Ausdrucks ja zahlreiche Untersuchungen (vgl. bspw. Rinas 2006 oder Hoffmann 2007), die dessen spezifische Funktionalität differenziert beschreiben. Die bestehenden Erkenntnisse könnten bzw. sollten in die Didaktik umgesetzt werden.

Es existieren für den Bereich der Modalpartikeln insgesamt vier verschiedene Übungen. In der ersten Aufgabe müssen mit vorgegebenen Partikeln (doch, mal und eigentlich) selbstständig kleine Dialoge formuliert werden. Hierzu wird auch eine Beispielbearbeitung als Veranschaulichung angegeben. Die zweite, dritte und vierte Aufgabe beinhaltet das Ergänzen einer oder mehrerer Modalpartikeln in vorgegebene Sätze (Lückentexte mit verschiedenen Themen).

Beispiel der Aufgabe 2: Theaterbesuch – Ergänzen Sie aber, denn, ja, ruhig, vielleicht. Manchmal gibt es mehrere Möglichkeiten.

Vorher: Was, es gibt noch Karten für die "Zauberflöte"? Das ist (a) ja super! Was sollen die Karten (b)....................... kosten? Nur 10 Euro? Das ist (c)....................... wirklich preiswert. Das können wir uns (d)....................... leisten, finde ich.

Nachher: Das Stück war (e)..................langatmig. Das hätte ich mir (f)............ denken können. Wer schaut sich (g)................. heute noch Opern an? Und außerdem: Die Königin der Nacht hat (h)................ leise gesungen.

Somit sind im Kontext dieses Lehrwerkes bzw. in dieser Übungsgrammatik im Vergleich zu anderen Lehrwerken/Lerngrammatiken recht passable Informations- und Übungseinheiten zu verzeichnen. Die durchaus für Verwirrung sorgende Tatsache, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, wird nicht näher erklärt. In den Lösungen werden nur die jeweils richtige/n Partikeln angegeben. Aber wann und warum benutzt man denn, wann eigentlich? Diese und andere spannende Fragen, die sich m. E. nur aus der Verbindung zur Kernsemantik der jeweiligen Ausdrücke erklären lassen, werden in der Grammatik nicht beantwortet.

Lehrwerk: Auf neuen Wegen. Deutsch als Fremdsprache

2003. Max Hueber Verlag. Ismaning.

Die einzelnen Lektionen sind unterteilt in:

  • A Blick von außen
  • B Lebensformen
  • C Generationen
  • Vertiefungsteil
  • Grammatikteil.

Diese beinhalten Bereiche zum Leseverstehen, Hörverstehen, Sprechen, Schreiben, Wortschatz/Kommunikationsmittel, Grammatik, Projekt und Spiel. Die meisten Grammatikteile umfassen einen oder mehrere Aspekte aus dem Bereich der Partikeln, wie beispielsweise Konnektoren, Gradpartikeln, Gesprächspartikeln, Modalpartikeln etc.. Im eigentlichen Grammatikteil sind größtenteils Übungen, es gibt jedoch immer wieder Verweise auf andere Seiten in dem Buch, wo spezifische Phänomene erklärt und definiert werden. Die Übungen gestalten sich komplex und vielfältig. Sie sind in die entsprechenden Themen der Lektionen integriert; daher werden Partikeln als Thema nicht separiert oder nur an einer Stelle geübt, sondern tauchen immer wieder nach Bedarf auf. Sobald ein Paragraph erscheint, erfolgt auch eine genaue Definition (nicht nur Verweis) mit Funktions- und Positionsbeschreibung des jeweiligen grammatischen Phänomens oder Aspektes.

Zum Vergleich gehen wir auch hier auf die Abtönungspartikeln - im Lehrwerk 'Modalpartikeln' genannt - ein.

Sie stehen in Kombination mit den 'Satzadverbien' (die andernorts auch Modalwörter/Modalpartikeln genannt werden; vgl. neben den Kapiteln zu den beiden verschiedenen Wortarten hier im Wiki auch Kapitel: Partikelkombinationen) in einem Grammatikteil. In einem ersten Schritt werden ihre Funktionen dargestellt (Ausdruck unterschiedlicher Einstellungen, Erwartungen und Meinungen). Weiterführend wird die syntaktische Position beschrieben und es werden Aussagen zur Intonation gemacht (nur im Mittelfeld [nach dem finiten Verb], nicht betonbar [mit Ausnahmen]). An diesen Teil anschließend folgen die Übungen. Es werden acht Übungsaufgaben zur Verfügung gestellt, in denen die Partikeln in eigenständige Dialoge eingesetzt werden müssen. Man soll die Frage der Wirkung der Modalpartikeln und die daraus folgende Bedeutung klären und herausfiltern. Die verstärkende und abschwächende Wirkung von Modalpartikeln in Aufforderungssätzen soll definiert werden und später müssen in einer Tabelle passende Partikeln ergänzt und verglichen werden. Diese Form der Vermittlung ist auch bisher eher selten zu verzeichnen, aber sicherlich tendenziell zu begrüßen, da sie die kommunikative Funktionalität unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet und formale Aspekte dabei nicht außer Acht lässt.

Beispiel Aufgabe 5: Was bewirken die Modalpartikeln in Fragen? Vergleichen Sie die Partikeln denn, eigentlich, etwa und übrigens in den folgenden Kontexten. Versuchen Sie anhand der Beispiele zu erkennen, welche Bedeutung die Partikeln in den Fragen haben.

__________: anschließende Frage __________: Vorwurf __________: neue Frage zum Thema __________: Themenwechsel Bist du aber ein netter Junge. Wie heißt du denn? Ich habe leider vorhin deinen Namen nicht gehört. Wie heißt du eigentlich? Oh, bevor ich es vergesse. Wie heißt du übrigens? usw.

Der Hinweis, dass die Partikeln den jeweiligen Illokutionen zugeordnet werden sollen, fehlt. Ansonsten ist die Ansetzung der Didaktik dieser Wortart u. E. tendenziell gut gelungen.


Fazit

Aufgrund unserer genaueren Betrachtung des Lehrwerks "Auf neuen Wegen" und der "em-Übungsgrammatik" lässt sich sagen, dass uns "Auf neuen Wegen" reichhaltiger erscheint. Die bearbeitete Grammatik ist einprägsamer, da der Stoff in mehrere Teile unterteilt ist und somit nach und nach in jeder Lektion ausgearbeitet wird. Des Weiteren wirkt dieses Lehrwerk abwechslungsreicher und interessanter gestaltet, da dort nacheinander einzelne Themengebiete angesprochen und abgeschlossen werden und vor allem mit vielen anderen Möglichkeiten der Kommunikation kombiniert werden. Die em-Übungsgrammatik bietet sich gerade dann an, wenn man einen speziellen Aspekt untersuchen oder behandeln möchte, weil hier alle dazugehörigen Teilpunkte zusammenhängend vorliegen und bearbeitet werden. Außerdem bietet die Grammatik dieses Lehrwerks eine klare Struktur.

Autor/in: Carolin Frenzel, Stephanie Roth

Bearbeitung und Ergänzung: Jochen Schulz

Partikelspiele - Vorschläge

Handlungskarten

Material: Papierkarten, auf denen Handlungen/Sachverhalte abgebildet sind

Sozialform: Alle zusammen oder Einzelarbeit

Altersstufe: Primarstufe

Lernziele: Präpositionen kennen lernen, Einüben der richtigen Anwendung

Didaktische Hinweise: Das Spiel bietet durch die einfachen Handlungsabbildungen oder Sachverhaltsdarstellungen auch Lernern, die sich noch nicht mit Präpositionen auskennen, die Möglichkeit, die Bilder trotzdem zu beschreiben.

Spielverlauf: Die Kinder sitzen zum Beispiel in einem Kreis, und die Lehrkraft zeigt ihnen eine Handlungskarte. Die Schüler/innen müssen nun beschreiben, was genau sie auf der Karte erkennen und jedem Bild/jeder Karte die richtige Präposition zuweisen. Wenn sie die Präpositionen gut beherrschen, können sie selbst Sätze, in denen Präpositionen vorkommen, aufschreiben oder selbstständig Handlungskarten malen und ihren Mitschülern vorstellen.

Beispiele für Handlungskarten: Katze springt vom Stuhl auf den Tisch. Der Hund sitzt in seinem Hundehaus. Die Maus sitzt unter dem Tisch. Die Frau steht vor dem Mann.

Variante 1: Es werden Karten gebastelt, auf denen die Präpositionen stehen, die im Spiel vorkommen. Die Kinder können dann jeder Handlungskarte eine Präpositionskarte zuordnen und hochhalten.

Variante 1: Das selbständige Bemalen der Kärtchen bietet etwas Abwechslung, ist zwar ein wenig aufwendig, erfüllt aber trotzdem seinen Zweck. So malen die Kinder zum Beispiel auf die Karten verschiedene Sachverhalte. Zum Beispiel: Eine Katze, die unter einem Tisch sitzt. Ein Kind, das auf einem Stuhl sitzt, usw.. Dabei sollten sie (auf Nachfrage) beschreiben, was sie darstellen wollen, um die Mündlichkeit mitzufördern.

Der Würfel

Material: ein selbst gebastelter oder gekaufter Würfel

Sozialform: alle zusammen

Altersstufe: Primarstufe oder Sekundarstufe 1

Lernziele: Kinder lernen mit Konjunktionen, die auf den Würfelflächen stehen, Sätze zu bilden bzw. Satzinhalte zu kombinieren. Man kann auf die Würfelflächen auch Präpositionen oder Adverbien schreiben, um Sinn und Zweck dieser Wortarten und ihrer spezifischen Funktionalität einzuüben.

Didaktische Hinweise: Voraussetzung ist, dass die Schüler Konjunktionen, Adverbien und Präpositionen kennen, um Sätze/Sachverhalte bilden zu können.

Spielverlauf: Auf die jeweiligen Flächen des Würfels schreibt oder klebt man Zettel, auf denen Präpositionen, Adverbien oder Konjunktionen stehen. Die Schüler müssen nun zu jedem Begriff, den sie erwürfeln, einen Satz bilden und laut nennen.

Variante 1: Kennen die Schüler Adverbien, Konjunktionen oder Präpositionen noch nicht gut genug, kann man auch auf jede Fläche des Würfels mehrere Wörter schreiben, so haben die Schüler die Möglichkeit auszuwählen, mit welchem sie leichter einen Satz bilden können. Zusätzlich könnte man auf den Würfelflächen jeweils die Wortart und mehrere Beispielausdrücke angeben.

Variante 2: Sind Schüler auch mit Intensitätspartikeln vertraut, können auch diese auf die einzelnen Flächen geschrieben werden und die Schüler müssen mit dem erwürfelten Begriff einen Satz bilden. Die Funktionalität der Wortart muss jeweils - in allen Varianten des Spiels - während des Spiels (an geeigneter Stelle/Situation) oder nach dem Spiel erklärt oder spielerisch verbunden (also als integraler Bestandteil des Spielverlaufs - bspw. nach jeder "Runde" durch Einbau einer kurzen Reflexionsphase oder Ähnliches) mit eingebracht werden.

Das Versteckspiel

Material: Kuscheltier, viele Gegenstände in einem Raum

Sozialform: alle zusammen

Altersstufe: Primarstufe

Lernziel: Die Schüler/innen lernen spielerisch Antworten zu geben und Präpositionen (bzw. Intensitäts- oder Gradpartikeln) richtig zu verwenden.

Didaktische Hinweise: Damit das Spiel den Kindern noch mehr Spaß macht, dürfen sie für dieses Spiel selbst ein Kuscheltier aussuchen.

Spielverlauf: Das Kuscheltier, wird an verschiedenen Stellen im Raum abgesetzt oder versteckt – zum Beispiel: auf dem Tisch, unter dem Tisch, auf dem Stuhl, neben dem Etui etc. Die Schüler beschreiben jeweils, wo das Kuscheltier liegt, und dürfen später auch selbst das Kuscheltier an verschiedenen Orten platzieren. Die Anderen müssen sagen, wo es sitzt. Dabei ist auf die korrekte Verwendung der Präpositionen zu achten, ggf. sind spezifische Erklärungen oder Vergleiche zu geben.

Variante 1: Die Schüler können sich anschließend selbst überlegen, wo sie ihr Lieblingskuscheltier verstecken würden, damit es niemand findet und diese Sätze zum Beispiel aufschreiben.

Variante 2: Die Kinder beschreiben ihr Kuscheltier, indem sie verschiedene Intensitätspartikeln oder Gradpartikeln, die an der Tafel stehen (und vorher kurz besprochen wurden), für die Beschreibung verwenden.

Beispielsätze für Intensitätspartikeln: Es ist sehr schön und ganz flauschig/kuschelig Mein Kuscheltier finde ich total super Ich spiele sooo gerne mit meinem Kucheltier

Beispielsätze für Gradpartikeln: Ich spiele nur noch mit meinem Lieblingskuscheltier. Es ist recht groß aber nicht zu groß. Mein Kuscheltier ist etwas dreckig Sogar Opa findet mein Kuscheltier gut.

Bewegungsspiel

Material: kein Material notwendig

Sozialform: alle zusammen

Altersstufe: Primarstufe

Lernziele: Die Lerngruppe muss nicht still sitzen, sondern die Personen können sich bei diesem Spiel bewegen, was den Unterricht ein wenig lockert.

Didaktische Hinweise: Mann sollte solche Gegenstände aussuchen, bei denen sich die Schüler während auszuführender Aktionen nicht verletzen können, und man muss die Schülergruppe gut kennen, um solcherart Spielkonzepte (ähnlich den Plan-/Rollenspielen) durchführen zu können.

Spielverlauf: Die Lehrperson gibt Anweisungen, was die Schüler zu tun haben, dabei verwendet sie Präpositionen. Beispiele: Steigt auf den Stuhl. Versteckt euch unter dem Tisch. Setzt euch neben das Pult.

Variante: Lehrer/in kann den Schülern auch eine Geschichte erzählen, in der man das tun oder nachspielen soll, was drin steht/vorkommt. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass genügend Präpositionen vorkommen. Durch den Körpereinsatz wird in der Regel ein vertiefter Lerneffekt erzielt.

Abtönungspartikel-Ratespiel

Material: verschiedene Sätze bzw. besser authentische Beispiele, in denen Abtönungspartikeln vorkommen

Sozialform: 2 Gruppen von Schülern

Altersstufe: Sekundarstufe 1

Lernziele: Hörverstehen und Aufmerksamkeitsschulung/Vermittlung der Funktionalität der Abtönungspartikeln.

Didaktische Hinweise: Die Schüler/innen müssen annähernd wissen, was Abtönungspartikeln sind. Die Sätze/Beispiele dürfen daher nicht zu schwierig bzw. sollten nachvollziehbar sein, damit die Schüler die Abtönungspartikeln und ihren Effekt/Zweck in der Kommunikation erkennen. Weiterhin muss der Klasse mitgeteilt werden, dass es darum geht, mit der Gruppe zusammen das Spiel zu gewinnen. Die nachfolgend angeführten Beispielsätze (s. u.) könnten zur Einleitung in die komplexe Thematik genutzt werden. Weiterführend sollte man bezüglich relevanter Passagen im Unterrichtskonzept authentisches Sprachmaterial verwenden (wie es in den neueren Lehrwerken wie bspw. "Auf neuen Wegen" oder "em-neu" auch schon gehandhabt wird), und die Abtönungspartikeln immer im Kontext ihrer Verwendung behandeln und entsprechend ihrer Funktionalität - der (spezifischen) Einbettung der Äußerung in den sprachlichen Handlungszusammenhang (vgl. GDS 1997: 59) - explizit und unter Einbezug pragmatischer Faktoren wie Illokution bzw. Intonation erklären.

Spielverlauf: Es werden zu Beginn die verschiedenen Beispiele/Sätze vorgestellt/geeignet präsentiert, in denen Abtönungspartikeln vorkommen. Da in diesem Spiel - je nach Anzahl der Schüler in einer Klasse - beliebig viele Gruppen gebildet werden können/sollen, geht es hier also um einen Wettbewerb. Die Schüler sollen versuchen, in jedem Satz/Dialogbeispiel die jeweilige/n Abtönungspartikel/n herauszufinden. Je nach Satz/Beispiel können verschieden viele Partikeln vorkommen. Jede richtig erkannte Abtönungspartikel erbringt einen Punkt. Wer als erster richtig liegt, bekommt den Punkt. Die Gruppe, die die meisten Punkte hat, gewinnt. Schwierig aber sinnvoll wäre, wenn es Zusatzpunkte gibt, wenn man a) auch andere Partikeln in Dialogbeispielen erkennt/benennen kann oder b) die jeweilige Funktion der (Abtönungs-)Partikel in Ansätzen beschreiben kann. Was will man durch die Verwendung der Partikel aussagen, könnte eine Frage sein, die immer mit beantwortet werden könnte (bei jedem Beispielsatz bzw. bezüglich der Einheiten des Dialogbeispiels oder des authentischen Beispiels aus der mündlichen Kommunikation) bzw. die vorher besprochen werden muss (dies eben im Hinblick auf die Illokution oder näherer Bestimmung der Illokution bzw. der Akzentuierung). Wenn jemand diese Frage beantwortet, gibt es Zusatzpunkte, sofern die Beschreibung/Begründung richtig ist oder ungefähr stimmt, nachvollziehbar/plausibel ist.

Beispielsätze:

Seid ihr aber groß geworden! (Funktion: Ausdruck des Erstaunens)

Haben Sie auch nichts vergessen? (Funktion: Abtönung der Frage (höflich))

Wo habe ich bloß meine Brille? (Funktion: eher "monologisch-abtönend")

Wie heißt du denn? (Höfliche, einladende Frage vs. schroff: Wie heißt Du?)

Das musst du doch zugeben! (Kontrast/Bekräftigung)

Das geht eben nicht anders.(Bekräftigung)

Wie heißt du eigentlich? (ähnlich wie denn; höflich-nette Frage, kontextsensitiv bzw. kontextabhängig)

Ich hatte einfach keine Lust mehr. (nähere, emotional-gefärbte Bestimmung der Proposition/Illokution; hier der Begründung)

Du hast doch nicht etwa das Spiel verschenkt? (spezifische Kombination – Funktion schwierig zu erklären: Bekräftigung der Nachfrage bzw. der eigenen Einstellung zum angesprochenen Sachverhalt)

Mein Bruder ist stark. - Und meiner erst! (Intensivierung)

Einkaufen kostet halt viel Zeit. (Affirmation/Bestätigung/Unterstreichung)

Hau ja ab! (Bekräftigung auch hier; ja betont)

Komm mal her! (höfliche Aufforderung)

Was soll ich nur tun? (monologische Frage, vgl. bloß im obigen Bsp.)

Komm ruhig rüber. (Abtönung der imperativischen Aufforderung – Höflichkeit)

Du wirst schon sehen, wohin das führt. (Bekräftigung/implizite Einstellung)

Das war vielleicht schön. (Bekräftigung des Sachverhaltes)

Wer hat das wohl geschrieben? (Vermutungsausdruck)

A: Hast Du doch gar nicht gesehen - B: Das habe ich wohl gesehen! (betontes, kontrastierendes wohl; Ausdruck des Gegensatzes (in Bezug auf Vorgängeräußerung) und der Bekräftigung der eigenen Standpunktes/Wissens)

Beispielsätze teils aus : http://culturitalia.uibk.ac.at/hispanoteca/Lexikon%20der%20Linguistik/a/ABT%C3%96NUNGSPARTIKELN%20%20%20Part%C3%ADculas%20atenuantes.htm

Autor/in: Isabella Noga, Ralf Siepmann

Bearbeitung und Ergänzung: Jochen Schulz

Literatur

Dreyer, Hilke / Schmitt, Richard (2001): Lehr- und Übungsbuch der deutschen Grammatik. Neubearbeitung. A Practice Grammar of German. New Edition. 1. Auflage. Ismaning: Max Hueber Verlag (englische Ausgabe; translated and adapted by Liz Nicholson-Goldmann and John Stevens; Druck 2006)

Helbig, Gerhard / Buscha, Joachim (2000): Übungsgrammatik Deutsch. Berlin, München: Langenscheidt

Hering, Axel / Matusek, Magdalena / Perlmann-Balme, Michaela (2002): em-Übungsgrammatik. Deutsch als Fremdsprache. 1. Auflage. Ismaning: Max Hueber Verlag (Übungsgrammatik zu den Lehrwerken em bzw. em-neu für die Mittelstufe)

Hoffmann, Ludger (2007): Über ja. (im Druck)

Rinas, Karsten (2006): Die Abtönungspartikeln doch und ja. Semantik, Idiomatisierung, Kombinationen, tschechische Äquivalente. Frankfurt am Main: Lang (Reihe XXI Linguistik, Band 302) (zugl.: Würzburg, Univ., Diss., 2005).

Schulz, Jochen (2008): Abtönungspartikeln - dargestellt am Beispiel des Ausdrucks wohl (Dortmund, Univ., Diss., 2008) (im Druck)

Willkopp, Eva-Maria / Wiemer, Claudia / Müller-Küppers, Evelyn / Eggers, Dietrich / Zöllner, Inge (2003): Auf neuen Wegen. Deutsch als Fremdsprache für die Mittelstufe und Oberstufe. Ismaning: Max-Hueber-Verlag

Zifonun, Gisela / Hoffmann, Ludger / Strecker, Bruno (1997): Grammatik der deutschen Sprache. Berlin, New York: de Gruyter (Band 1-3) (IDS-Grammatik, abgek. auch GDS) (Schriften des Institutes für deutsche Sprache; Band 7.1)